Hufpflege, heiße Eisen und blaue Flecken

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
7706173.jpg
Die Stute Melys lässt die Prozedur geduldig über sich: Viele Tiere, die Jörg Schollmeier behandelt, kennt er schon seit Jahren. Foto: A. Gabbert

Nordeifel. Der Amboss und ein Eimer Wasser stehen schon bereit, während Jörg Schollmeier in seiner mobilen Werkstatt schon mal den Ofen anheizt. An diesem Morgen macht er in Strauch an der Kölner Straße Station.

Es dauert nicht lange, bis die Hufeisen darin rotglühend funkeln – Zeit zu sehen, ob „die Schuhe“ passen. Zuvor hat er das Pferd schon aus der Box geholt und die „Fingernägel“ geschnitten. „Letztendlich muss man als Hufschmied ein Orthopäde sein“, sagt Schollmeier, während er sich den Huf der Stute „Melys“ zwischen die Beine klemmt und anschließend auf einem Bock absetzt.

Schollmeier versucht, in seinem Beruf als Hufschmied Tradition und Moderne miteinander zu verbinden. Früher kamen die Leute mit ihren Tieren zum Dorfschmied, heute kommt er zu ihnen. Auf dem Transporter, mit dem der Wahleifeler aus Mützenich seine Kunden besucht, ist die Adresse seiner Internetseite zu lesen. Einen QR-Code, mit dem die Seite über das Mobiltelefon schneller zu finden ist, hat er auch angebracht. „Ich gehe mit der Zeit“, sagt Schollmeier.

Grundsätzlich ist seine Arbeit aber noch die gleiche wie vor hundert Jahren. Mit einer so genannten Nietklinge löst er die Hufeisennägel. „Aufmachen“ nennen die Hufschmiede das. Dann zieht er das Eisen ab und greift zu einer großen Raspel, mit der er den so genanten Tragrand des Hufes bearbeitet – es rieselt Späne. „Ich kürze den Tragrand des Hufes, schaue mir die Anatomie an und achte darauf, ob sich Krankheiten gebildet haben“, erklärt Schollmeier dabei.

Schon als Kind war er täglich im Reitstall beim Pferd seiner Familie anzutreffen. Vor 20 Jahren kaufte der 43-Jährige selbst ein Pferd und begann umzudenken. Intensiv setzte er sich mit dem Umgang, der Haltung und auch mit der Hufpflege und dem Beschlagen auseinander. Ab dem Jahr 1998 begleitete er seine damalige Lebensgefährtin und jetzige Frau bei ihrer Arbeit als Hufpflegerin. Das Thema „Hufe“ faszinierte ihn damals schon so sehr, dass er 2001 beschloss, eine Ausbildung zum Hufschmied zu machen. Seine vorherige Ausbildung zum Metallbauer machte dies möglich.

„Ich finde es einfach faszinierend, dass ein so schweres Tier auf einer solch kleinen Fläche läuft.“ Im lockeren Trab werde ein Huf mit etwa 500 Kilogramm und mehr belastet und nichts gehe kaputt, sagt er. Nach der erfolgreichen Prüfung zum „Staatlich anerkannten Hufbeschlagsschmied“ machte er sich dann selbstständig. Seitdem ist er mit seiner mobilen Werkstatt hauptsächlich in der Nordeifel sowie im Aachener und Dürener Raum unterwegs. Rund 45.000 Kilometer legt er im Jahr zurück.

In seinem Wagen findet er alles, was er braucht. Knapp 500 Hufeisen hängen dort. Schleif- und Bohrmaschine sind genauso vorhanden wie ein Schweißgerät und ein Gasofen.

Schollmeier holt das heiße Eisen aus dem Ofen. Immer wieder schlägt er mit dem Hammer in seiner Hand auf das glühende Eisen ein, bis es genau die richtige Form erreicht hat. Es zischt und dampft, als er das noch immer glühende Hufeisen auf den Huf des Pferdes presst. Das darf nur ein ausgebildeter Hufschmied. Im Stall sieht es kurz darauf aus wie einst in einer gut gefüllten Raucherkneipe. Die Löcher sind an der richtigen Stelle und der Huf kann beschlagen werden, vorher versieht Schollmeier das Hufeisen mit Hilfe einer Flex mit einer Abrutschkante. „Das muss sein, damit das Pferd das Eisen nicht so schnell wieder abtritt.“

Das Pferd lässt die Prozedur geduldig über sich ergehen. Zwischendurch legt der Hufschmied sein Werkzeug auf dem Rücken der Stute ab. Die meisten Tiere, die er behandelt, kennt er schon seit Jahren und weiß, wie sie in bestimmten Situationen reagieren. „Jedes Pferd ist ein Individuum und wird genauso von mir behandelt und bearbeitet“, sagt Schollmeier. Das schützt ihn aber nicht immer vor Bissen und Tritten. „Das sind dann meist junge Pferde oder welche, die schlechte Erfahrungen gemacht haben.“ Dabei ist egal ob er an den Vorder- oder an den Hinterbeinen arbeitet. „Hinten kann man getreten werden, vorne kann das Pferd steigen“, sagt Schollmeier. In seiner Anfangszeit tat ihm oft jeder Knochen weh und die Knie waren grün und blau. „Das waren halt die ersten Schnitzversuche und die ungewohnte Arbeitshaltung schuld“, sagt Schollmeier. Nachdem der Hufbeschlag bei Melys beendet ist, geht es weiter nach Rollesbroich. Dort wartet schon der Wallach Gino.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert