Hilfe aus der Eifel für die Opfer der Flut

Von: Peter Stollenwerk und Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
7762947.jpg
Bosnische Hilfskräfte und Polizisten tragen eine Frau durch die überfluteten Straßen der Stadt Maglaj: Auch aus der Eifel machen sich Helfer auf den Weg in das Katastrophengebiet auf dem Balkan. Foto: AFP/ Elvis Barukcic
7762022.jpg
Jasna und Mirsad Halilovic aus Höfen sind geschockt von den Bildern der Flutkatastrophe und wollen den Menschen helfen. Foto: A. Gabbert

Nordeifel. Als Mirsad und Jasna Halilovic die Bilder der Flutkatastrophe auf dem Balkan im Fernsehen gesehen haben, waren sie entsetzt und geschockt. „Unsere ganze Familie lebt dort“, sagt der 56-jährige Bosnier, der mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Höfen lebt.

Nach einigen Telefonaten war klar, dass seine Angehörigen von der Katastrophe nicht so stark betroffen sind. „Die haben richtig Glück gehabt.“

Die Nachrichten und Bilder haben das Ehepaar aber nicht mehr losgelassen. Er kommt aus Gracanica, wo heute noch seine Eltern und Geschwister leben. Sie aus kommt aus Madrica, auch ihre Geschwister leben dort noch. Über das Internet haben sie sich genauer über die Lage vor Ort informiert, Freunde angeschrieben und sich Gedanken gemacht, was sie tun können. Schnell stand der Entschluss fest: Mirsad Halilovic will einen Hilfstransport organisieren und möglichst schnell Richtung Balkan aufbrechen. Kindernahrung, Windeln, Decken, Konservendosen, Hygieneartikel, Desinfektionsmittel, Gummistiefel und -handschuhe und vieles andere will er mitnehmen. Dabei hofft er auf die Unterstützung der Eifeler Bürger. „Wer helfen möchte, kann sich bei uns melden“, sagt Halilovic (siehe Box).

Über Facebook hat er auch zum Spenden aufgerufen. Schulfreundinnen seiner Töchter, Freunde und Bekannte haben daraufhin schon einige Dinge bei ihm vorbeigebracht.

Platz für die Spenden hat er in seiner Garage genug. Das größte Problem für den Mann, der als Busfahrer bei der RVE arbeitet, ist der Transport. Noch fehlt ein geeignetes Fahrzeug. „Wenn uns jemand einen Transporter oder einen Lkw zur Verfügung stellen könnte, wäre uns sehr geholfen“, sagt Halilovic. Am nächsten Montag steht für ihn noch eine wichtige Untersuchung an, danach will er los fahren. „Ich fahre dahin, wo es am schlimmsten ist. Die Flut hat ja ganze Dörfer verschwinden lassen und die Erdrutsche kommen auch noch hinzu“, sagt er. Rund 1500 Kilometer sind es bis ins Katastrophengebiet. Die Hilfsmittel will er selbst verteilen, „um zu sehen, wo es ankommt“.

Unterstützung erhält er bereits vom Weltladen in Mützenich. Auf das Konto des Weltladens können Spenden finanzieller Art eingezahlt werden. Der Weltladen kann auch Spendenbescheinigungen ausstellen. Spenden des Caritasverbandes Schleiden, des Alternativladens in Roetgen und des Cafés International in Imgenbroich sind bereits eingegangen.

Mirsad Halilovic lebt schon seit 1985 in Deutschland, seit 1997 lebt er in Höfen, im Jahr 2005 hat er in Alzen ein Haus gekauft und sich mit seiner Familie dort niedergelassen. Seine drei erwachsene Töchter sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Einigen Eifelern dürfte er als Fahrer des Shuttle-Busses bei der Monschau Klassik bekannt sein.

Während die Halilovics ihre Hilfsaktion noch planen, sind andere Helfer bereits vor Ort, darunter auch Christian Ruf aus Imgenbroich. Der 31-jährige THW-Helfer vom Ortsverband Simmerath ist zusammen mit 70 THW-Kameraden aus ganz Deutschland in Bosnien und Serbien im Hochwassereinsatz. Am Samstag flog Ruf ins Katastrophengebiet. Noch ist nicht einzuschätzen wie lange sein Einsatz dauert. In vier Teams ist die THW-Mannschaft vor Ort aufgeteilt. Das von Christian Ruf geführte NRW-Team hat eine anspruchsvolle Aufgabe zu erledigen. Das letzte noch funktionstüchtige Kraftwerk in Serbien, dass rund die Hälfte der Energie für das ganze Land liefert, soll vor Hochwasserschäden geschützt werden. Das THW-Team aus NRW hat gemeinsam mit den Kameraden aus Bayern die Pumparbeiten am Kohlekraftwerk in Kostolac, ca. 100 Kilometer östlich von Belgrad, aufgenommen, um Wasser aus dem Kraftwerkareal zu pumpen.

Mit einer Gesamtfördermenge von 50 000 Litern pro Minute im 24-Stunden-Betrieb sorgt das THW mit seinen Hochleistungspumpen für die Aufrechterhaltung der Stromversorgung im Land. Insgesamt vier Kraftwerke sind hierfür zuständig, wovon drei aufgrund der Überschwemmungen abgestellt sind.

Untergebracht sind die THW-Helfer in Hotels, wo sie auch verpflegt werden. „Die Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort funktioniert ausgezeichnet“, berichtet der Simmerather THW-Ortsbeauftragte Sven Kämmerling.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert