Hinkend das schwankende Rathausschiff verteidigt

Von: P. St.
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Viel Farbe brachten am Fettdonnerstag die sechs Simmerather Karnevalsgesellschaften ins Rathaus. Die Piratenmannschaft der Verwaltung hatte der Übermacht der heranstürmenden Narren nichts entgegenzusetzen. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Gerechtigkeit gibt es auch im Karneval nicht: Was soll eine noch so motivierte, aber zahlenmäßig weit unterlegene Piratenmannschaft schon ausrichten, wenn sie auf eine geballte Armee heranstürmender Narren trifft, die innerhalb von Minuten dafür sorgt, dass die Piraten dem Untergang geweiht sind.

Diese aussichtslose Lage zeigte sich am Donnerstag im Simmerather Rathaus, wo am Fettdonnerstag die traditionelle Erstürmung des Dienstsitzes von Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns zu einer äußerst einseitigen Angelegenheit wurde.

Erschwerend kam noch hinzu, dass sich der Piratenführer zu Beginn der Session vorübergehend hatte krank melden müssen („... leider wurde mir von hinten ins Knie geschossen“) und er somit nur hinkend das Rathausschiff verteidigen konnte. Da konnte er seinen Krummsäbel bei jedem Alaaf noch so heftig in der Luft wirbeln.

Übermacht akzeptiert

Beigeordneter Bennet Gielen, erstmals bei der Ratshauserstürmung an vorderster Linie im Einsatz, versuchte vergeblich, als Steuermann auf dem schwankenden Rathausschiff dem Verwaltungschef den Rücken freizuhalten. Für übertriebenen Aktionismus war es im großen Sitzungssaal einfach zu eng, und Moderator Bruno Nellessen hatte ja auch gleich gesagt, dass nun eine „trostlose Zeit“ für die Rathaustruppe anbreche.

Die ratlosen Piraten im Rathaus akzeptierten die Übermacht und wechselten kurzerhand auf die Seite der Jecken. Der Bürgermeister fühlte sich inmitten der Narren auch viel wohler: „Wir erleben hier eine großartige Simmerather Karnevalsdemonstration.“ Rund 250 uniformierte Vertreter des Frohsinns füllten den Simmerather Rathaussaal, der nach vielen trockenen Sitzungen das Stimmungshoch des Jahres erlebte.

Nacheinander marschierten die sechs Gesellschaften aus der Gemeinde Simmerath ein, ehe deren höchste Würdenträger dann jeweils den Schlüssel für eine Abteilung im Rathaus erhielten. Prinz Dieter von den Laimischter Bessemsbenger musste diesen Höhepunkt seines kurzen prinzlichen Daseins leider verpassen. Ausgerechnet zum Start der tollen Tage hatte ihn eine Grippe flachgelegt.

Nach der Entmachtung ging es friedlich und entspannt auf den Rathausfluren zu. Zur weiteren Erbauung trugen die sechs Gesellschaften bei, die ihre Mariechen durch den Sitzungssaal wirbeln ließen. Auch feierfreudiges Volk aus Simmerath hatte sich zahlreich eingefunden, denn nicht alle Tage geht es im Rathaus so fröhlich und unbürokratisch zu.

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