Historisches Spektakel im Freilichtmuseum Kommern

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Der Gaukler „Gilbert”, der sich schon in der Szene der Straßenkünstler vor dem Pariser „Centre Pompidou” einen Namen gemacht hat, gehört zum Standardprogramm des Kommerner „Jahrmarktes anno dazumal”. Besucher aus halb Deutschland und den Beneluxländern strömten am Osterwochenende zu diesem Spektakel. Foto: Manfred Lang/Agentur ProfiPress

Kommern. Rekordverdächtig war der Publikumsandrang am ersten Wochenende des Historischen Jahrmarkts im Kommerner Freilichtmuseum: Auf rund 15.000 Gäste schätzte die Museumsleitung die Zahl der Besucher über Ostern.

Wie gruselte man sich 1949 auf einer Geisterbahn? Wie sahen anno dazumal die Geschicklichkeitsspiele auf einem Jahrmarkt aus? Wie wild war die Fahrt auf der Raupenbahn?

Oder grundsätzlich gefragt: Wie amüsierte man sich in vergangenen Jahrhunderten auf der Kirmes? Fragen, denen die zum Osterfest aus ganz Deutschland sowie aus den Beneluxländern anreisenden Besucher des „Jahrmarkts anno dazumal” im Rheinischen Freilichtmuseum Kommern ganz praktisch auf den Grund gehen konnten. Insgesamt 75 Attraktionen laden die Besucherscharen auch noch in der zweiten Woche der Osterferien zu Unterhaltung und Vergnügen ein.

Und an nahezu jeder Bude ist eine Tafel angeschlagen, die über die Entstehung und Geschichte der einzelnen Arten von Attraktionen informiert. Dabei ist der Jahrmarkt im Freilichtmuseum in verschiedene Epochen eingeteilt. Auch wenn die Gruseleffekte gegenüber heutigen Fahrgeschäften eher langweilig wirken dürften, standen die Besucher am „Geisterexpress” aus dem Jahr 1949 Schlange.

Für die Schienen, auf denen die Gondeln durch das Zelt kurven, hatte man beim Bau der Anlage ausgediente Feldbahngleise verwendet. Viele Besucher versuchten sich am „verrückten Automobil”, einem senkrecht stehenden Schienenoval, an dem ein Wagen mit Handgriff mit voller Kraft einmal ganz herumgeschleudert werden muss - doch die meisten Versuche blieben auf halber Strecke hängen.

Es ist wie so oft auf der Kirmes: Es sieht so einfach aus, ist es aber gar nicht. Ebenso volle Kraftanstrengung verlangte ein benachbarter Kirmesklassiker: Hau-den-Lukas.

Die Lust an Grusel und Sensation war besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgeprägt. Davon zeugt beispielsweise das „Curiositäten-Cabinett”, wo man dem Köpfen eines Menschen beiwohnen kann. Natürlich ist der Kopf nicht echt, doch das „Blut”, das aus dem Hals tropft, lässt die Illusion realistisch wirken. Auch das Panoptikum, durch dessen glupschige Bullaugen Szenen wie die Folterung eines Fußes zu sehen sind, zeugen von dieser Sensationslust.

Viel harmloser geht es da doch in der „Arena der Sensationen” zu. „Luftschwimmerin” Andrea Beck turnt hoch über dem Boden an zwei Vertikaltüchern. Besonders toll ist der Anblick mit den historischen Häusern des Freilichtmuseums im Hintergrund. Solch kleine Zirkusmanegen waren üblich auf dem Jahrmarkt anno dazumal.

Da es damals noch keine elektrischen Lautsprecher gab, zogen die Auftretenden vor der Vorführung über die Kirmes - so wie das „Duo Unwucht” in Kommern. In ihren blau-weißen Ringelanzügen und mit prächtigen Schnurrbärten geben sie den Vorbeiziehenden eine Kostprobe ihrer Balance-Nummer mit einem großen Holzfass.

Einen großen Sprung in der Zeit nach vorne machen die Jahrmarktsbesucher mit der legendären „Raupenbahn” - für viele eine Jugenderinnerung. Kribbeln im Bauch stellte sich dann ein, wenn man neben seiner Liebsten saß und sich das Verdeck schloss.

Die Musik aus den Fünfzigern, die auf der Bahn gespielt wird, sorgt zudem für die richtige Stimmung.
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