Monschau - „Hochzeit auf den ersten Blick“: Wo Fremde sich das Ja-Wort geben

„Hochzeit auf den ersten Blick“: Wo Fremde sich das Ja-Wort geben

Von: Andreas Gabbert
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Millionen Menschen haben im TV gesehen, wie sich Stephan Fast und Ramona Zenker das Ja-Wort gaben: Sie sind Kandidaten der TV-Show „Hochzeit auf den ersten Blick“. Foto: SAT.1/Christoph Assmann

Monschau. Seine Ehefrau hat Stephan Fast aus Monschau zum ersten Mal auf dem Standesamt gesehen, kurz bevor er ihr das Ja-Wort gab. Begleitet wurden die beiden Heiratswilligen dabei von einem Fernsehteam des Senders Sat1.

„Hochzeit auf den ersten Blick“ heißt die Sendung, in der sich acht Kandidaten das Ja-Wort geben, ohne sich vorher kennengelernt zu haben. Stephan Fast und Ramona Zenker aus Witten sind das erste Paar, das in der dritten Staffel den Bund der Ehe schloss.

In den ersten beiden Folgen erlebten die Zuschauer die Heirat der beiden und bekamen Einblicke in die Flitterwochen. Sechs Wochen nach der Hochzeit kommen die Paare wieder an den Ort der Trauung zurück und müssen sich entscheiden, ob sie zusammen bleiben wollen oder ob sie die Scheidung einreichen.

Wird aus Wissenschaft Liebe?

„Es handelt sich um ein Sozialexperiment, das der Frage nachgeht, ob man aus Wissenschaft Liebe machen kann“, erläutert Fast. Nach einem sechsjährigen Auslandsaufenthalt kehrte der gebürtige Monschauer im Jahr 2013 in seine Heimatstadt zurück und sah im Fernsehen eine Vorschau der ersten Staffel. „Da wurde auch das Prinzip erklärt. Das fand ich total faszinierend und interessant. Damals hätte ich mich aber niemals beworben“, sagt Fast. Die Sendung hat er niemals ganz gesehen.

„Im Januar dieses Jahres gab es eine Phase in meinem Leben, in der ich mir viele Gedanken über meine Zukunft gemacht habe“, erzählt der inzwischen 30-Jährige, der in der Monschauer Altstadt lebt und dort in einem Hotel in der Direktion bzw. im Management arbeitet. „Viele Möglichkeiten, jemanden kennenzulernen, gibt es hier nicht. Wenn man hier aufgewachsen ist, kennt man sich ja untereinander“, sagt Fast.

Fest steht für ihn, dass er eine Familie gründen und Kinder haben möchte. Die Partnersuche über das Internet kam für ihn nicht in Frage. „Ich glaube, dass ich im Internet nicht die Frau finde, die ich suche“, sagt er. Er erinnerte sich an die Sendung und das Prinzip und bewarb sich als Kandidat. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich ausgewählt werde.“

Nach Angaben des Fernsehsenders hatten sich 5128 Singles für „Hochzeit auf den ersten Blick“ beworben. Schließlich wurden 153 Kandidaten von drei Experten aufwendig mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden ausgewählt. Gemeinsam entschied das Expertenteam, wer für wen der ideale Partner sein könnte. So entstanden vier Paare.

Zunächst musste Stephan Fast im Internet einen Fragebogen ausfüllen. Kurze Zeit später erhielt er Post und musste weitere Fragen beantworten. Es folgte ein andert-halbstündiges Telefoninterview.

Anschließend flog er zweimal nach Berlin. Dort folgten weitere Interviews und Tests mit Tausenden von Fragen. Er musste umfassende Angaben machen, zum Beispiel zum Bildungsabschluss, zur ethnischen Herkunft und zur Religionszugehörigkeit. Mit wissenschaftlichen Fragebögen wurden Informationen über Ehrlichkeit und andere relevante Persönlichkeitsfaktoren ermittelt.

Die Kandidaten mussten allgemeine Befragungen zum jeweiligen Traumpartner beantworten. Außerdem mussten die Singles drei Nächte hintereinander ungeduscht in einem T-Shirt schlafen, das dann luftdicht verschlossen und potenziellen Partnern zum Riechtest gegeben wurde. Sie sollten beurteilen, wie angenehm oder unangenehm sie den Geruch empfinden. Psychotherapeutische Hintergrundgespräche über vorangegangene Beziehungserfahrungen und familiäre Verhältnisse sowie eine eingehende Analyse der Wohnsituation der Singles rundeten das intensive Auswahlverfahren ab.

Auch die Aussagen von Freunden und Familie über optische Vorlieben der Bewerber spielten eine wichtige Rolle. Den Singles nahestehende Personen sahen und beurteilten außerdem Fotos möglicher Partner.

Umgekehrt sollte Stephan Fast angeben, welche Attribute seine potenzielle Partnerin erfüllen soll. Von einer Rechtsanwältin wurde er über seine Rechte und Pflichten als zukünftiger Ehemann aufgeklärt. Außerdem ging es um Fragen nach dem Motto „Was ist, wenn…“. Zum Beispiel, wenn die Braut schwanger sein sollte. „Das hat mir das Gefühl gegeben, dass das seriös und durchdacht ist“, sagt Fast. Die acht Kandidaten, die sich trauen ließen, wurden schließlich von der Paartherapeutin Beate Quinn, der Psychoanalytikerin Dr. Sandra Köhldorfer und dem Diplom-Psychologen Markus Ernst ausgewählt.

Stephan Fast durfte niemanden etwas davon verraten. Dem engsten Freundeskreis und seinem Vater erzählte er im April von seinem Vorhaben. „Die haben alle dicht gehalten.“ Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. „Mein Vater war skeptisch. Er meinte aber, ich wüsste schon, was ich mache, und sagte, dass er hinter mir steht“, erzählt der frisch Verheiratete.

Die Meisten reagierten ungläubig und hatten eine Menge Fragen. „Einer meiner Freunde konnte erstmal gar nichts sagen. Aber niemand hat etwas Negatives gesagt. Im Gegenteil, ich habe viel Unterstützung erhalten“, sagt Fast. Seine Mutter hat es als eine der Letzten vor laufender Kamera erfahren. „Sie ist natürlich aus allen Wolken gefallen. Sie hat gelacht und nach einem Schnaps verlangt“, erinnert sich Stephan Fast.

Besondere Momente

Geheiratet wurde Ende Juli in Neuenstein bei Kassel. „Ich war aufgeregt, aber relativ gelassen. Ich hatte wenig Sorgen, dass sie mir nicht gefällt“, berichtet Fast. Als er seine zukünftige Frau zum ersten Mal sah, war das ein besonderer Moment. „Ich wusste, dass mich in diesem Augenblick alle angucken, um zu sehen, wie ich reagiere. Sie war aber noch viel aufgeregter“, sagt er. Wichtiger war für ihn aber der zweite Moment, als er sie an die Hand und in den Arm nehmen durfte. „Da war eine Wärme da.“

Während und nach der Dating-Show, die sonntags um 17.45 Uhr gesendet wird, meldeten sich sehr viele Leute bei Stephan, darunter auch einige, die er schon lange nicht mehr gesehen hatte.

„Was man emotional durchmacht, ist heftig. Man muss sich im Klaren sein, was man macht und welche Konsequenzen das hat. Das ganze Leben ist von heute auf morgen auf den Kopf gestellt“, sagt Stephan Fast.

Wie die Sache ausgegangen ist, wissen die Menschen, die ihm nahestehen, natürlich längst. Allen anderen will er es noch nicht verraten, um den TV-Zuschauern nicht die Spannung zu nehmen.

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