Imgenbroich - Im Grünent(h)al wurden einst feinste Tuche hergestellt

Im Grünent(h)al wurden einst feinste Tuche hergestellt

Von: hes
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Imgenbroich. Das Grünental (früher Grünenthal) – eine wahrhaft geschichtsträchtige Stelle im Monschauer Land. Als Siedlungsort entdeckt von den Tuchmachern, lebten hier einst bis zu 42 Menschen – Beschäftigte der Feintuchproduktion und deren Familien – in diversen Gebäuden, die derzeit im Zuge des Denkmalschutzes rekonstruiert werden.

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts entstand in Imgenbroich aus der Initiative einer im Monschauer Land einheimischen, lutherisch gewordenen Familie Offermann eine Feintuchmanufaktur, die den ursprünglich bäuerlichen Charakter des Dorfes grundlegend veränderte. Die Feintuchproduktion stand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Qualität gleichrangig neben den Monschauer Tuchen. Sie prägte den baulichen Charakter von Imgenbroich bis zu seiner fast vollständigen Zerstörung im Herbst und Winter 1944/45. Von den repräsentativen Gebäuden der Tuchmacherzeit sind heute (umgebaut und verändert) allein der sogenannte „Wernershof“ (Trierer Straße) und das „Haus Amsterdam“ (Grünentalstraße) erhalten.

Wegen der günstigeren Wasser- verhältnisse wurden größere Teile der Produktion bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Monschau und ab 1763 auch nach Grünental, günstig direkt an der Rur bei Widdau gelegen, verlagert. Und so fertigte die Imgenbroich-Monschauer Feintuchproduktion auch im Rurtal oberhalb der Einmündung des Belgenbaches ihre Ware. Mit der Anlage der einzelnen Betriebe erfolgte auch der Ausbau des Waldweges vom Grünental hoch nach Imgenbroich („Bergweg“ oder K 21) zur Fahrstraße.

Aufgrund von Wasserkonzessionen von 1763 und der Folgejahre errichtete Matthias Offermann (1735-1806) in Grünental eine Wollwäsche, Färberei und eine Walkmühle, später kamen eine Loh- und eine Schleifmühle hinzu. Im Zuge der nach 1800 einsetzenden verstärkten Mechanisierung entstanden unter Georg Christoph Werner (1787-1850) eine mechanische Rauerei anstelle der Lohmühle (1817), eine neue Walke (1824) und zuletzt eine Spinnerei (1832), die 1861 abbrannte. In verkleinertem Rahmen wurde die Spinnerei bis 1900 fortgeführt.

Bis zum Ersten und Zweiten Weltkrieg wie auch in der Nachkriegszeit war Grünent(h)al ein beliebtes Ausflugslokal mit wechselnden Pächtern und Besitzern. Das idyllische Fleckchen wurde als Tanzlokal und später sogar als Diskothek zum Anziehungspunkt für junge und jung gebliebene Menschen, stand aber immer wieder mal auch zeitweise leer.

Die Talwiesen des großen, an der Rur entlang gezogenen Anwesens beherbergten zeitweilig einen Dauercampingplatz, der samt sanitären Anlagen in den 1990er-Jahren wegen Umwelt-Auflagen geschlossen wurde, da die Rur zum Trinkwassersee Rursee führt. Der Besitzer nach der Jahrtausendwende untersagte leider auch aus Unfallschutzgründen, dass der Ruruferradweg weiter über das Grünentalgelände führte; seither müssen die Radler von beiden Seiten ein kurzes, aber sehr beschwerliches Stück „Bergweg“ hoch klettern, um dem beliebten Radweg zu folgen. Auch das möchte die neue Besitzerfamilie aber 2016/17 wieder ändern, wenn Baubeginn der neuen Rurbrücke und des dann wieder durchgehenden Rad- und Rurufer-Wanderweges ist.

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