Höhere Abschussquote empört Jäger und Kommunen

Von: Marlon Gego
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Dürfen Hirsche und Rehe im Nat
Dürfen Hirsche und Rehe im Nationalpark Eifel geschossen werden? Nein, sagen die Jäger. Ja, sagt die Nationalparkverwaltung. Foto: Nationalpark Eifel

Aachen/Schleiden. Die Nachricht, dass im Nationalpark Eifel bald noch mehr als bislang gejagt werden könnte, empört Jäger in der ganzen Region. Nach Informationen dieser Zeitung planen NRW-Umweltministerium und Nationalparkverwaltung, zum Schutz junger Buchen den Rotwildabschuss für drei bis fünf Jahre auf bis zu 325 Tiere pro Jahr zu erhöhen.

Denn das Wachstum junger Buchen wird nach Angaben der Nationalparkleitung durch Rotwildverbiss beeinträchtigt oder im schlimmsten Fall verhindert, in erster Linie im Süden des Nationalparks, im Bereich Dedenborn (Gemeinde Simmerath) und Wahlerscheid (Stadt Monschau). Der Zweck des Nationalparks aber ist, ihn zum Buchenurwald zu machen, ihn also in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Deswegen soll die Zahl der Rehe und Hirsche im Nationalpark deutlich reduziert werden.

„Die Reviere sind leer”

Besonders laut beschweren sich darüber die Pächter der Jagdreviere, die an den Wahlerscheider Teil des Nationalparks grenzen. Karl-Heinz Kuckelkorn etwa, Sprecher der 1200 Mitglieder starken Kreisjägerschaft Aachen, kritisiert, dass im Nationalpark gemäß dessen eigenen Statuten eigentlich überhaupt nicht gejagt werden dürfe - obwohl dies nach Auskunft des Dachverbandes aller Nationalparke „Europarc” in fast allen Nationalparken Europas die Regel ist. Allenfalls, sagt Kuckelkorn, dürfe gejagt werden, wenn keine anderen Maßnahmen zum Schutz des Waldes greifen. Kuckelkorn glaubt, dass die jungen Buchen am effektivsten jedoch nicht durch die Rotwildjagd geschützt werden könnten, sondern indem sie eingegattert würden, so dass das Wild erst gar nicht in die Nähe junger Bäume kommen kann.

Die eigentliche Sorge der Jäger ist natürlich nicht der Naturschutz im Nationalpark, sondern der Rotwildbestand in den von ihnen für viel Geld gepachteten Jagdrevieren. Kuckelkorn sagt, dass sich das Rotwild aus den Wirtschaftswäldern um Wahlerscheid herum in den Nationalpark zurückziehen würde, weil es dort mehr Ruhe habe - und sich dann an den jungen Buchen zu schaffen mache. Die Jäger der anliegenden Reviere hätten deswegen kaum mehr etwas zu schießen. Viele hätten sogar Probleme, die mit der Unteren Jagdbehörde vereinbarte Abschussquote zu erfüllen, sagt ein Jäger mit Revier am Nationalpark. „Den Jägern fehlt einfach das Jagderlebnis, weil ihre Reviere leer sind”, glaubt Margareta Ritter (CDU), Bürgermeisterin der Stadt Monschau.

Ritter befürchtet deswegen, dass die 2012 auslaufenden Pachtverträge, die ihre Stadt mit acht Jägern geschlossen hat, von den Jägern nicht verlängert werden könnten. Für Monschau wäre der Schaden erheblich, die acht Jäger überweisen etwa 100.000 Euro Pacht pro Jahr an die Stadt. Ritter findet, dass die Nationalparkverwaltung die Stadt Monschau nur unzureichend in ihre Planungen einbeziehe. Sie spricht von einem Interessenkonflikt zwischen Stadt und Nationalparkverwaltung, der durch die geplante Erhöhung der Abschussquote „unnötig verschärft” werde.

Statistisch hingegen lassen sich die Sorgen von Stadt und Revierpächtern nicht belegen. Auf Anfrage dieser Zeitung teilte die Untere Jagdbehörde  in der Aachener Kreisverwaltung am Mittwoch mit, dass sich in zwölf Jagdrevieren am oder nahe des Nationalparks die Abschussquoten zwischen 2000/2001 und 2009/2010 allenfalls unwesentlich verringert hätten. Einzelne Reviere hätten heute sogar eine höhere Abschussquote als vor der Gründung des Nationalparks 2004.

Auf keinen Fall Gatter

Diese Statistiken kennt auch Nationalparkchef Henning Walter. Deswegen kann er die Aufregung der Jäger nicht nachvollziehen. Er verwehrt sich gegen die Forderung einiger Jäger, die jungen Buchen einzugattern oder durch die Erweiterung des Wegenetzes bewusst mehr Besucher in die Aufforstungsgebiete zu leiten, um das Rotwild von dort zu vertreiben. „Was hat das mit einem Nationalpark zu tun?”, sagte Walter. Zumal Naturschützer das große Wegenetz des Nationalparks immer wieder kritisieren.

Karl-Heinz Kuckelkorn hätte am liebsten, „dass alle Beteiligten sich an einen Tisch setzen und darüber sprechen, wie man allen Seiten gerecht werden kann”. Das möchte auch Nationalparkchef Walter. Aber er sagt: „Seit Jahren gelingt es mir nicht, alle Interessengruppen an einen Tisch zu bekommen.”

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