Steckenborn - Im Fußball verbunden: „Deutschland gibt mir eine neue Identität“

Im Fußball verbunden: „Deutschland gibt mir eine neue Identität“

Von: Max Stollenwerk
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Sie verstehen sich blendend, sowohl auf, als auch neben dem Platz: Spielertrainer Detlef Rump (rechts) und Amara Camara. Foto: Max Stollenwerk

Steckenborn. „Mit dem Schiff von Guinea nach Griechenland und von dort aus über Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich größtenteils zu Fuß bis nach Deutschland“, beschreibt Amara Camara aus dem westafrikanischen Guinea seinen mühevollen Weg nach Deutschland. Nach der Aufnahme in einer Erstaufnahmeeinrichtung ist er der Gemeinde Simmerath als Asylbewerber zugewiesen worden und lebt mittlerweile in Woffelsbach.

Heute hat der 23-Jährige sogar ein leichtes Lächeln auf den Lippen, wenn er von seiner kräftezehrenden Anreise nach Deutschland vor mittlerweile circa drei Jahren erzählt. Gemeinsam mit dem 19-jährigen Abou Camara, ebenfalls aus Guinea, steht er heute am Spielfeldrand des Aschenplatzes in Steckenborn und beide erzählen über die Reise nach Deutschland, das Leben hier, den Fußball und ihre Vorstellungen für die Zukunft.

Ohne Probleme integriert

Abou Camara und Amara Camara erzählen beinahe im Gleichklang, dass sie sich „in Deutschland sehr gut eingelebt haben und sich hier wohlfühlen“. Es habe bei der Einreise keinerlei Probleme gegeben, viele Leute hätten sie „freundlich und offen empfangen“ und sie hätten auch „schnell Freunde gefunden“.

Abou Camara, der inzwischen recht passabel deutsch spricht, merkt grinsend an, dass er mit der deutschen Sprache anfangs Probleme gehabt habe und es für ihn zunächst schwierig gewesen sei, diese zu lernen. Dabei betont er, dass „Deutschland ihm eine neue Identität gegeben“ habe.

Aktuell besuchen beide eine Schule in Aachen, um ihre Deutschkenntnisse weiter zu verbessern. Amara Camara fährt dazu jeden Tag mit dem Bus nach Aachen und zurück, während Abou Camara zwischenzeitlich nach Aachen gezogen ist. „Von Montag bis Freitag lernen wir täglich drei Stunden deutsch“, sagen die beiden.

In Steckenborn kennengelernt

Die jungen Männer sind vor drei Jahren unabhängig voneinander und ohne ihre Familien aus ihrer afrikanischen Heimat geflüchtet. Guinea ist eines der ärmsten Länder der Welt mit einer Lebenserwartung der Einwohner von nur knapp über 40 Jahren. Sie berichten, dass sie neben diesen Umständen auch aufgrund von gewaltsamen Übergriffen im Jahr 2013 und auch wegen familiärer Spannungen die Flucht angetreten hätten.

Amara Camara hat in seinem Heimatland die Schule besucht und vor seiner Flucht auch einen Abschluss gemacht. Abou Camara erklärt, dass er der Familie geholfen habe und in die dortige Arbeit eingebunden gewesen sei. Im Gegensatz zu der abenteuerlichen Reise von Amara Camara war die von Abou scheinbar unproblematischer. „Ich bin mit dem Flugzeug bis Frankreich geflogen und von da aus mit dem Bus weiter nach Deutschland gefahren“, erklärt der 19-Jährige.

Die beiden jungen Männer aus dem gleichen Land und mit dem gleichen Nachnamen erzählen, dass sie sich in ihrem Heimatland noch nie gesehen und sich nicht gekannt haben. Beide teilen jedoch die Leidenschaft des Fußballspielens. Lächelnd sagt Amara Camara, dass Lionel Messi und der FC Barcelona sein Vorbild im Fußball seien. In Deutschland favorisiert Amara Toni Kroos und Abou Mario Götze, während sie in der Bundesliga beide Borussia Dortmund die Daumen drücken.

Detlef Rump (52), Spielertrainer des SC Komet Steckenborn, kann sich noch gut an das erste gemeinsame Training erinnern: „Wir waren überrascht und auch etwas amüsiert, dass sich zwei junge Männer aus dem gleichen Land und mit dem gleichen Nachnamen erstmals in ihrem Leben auf dem Sportplatz in Steckenborn begegnen.“

Amara sagt, dass er durch den Torwart des SC Komet Steckenborn, Christoph Jansen, den Weg zum Verein gefunden habe. Sie seien befreundet und er habe ihm gesagt, dass er einmal mit zum Training kommen solle. Wenig später kam dann Abou dazu, den Trainer Detlef Rump, der ebenfalls in Aachen wohnt, bereits vorher kannte und animierte, einmal am Training teilzunehmen.

Rump, der bereits vor einiger Zeit einmal bei den Kometen gespielt hat, hat nach dem Aufstieg in die Kreisliga C zu Saisonbeginn das Traineramt in Steckenborn übernommen. Der 52-jährige Designer sieht die beiden sehr positiv. „Sie machen beide gute Fortschritte und haben sich schnell in die neue Mannschaft integriert. Sie wurden auch gut aufgenommen und können sich durch ihre soliden Deutschkenntnisse auch problemlos mit ihren Mannschafskollegen unterhalten“.

So sind Amara und Abou mittlerweile in vielen Spielen im Mittelfeld der Steckenborner gesetzt und nicht nur ihr Spielertrainer hofft, „sich in der Liga konsolidieren zu können und am Ende der Saison den Klassenhalt in der neuen Liga realisieren zu können“.

Zukunft in Deutschland

Ihre Zukunft sehen sowohl Amara Camara als auch Abou Camara in Deutschland. „Ich würde gerne dauerhaft in Deutschland bleiben. Auch würde ich hier gerne eine Arbeit finden“, lautet die Antwort von Amara. Abou ist sich zwar noch nicht sicher, in welchem Bereich er später gerne einmal arbeiten möchte.

Inzwischen ist auf der Steckenborner Asche das helle Flutlicht angegangen und die beiden haben die Fußballschuhe geschnürt. Lächelnd traben sie beide auf den Platz und fügen sich sofort in die erste Übung des Mannschaftstrainings ein. Denn am Sonntag wartet das nächste Heimspiel, das sie natürlich gewinnen möchten.

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