Heuernte: Alte Tradition lebt in der Eifel wieder auf

Von: P. St.
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So wird es richtig gemacht: Kunibert Wirtz aus Steckenborn legt letzte Hand an seine beiden Heuböcke, die in diesen Tagen für einen echten Blickfang im Dorf sorgen. Foto: P. Stollenwerk
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Steckenborn. Der Sommer ist da und die Wiesen sind grün. Es ist die Zeit der Heuernte. Doch die Heuernte, wie sie in früherer Zeit in der Eifel üblich war, erlebt man heute nur noch selten. Die über viele Generationen weitergegebene Kunst des Heubockens findet man allenfalls noch bei Aktionstagen in Heimatmuseen oder bei Erntedankzügen.

Echte Heuböcke sind aus dem Landschaftsbild der Eifel verschwunden. Vorbei sind die Zeiten, wo die Täler und Höhen damit übersät waren. Die Heuernte in heutiger Zeit verrichten im Eilverfahren die Großpressen; anschließend ruht die Silage bis zum Abtransport in Plastikfolie eingeschweißt auf der abgemähten Wiese.

Aber dennoch ist die traditionelle Art des Heumachens noch nicht ganz aus der Eifel verbannt. Dafür sorgt unter anderem auch Kunibert Wirtz aus Steckenborn. Der 75-Jährige sorgt jedes Jahr im Frühsommer für einen kleinen Blickfang auf seinem Grundstück In den Kuhlen, wenn er auf der kleinen Wiese vor dem Haus zwei Heuböcke errichtet. Fertig aufgebockt, bleiben Spaziergänger und Radfahrer stehen, schießen ein Foto und in Windeseile machen die noch selbst erlebten Geschichten rund um das Thema Heuernte die Runde.

Auch der Kindergarten Strauch stattete der Mini-Heuwiese von Kunibert Wirtz jetzt einen kleinen Besuch ab. Die Kinder hatten sich viele Fragen ausgedacht, und bald schon lauschten sie gespannt den kleinen Geschichten aus der Eifel aus der Zeit nach dem Krieg.

Gerne erzählt Kunibert Wirtz diese Geschichten, die er auch selbst mit einer unbeschwerten Jugendzeit verbindet. Auch ältere Menschen, die aus eigenem Erleben noch genau wissen, dass die Heuernte im Alltagsleben der Menschen, die allesamt mit der Landwirtschaft im Nebenerwerb groß wurden, einen enorm wichtigen Stellenwert besaß, fallen auf Anhieb zahlreiche Anekdoten rund um die Heuernte ein.

Immer pünktlich zur Kirmes lief auch die Heuernte auf Hochtouren und zuerst mussten die Heuböcke stehen, erst dann durfte gefeiert werden.

Ein älterer Herr aus Kesternich erzählte beim Anblick der Steckenborner Heuböcke, dass er früher auf der Milchkarre seines Opas gesessen habe und auf der Kesternicher Höhe die Heuböcke auf den Wiesen gezählt habe. „Bei 60 habe ich aufgehört“, sagt er und lacht dabei. „Heu muss gebockt sein, sonst ist es nicht gut“, sagten die Leute früher, und davon ist auch Kunibert Wirtz überzeugt, der im Winter das Heu an sein Damwild verfüttert.

Wenn es um das Thema Heumachen geht, kennt Kunibert Wirtz somit auch keine Kompromisse. Ganz nach überlieferter Methode wird das gemähte und nach ein paar Tagen getrocknete Gras auf die beiden dreiecksförmigen aus Fichtenstangen bestehenden Untergestelle aufgeschichtet. Neun Tage soll das Heu mindestens auf dem Bock bleiben, um noch auszuschwitzen.

Regen schadet dem aufgebockten Heu übrigens nicht. Wer es versteht, den Kopf des Heubockes gut zu schichten und zu schließen, braucht auch keine Sommergewitter zu befürchten, weil der Regen an den äußeren Halmen wie auf einem Dach abläuft.

Nur wenn das Heu eingefahren wird, dann ist jeder Regentropfen eine Bedrohung. Während Kunibert Wirtz sich mit seinen zwei Heuböcken um das passende Wetter keine Sorgen machen muss, glich es in früherer Zeit einem Drama, wenn mitten in die Heuernte ein Gewitter platzte. Kunibert Wirtz erinnert sich, wie er einmal gemeinsam mit seinem Vater auf einer vollen Karre Heu unterwegs war, und ein Gewitterregen nahte. Schnell wurden im Wald einige dicke Fichtenäste abgesägt, womit die wertvolle Fracht, die von einem Pferd gezogen wurde, dann abgedeckt wurde.

Wenn in diesen Tagen nun der Duft des frisch gebockten Heus über die Straße weht, dann werden viele Anekdoten wieder lebendig, und wenn dann die Nachbarn auch noch hingehen und gezielt zwei Stiefelpaare in den Heubock schieben, dann wissen die Betroffenen, dass man früher nach einer langen Kirmesnacht unter dem schützenden Heubock nicht nur vom Schlaf überwältigt werden konnte.

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