Höfener Kirche: Der Altar dient vorübergehend als Werkbank

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Der singende Hirte und seine Schäfchen: Ab Samstag ist Reiner Jakobs wieder fast zwei Monate lang im Dauereinsatz. Foto: A. Gabbert

Höfen. In der ersten Kirchenbank haben die Schafe vorläufig Platz gefunden. In den Bänken dahinter tummeln sich Füchse, Rehe, Greifvögel, Wildschweine und viele andere Waldbewohner. Auf dem Altar stehen Akkuschrauber und Kisten voller Nägel und Werkzeug. Bündel mit Gräsern und Getreide liegen auf dem Boden herum, Kartons mit Kastanien, Tannenzapfen und Baumscheiben stehen daneben – der Altarraum gleicht einer Baustelle, und der singende Hirte ist wieder ganz in seinem Element.

Vor 14 Tagen hat Reiner Jakobs aus Höfen mit seinen Helfern (Franz Roder, Engelbert Roder, Erich Jakobs, Klaus Schülter, Rudi Rader, Günter Below, Georg Hoppe und Ewald Kirch) begonnen, die riesige Landschaftskrippe in der Kirche aufzubauen. Schon morgens zwischen 4 und 5 Uhr beginnt die Arbeit in der Kirche, schließlich muss bis Samstag alles fertig sein. Dann wird Jakobs zum 22. Mal die Felljacke überstreifen, den Hirtenhut aufsetzen und fast zwei Monate lang seinen Platz in der Krippe einnehmen, um begleitet von Gitarre, Panflöte oder Mundharmonika die schönsten Advents- und Weihnachtslieder zu singen.

Auch in diesem Jahr wird er wohl wieder rund 10.000 Besucher anziehen, die die 20 Meter breite und acht Meter hohe Landschaftskrippe bestaunen und sich von dem singenden Hirten auf das Weihnachtsfest einstimmen lassen wollen. Der Spendenerlös geht regelmäßig an die Kinderkrebsstation im Aachener Klinikum. Im vergangenen Jahr überreichte Jakobs die Rekordsumme von 44.500 Euro an deren Chefarzt, Professor Dr. Rolf Mertens.

Manche Besucher reisen gleich gruppenweise mit dem Bus an, aber auch für einzelne singt Jakobs gerne „St. Niklas war ein Seemann“, das Ave-Maria der Berge, „Die Welt so groß und schön“ oder „Stille Nacht“. Wenn seine Stimme erklingt, wird es mäuschenstill in der Kirche. „Dann weiß ich, dass mir die Menschen zu hören, das ist das Wichtigste an der Sache“, sagt der 71-Jährige.

Bis dahin muss aber noch einiges vorbereitet werden. Allmählich geht es an die Detailarbeit. „Und die ist sehr wichtig“, sagt Jakobs. Alles muss an richtigen Platz sein, denn einige regelmäßige Besucher entdecken jeder kleine Veränderung. „Der Jupp kommt in die Werkstatt, da kann er arbeiten und die Muttergottes hier hin, damit der Verkündigungsengel sie im Blick hat“, erklärt der Krippenbauer.

Die große Tanne, die diesmal aus dem Garten von Jimmy Kelly stammt, thront bereits über dem Stall. Besonders knifflig ist die Konstruktion des Wasserrades. Es darf sich nicht zu langsam drehen, aber auch nicht zu schnell, „sonst spritzt es zu viel“. Neu in diesem Jahr sind der Hochsitz an der rechten Seite, unter dem sich bereits eine Fuchsfamilie tummelt, und die kleine Grotte mit der Madonno aus Lourdes.

Wenn Jakobs nach 52 Tagen bzw. 416 Stunden Dauereinsatz am 27. Januar wieder zu Hause einzieht, ist aber noch lange nicht Schluss. Zehn Autoanhänger-Ladungen müssen sortiert und die rund 250 ausgestopften Tiere gepflegt werden. Diejenigen, die aussortiert werden, bekommen im nächsten Jahr ihr Gnadenbrot in der Außenkrippe. „Wer da steht, hat es hinter sich.“ Im Frühjahr beginnt Jakobs dann schon wieder Moose, Farne und Gräser für das nächste Jahr zu sammeln.

Wie lange er noch als singender Hirte in der Krippe Platz nehmen wird, weiß Reiner Jakobs nicht. „Das entscheidet ein anderer“, sagt Jakobs und zeigt dabei nach oben. „So lange der da oben will, mach ich es, aber wenn er sagt es reicht, dann reicht es.“

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