Im Nationalpark fehlen Ranger und Gäste

Von: Robert Flader und Marlon Gego
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Weniger Besucher, Personalsorg
Weniger Besucher, Personalsorgen, aber trotzdem gute Noten: Der Nationalpark Eifel im Herbst 2010. Foto: Corinna Heer/Nationalpark Eifel

Schleiden. Dem Nationalpark Eifel laufen Besucher weg. Entsprechende Informationen dieser Zeitung bestätigte der Leiter der Nationalparkverwaltung in Schleiden, Henning Walter.

Im Jahr 2008 kamen noch 240.000 Besucher in den jungen, erst 2004 eröffneten Nationalpark, 2009 nur noch 227.000: ein Minus von mehr als fünf Prozent innerhalb eines Jahres. Und dies ist nicht die einzige schlechte Nachricht, die dieser Tage bei der Nationalparkverwaltung eintrifft.

„Männlich dominiert”

Eine gerade veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass im Nationalpark „wichtige Funktionen nicht mit fest angestelltem Personal besetzt” sind, sondern mit Leiharbeitnehmern und befristet angestellten Mitarbeitern.

Weiter heißt es auf Seite 47 der von Wissenschaftlern und Naturschützern aus ganz Deutschland erstellten Studie: „Die Lage” des Nationalparks „wird sich außerordentlich verschlechtern, wenn es nicht gelingt, (...) zusätzliches, qualifiziertes Personal einzustellen.”

Die Anzahl der Nationalpark-Ranger sei für die Aufgaben des Gebietsschutzes und der Besucherführung zu gering, das Personal in der Leitungsebene nicht gut zusammengestellt „und männlich dominiert”.

Walter bestätigte gestern, dass er mit seinen 72 Mitarbeitern insbesondere des Gebietsschutzes kaum Herr werde. Lediglich 13 Ranger seien dauerhaft mit den originären Nationalpark-aufgaben befasst, mit Überwachung, Schutz, Gebietsentwicklung und Forschung, manchmal in zwei Schichten pro Tag.

„Bei einem 10.000 Hektar großen Gebiet kann man sich vorstellen, dass 13 Mitarbeiter bei weitem nicht genug sind”, sagte Walter. Zu überprüfen, ob alle Besucher sich im Herbst etwa an das Pilzsammel-Verbot hielten, sei daher „fast unmöglich”.

Auf Anfrage dieser Zeitung teilte das NRW-Umweltministerium gestern mit, auf die Personalnöte der Nationalparkverwaltung reagieren und sich mit der Studie befassen zu wollen.

In den Verhandlungen zum Nachtragshaushalt 2010 plane Umweltminister Johannes Remmel (Grüne), „die meisten der befristeten Stellen zu entfristen”, die betroffenen Mitarbeiter also mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag auszustatten. Im Haushalt 2011 dann wolle Remmel für vier zusätzliche Stellen kämpfen, sagte ein Ministeriumssprecher.

Der Nationalpark kostet das Land Nordrhein-Westfalen nach Angaben des Umweltministeriums etwa sechs Millionen Euro im Jahr. Beim Einrichten weiterer Stellen müsste der Nationalpark-Etat entsprechend angehoben werden. Deswegen bedürfen die Vorhaben des Ministeriums der Zustimmung des Landtages.

Dass Henning Walter mit den ihm zur Verfügung stehenden Rangern die Besucherführung nicht bewältigt bekommt, sieht er, anders als im Fazit der Studie formuliert, nicht als Problem. Die Nationalparkverwaltung habe 170 Ehrenamtler aus allen Bevölkerungsschichten ausgebildet, die nun „die meisten Besuchergruppen durch den Nationalpark führen”, sagte Walter.

Auch den Rückgang der Besucherzahlen sieht Walter einstweilen gelassen. Er glaubt, die 240.000 Besucher 2008 seien eher ein Ausschlag nach oben gewesen als die 227.000 im vergangenen Jahr ein Ausschlag nach unten. Überdies seien in diesen Zahlen ohnehin nur die Besucher der fünf Nationalparktore enthalten; die Besucher, die ohne Umweg über die Tore in den Nationalpark kämen, seien ja gar nicht zu erfassen.

Relativ erfolgreich

Bei mancher Kritik ist die Geschichte des Nationalparks eine relativ erfolgreiche. Zwischen Januar 2004 und Juli 2010 kamen mehr als 920.000 Besucher; eine Zahl, die die meisten Schätzungen vor der Park-Eröffnung weit übertrifft.

Und auch die aktuelle Studie kommt wie einige vorherige zu dem Schluss: „Die Nationalparkverwaltung hat in der kurzen Zeit seit Gründung des Nationalparks Eifel vor sechs Jahren sehr viel erreicht.”
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