„Hinsehen, Aufklären, Handeln“: Mit sexuellem Missbrauch umgehen

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Großes Interesse an einem schwierigen Thema: 80 Vereinsvertreter haben sich jetzt in Monschau über das richtige Verhalten bei dem Verdacht auf sexuellen Missbrauch informiert. Foto: Städteregion Aachen

Nordeifel. Unter der Überschrift „Hinsehen, Aufklären, Handeln“ fand jetzt ein Informationsabend im Monschauer Gymnasium statt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie man im Verein den Gefahren von sexuellem Missbrauch vorbeugen kann und was konkret zu tun ist, falls es Hinweise für einen Übergriff geben sollte.

Rund 80 Vereinsverantwortliche aus der Nordeifel haben sich dabei über das ebenso komplexe wie wichtige Thema informiert.

Eingeladen hatten das Kriminalkommissariat „Vorbeugung“ der Polizei zusammen mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familienberatung der Städteregion Aachen und der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Monschau.

Angelika Degen von der städteregionalen Fachstelle gegen (sexuelle) Gewalt an jungen Menschen beschrieb ein zwar fiktives, aber doch typisches Beispiel: Dabei erschlich sich ein Täter Stück für Stück das Vertrauen eines Kindes und setzte es dann unter Druck, bis es schließlich zu einem Missbrauch kam. Die Aufdeckung der Tat gestaltet sich schwierig, weil das Kind emotional erpresst wird, niemand davon zu erzählen.

Michael Leblanc, Leiter der Caritas-Beratungsstelle in Monschau, zeigte anschließend auf, wie Hinweise auf einen Missbrauch doch sichtbar werden. Wenn Ehrenamtler erste Hinweise bemerken („ich hab‘ da ein komisches Gefühl“) wissen sie oft nicht, wie sie damit umgehen sollen. „Wichtig ist es, im ersten Schritt alles zu tun, um das vermeintliche Opfer zu schützen. Bewahren Sie Ruhe! Im Hinblick auch auf die Außenwirkung bei diesem sensiblen Thema ist es sowohl für das Opfer, wie den mutmaßlichen Täter wichtig, zunächst in einem geschützten Rahmen zu agieren. Ziehen Sie deshalb unbedingt erfahrene Fachkräfte hinzu“, empfahl Leblanc. Er machte deutlich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Beratungsstellen für die Ehrenamtler da sind und sie unterstützen. Im Rahmen der Schweigepflicht würden dort auch nicht automatisch weitere Maßnahmen eingeläutet.

Oberkommissarin Nicole Frohne erläuterte anschließend die rechtlichen Aspekte und welche Konsequenzen eine Anzeige nach sich zieht. Erhält die Polizei Hinweise auf einen möglichen Missbrauch, muss sie ermitteln. Eine einmal gestellte Anzeige kann nicht mehr zurückgenommen werden. Auch wenn ein Missbrauch unbedingt zur Anzeige gebracht werden muss, sollte es eindeutige Indizien geben. „Deshalb ist es der richtige Weg, bei der Klärung des Sachverhaltes zunächst entsprechende Fachkräfte hinzuzuziehen, Beobachtungen und Hinweise auszutauschen und dann gemeinsam zu entscheiden, wie verfahren werden soll“, so Frohne.

Dass bei diesem Thema großer Beratungsbedarf besteht, wurde auch dadurch klar, dass die Referenten direkte Anfragen nach weiteren Infoveranstaltungen für einzelne Vereine erhielten.

Die anschließende Diskussion drehte sich um die richtige Vorgehensweise und die Befürchtung, dass eine mögliche Anzeige negative Konsequenzen für den Anzeigensteller haben könnte.

Jugendpfleger Ralf Pauli von der Städteregion verdeutlichte, worum es geht: „Unser oberstes Ziel muss es sein, Kinder und Jugendliche zu schützen! Nutzen Sie die Hilfsangebote der Beratungsstellen und entscheiden Sie die notwendigen Schritte gemeinsam. Machen Sie keine Alleingänge, dann sind Sie auf der richtigen Seite.“ Erfreut zeigte sich Pauli, dass schon viele Jugendschutz-Vereinbarungen zwischen Jugendamt und örtlichen Trägern (wie neuerdings vom Bundeskinderschutzgesetz vorgeschrieben), abgeschlossen worden sind.

„Es sind noch nicht alle an Bord“ so der Jugendpfleger, „darum werbe ich auch heute noch einmal, mit uns ins Gespräch zu kommen. Schließlich ist diese Vereinbarung auch ein sichtbares Zeichen für Eltern, dass der Verein, dem Sie ihr Kind anvertrauen, ein sicherer Ort ist, wo der Kinder- und Jugendschutz ernst genommen wird.“

Infos und Ansprechpartner zum Kinder und Jugendschutz in der Städteregion Aachen gibt es im Internet unter: www.imblick.info

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