„Ich bin kein Künstler,ich bin ein Fotograf”

Von: ag
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KuK-Leiterin Nina Mika-Helfmei
KuK-Leiterin Nina Mika-Helfmeier und Städteregionsrat Helmut Etschenberg freuten sich, mit Jürgen Schadeberg einen namhaften Künstler und Fotografen in Monschau begrüßen zu können. Foto: Andreas Gabbert

Monschau. Während Jürgen Schadeberg über die Eindrücke bei seiner Ankunft als junger Mann in Südafrika berichtet und von seiner Art zu fotografieren erzählt, suchen seine Hände immer wieder tastend nach seinem Arbeitsgerät, das ihm um den Hals hängt und ihn stets begleitet, damit keine Situation verloren geht.

Auch diese Konstellation, wie die Menschen während der Eröffnung seiner Ausstellung im Kunst- und Kulturzentrum (KuK) der Städteregion in Monschau um ihn herum stehen und gebannt zuhören, was der 81-Jährige im Podiumsgespräch mit Bernd Büttgens, stellvertrender Chefredakteur dieser Zeitung, aus seinem bewegten Leben zu berichten hat, lässt ihn zu seiner Leica greifen, um diesen Moment festzuhalten.

Dabei haben die Bilder von Jürgen Schadeberg alle eines gemeinsam: den genauen Blick des Fotografen, der scheinbar unentdeckt einen Augenblick festzuhalten weiß. Auf diese Weise entstehen unglaublich intime Momente, die sowohl Humor als auch Melancholie in sich tragen können. Sie berühren den Betrachter und lassen in nicht mehr los.

So ging es wohl auch den Besuchern der Vernissage am Samstag im KuK, wo jetzt ein Querschnitt durch die wichtigsten Arbeiten des Fotografen zu sehen ist. Dabei nehmen vor allem die Fotos, die er in seiner Wahlheimat Südafrika gemacht hat, einen bedeutenden Platz ein.

Bereits 1950 war Jürgen Schadeberg nach Johannesburg ausgewandert, weil ihm für einen Aufenthalt in New York das Geld fehlte, wie er im Podiumsgespräch zugab. In Südafrika entstanden die berühmten Porträts schwarzer Jazzmusiker, aber auch Zeugnisse der politischen Verhältnisse.

Sie zeigen beispielsweise Szenen aus dem Alltag, wie in der Serie aus Sophiatown, einem Vorort Johannesburgs, aus dem die schwarze Bevölkerung nach und nach vertrieben wurde. Besonders beeindrucken auch die Bilder aus dem Gefängnis Robben Island, in dem auch Nelson Mandela einsaß, den Schadeberg mehrfach porträtierte.

„Viele der Bilder sind Zeugnisse der Diskriminierung und machen deutlich, was durch die Apartheids-Politik zerstört wurde”, sagte Städteregionsrat Helmut Etschenberg in seiner Begrüßung.

Seit mehr als 70 Jahren ist der 1931 geborene Jürgen Schadeberg mit seiner Leica unterwegs, um die Menschen und ihr Leben mit der Kamera einzufangen. Dabei hat er sich nie als Künstler verstanden, wie er im Gespräch klar stellte. „Ich bin kein Künstler, ich bin ein Fotograf”, sagte Schadeberg.

Dennoch ist er mehr als ein Fotojournalist, der mit seiner Kamera zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Sein unbestechlicher Blick für ein Motiv und dessen Inszenierung machen seine Fotos zu Kunstwerken, die über die Momenataufnahme hinausgehen und beim Betrachter Erstaunen, Bedrücken oder ein Lächeln auf dem Gesicht auslösen.

„Der Anfang der Welt”

Das nach Anton Corbijn und Jim Rakete innerhalb kurzer Zeit wieder ein weltbekannter Fotograf im KuK ausstellt, ist erneut dessen Leiterin, Dr. Nina Mika-Helfmeier, zu verdanken, wie Städteregionsrat Helmut Etschenberg und Jürgen Schadeberg herausstellten. Der Fotograf berichtete davon, wie ein Bekannter ihn angesprochen habe, warum er am Ende der Welt ausstelle. Schadebergs Antwort: „Wieso das Ende? Monschau ist der Anfang der Welt.”

Die Ausstellung „Fotografie aus sieben Jahrzehnten” läuft noch bis 23. Dezember, Öffnungszeiten des KuK sind: dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr.
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