Höhner-Konzert mit einem Heiratsantrag

Von: maxs
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Sogar als Pizzabäcker die richtigen Töne getroffen: Die Höhner, hier mit Frontmann Henning Krautmacher als Pizzabäcker, rissen das Publikum beim Monschau-Festival auf der Burg schnell von den Sitzen. Foto: Max Stollenwerk
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Ein ganz besonderer Moment: André Bohnen machte seiner zukünftigen Frau Jenny Breuer während des Konzerts einen erfolgreichen Heiratsantrag auf der Bühne. Foto: Max Stollenwerk

Monschau. „Da simmer dabei, dat is prima“, dachten sich an diesem Abend wohl nicht nur Jenny Breuer und André Bohnen aus Huppenbroich, als sie das ausverkaufte Konzert der Kölner Kultband Höhner auf der Monschauer Burg besuchten.

Denn André Bohnen hatte sich den Auftritt der Höhner ausgesucht, um seiner Lebensgefährtin Jenny einen Heiratsantrag vor versammeltem Publikum zu machen.

Während des Konzerts blieb der angekündigte Regen glücklicherweise aus, die Gäste auf der Monschauer Burg waren bester Laune, und abwechslungsreiche Musik der Extra-Klasse ertönte hoch über den Dächern Monschaus: Der Auftritt der Höhner war zweifellos einer der Höhepunkte im Rahmen der Monschauer Festspiele. Während die Gäste noch munter plauderten und das eine oder andere Getränk zu sich nahmen, spielte sich das 64-köpfige Orchester der Jungen Sinfonie Köln unter der Leitung von Ulrich Gögel und Sebastian Hässy bereits ein und die ersten leisen Töne erklangen.

Vor Beginn des Konzerts erklärte Helmut Lanio, Programmchef des Monschau-Festivals, dass das Konzert der Höhner „von der Organisation her die schwierigste Veranstaltung“ gewesen sei. Der logistische Aufwand sei enorm gewesen, unter anderem, weil ein kleiner Bus „zehn bis 15 Mal zur Burg hinauffahren musste, um alle Instrumente und Materialien des Orchesters dorthin zu bringen“, so Lanio.

Zudem habe der zeitweilige Regen den Transport sowie die Generalprobe leicht verzögert. Der Aufwand habe sich jedoch gelohnt, da es für die Klassik „immer das Ziel ist, etwas Besonderes zu finden“, betont der 65-jährige. Und auch knapp 30 Resttickets, die kurzfristig von einem Reiseunternehmen zurückgegeben wurden, waren vor dem Konzert schnell vergriffen, so dass alle 1150 Plätze der Burgtribünen belegt waren.

Nach einem dreiminütigen Intro durch das Orchester, betraten dann auch die sechs Mitglieder der Höhner um Frontmann Henning Krautmacher die Bühne. Dieser begrüßte bester Laune das Publikum und zeigte sich „beeindruckt von der Kulisse auf der Monschauer Burg“. Dabei zeigte er seine Qualitäten als Entertainer und offenbarte den Zuschauern, „dass Monschau der erste Spielort ist, bei dem ich weiß, dass auch die Menschen auf dem Friedhof zuhören können“.

Er fühlte sich sichtlich wohl und verriet vor Beginn des Auftritts, dass er sich „durchaus vorstellen“ könne, erneut nach Monschau zu kommen und in „fünf Jahren dann vielleicht das erste Jubiläum hier zu feiern“. Dieses mögliche Jubiläum sollte bei weitem nicht das einzige an diesem Abend bleiben, der oftmals im Zeichen der Jubiläen stand. So übergab er direkt danach einen selbst mitgebrachten Oscar an Sebastian Hässy, den Dirigenten der Jungen Sinfonie Köln, da diese in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert und sich laut Krautmacher auch dadurch auszeichne, „ihre Träume durch die Musik zu leben und nicht das Leben zu träumen“.

Die ersten Stücke der Höhner waren wohl für fast alle Zuschauer ungewohnte Töne. Nicht die bekannten Karnevals-Klassiker, sondern nachdenkliche und gefühlvolle Balladen erklangen. Ein Song handelte beispielsweise von einem an Leukämie erkrankten jungen Mädchen, das in der Nachbarschaft von Henning Krautmacher gelebt hat und aufgrund fehlender Stammzellenspende nicht mehr gerettet werden konnte. Gleichzeitig appellierte er an die Spendenbereitschaft des Publikums.

Nach einigen weiteren eher ruhigen Liedern gratulierte Krautmacher dann Ulrich Gögel zum 40-jährigen Mitwirken in der Jungen Sinfonie Köln. Er fragte, ob denn der Name „junge“ Sinfonie in diesem Zusammenhang noch passe, woraufhin Ulrich Gögel den ihm angebotenen Oscar augenzwinkernd ablehnte und den Taktstock für einen stimmungsvollen Radetzky-Marsch schwang. Ganz nebenbei wäre Josef Graf Radetzky in diesem Jahr natürlich 300 Jahre alt geworden.

Die Höhner, die mittlerweile auf 44 Jahre („4 x 11“) Bühnenpräsenz zurückblicken können, waren nun richtig in Fahrt und spielten ihre Hits „Pizza Wunderbar“ und „Die Karawane zieht weiter“ – im passenden Outfit. Als Krautmacher, der in diesem Jahr 30-jähriges Jubiläum bei den Höhnern feiert, dann „Viva Colonia“ anstimmte, erhob sich das Publikum erstmals von den Sitzen, klatschte und sang dabei kräftig mit, während sich das Altstadt-Tal mit Abendnebel füllte.

Die ausgelassene Stimmung nutzte André Bohnen aus Huppenbroich dann, um seiner Freundin Jenny Breuer den erwähnten romantischen Heiratsantrag auf der Bühne zu machen, den diese vollkommen überrascht, aber überaus glücklich annahm. Diesen besonderen Moment durften die beiden dann voll und ganz auskosten, so dass sie beim nächsten Stück, das passenderweise „E Levve lang“ war, vereint auf der Bühne blieben und nicht nur bei dem Paar die Tränen ganz nahe waren.

Nach weiteren stimmungsvollen Songs, einem ausgeprägten Solo des Orchesters und einer gut 30-minütigen Pause ging es gefühlvoll mit dem Stück „Stille Helden“ weiter, das von Leuten handelt, die viel leisten, aber damit nicht in den Vordergrund treten möchten. Die von den Höhnern umgedichtete Version von Frank Sinatras Nummer-Eins-Hit „Something Stupid“ in „Jet bekloppt“ war ein weiteres Highlight des Konzerts.

Inzwischen hielt es längst keinen mehr auf den Sitzen, die restlos begeisterten Zuschauer sangen, schunkelten und ließen eine La- Ola-Welle nach der anderen starten. Die Höhner spielten hintereinander einige Klassiker wie „Echte Fründe“, „Hey Kölle“ oder „Schenk mir dein Herz“, bevor sie gegen 23.30 Uhr unter tosendem Applaus die Bühne verließen.

Doch der Applaus und die Rufe nach einer Zugabe ebbten nicht ab, so dass sie schließlich noch einmal zurück auf die Bühne kehrten. Krautmachers Frage, ob denn alle Anwesenden kein Bett hätten, mussten die Gäste nicht beantworten. Schließlich folgten zwei Zugaben, unter anderem der Hit zur Handball-WM 2007 „Wenn nicht jetzt, wann dann“.

Bevor alle um kurz vor Mitternacht den Heimweg antraten, war die Begeisterung noch einmal bis ins Tal in der Altstadt zu hören, nachdem Henning Krautmacher fragte, ob die Höhner denn nächstes Jahr wieder nach Monschau kommen sollten.

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