Monschau - Herr Suringh greift mal wieder nach den Sternen

Herr Suringh greift mal wieder nach den Sternen

Von: Christoph Classen
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Ausgezeichnet: Direktor Freek
Ausgezeichnet: Direktor Freek Suringh zeigt den Goldenen Stern für das Carat Vitalhotel Foto: Christoph Classen

Monschau. Eigentlich wollte Freek Suringh ja über die Auszeichnung sprechen, die sein Hotel in der vergangenen Woche gewonnen hat, aber als er gerade noch mal in sein Postfach schaute, lag da schon die nächste.

Statt einer Urkunde gibt es diesmal einen Aufkleber, eine „selbstklebende Plakette”, wie es die Hotelnavigator GmbH in ihrem Brief an das Carat Vitalhotel in Monschau schreibt.

Die Plakette hat das Haus bekommen, weil es von ziemlich vielen Gästen sehr gut bewertet worden ist und als man Suringh, den Direktor, fragt, wie das Hotel das denn mache, mit den vielen Auszeichnungen, hat er den Aufkleber bereits von der Folie gegnabbelt und läuft Richtung Eingangstür, um ihn anzubringen. „Man muss Holländer anstellen”, ruft er noch, dann ist es eine Weile still und als Suringh wiederkommt sagt er: „Nee. Nur ein Scherz.”

Suringh, 1957 in Arnheim geboren, ist Holländer, aber vor allem ist er Hoteldirektor. Man kann sagen, dass er seine Sache ziemlich gut macht. Als er 2003 die Leitung des Monschauer Carat Hotels übernimmt, waren von den 100 Zimmern und vier Appartments durchschnittlich die Hälfte belegt. Heute liegt die Auslastung bei fast 80 Prozent.

Als Suringh anfing, hatte das Haus drei Sterne, heute hat es vier. Und seit ein paar Jahren wird es mit Auszeichnungen zugeschüttet. Die, die es in der vergangenen Woche bekam, ist dem Direktor besonders wichtig: Weil das Haus zum fünften Mal in Folge unter die 500 beliebtesten Hotels in Deutschland gewählt wurde, hat ihm die Gesellschaft für Wirtschaft- und Marktforschung ihren goldenen Stern verliehen. „Wir sind stolz wie Otto”, sagt Suringh.

„Wir”, das ist der Begriff, der dem Direktor besonders wichtig ist. Weil im Carat Hotel eben 52 Menschen arbeiten, die alle ihren Anteil daran haben, dass es in den vergangenen Jahren ziemlich gut läuft. Die meisten von ihnen waren schon da, bevor Suringh kam. „Alle haben sich wahnsinnig Mühe gegeben, aber ihnen fehlte ein Kapitän”, sagt er. So sieht er sich. Als Kapitän. Weniger auf einem Schiff, mehr auf einem Fußballplatz.

Suringh ist ein Mensch, der großes Selbstbewusstsein ausstrahlt, ohne arrogant zu wirken. Die Uhr am Handgelenk ist dick, aber sportlich, die Kleidung, Hemd, Jeans und Pullunder, ist leger. Auf seiner Visitenkarte wird als Beruf „Managing Director” angegeben, aber den ersten Begriff mag Suringh nicht. Er möchte kein Manager sein, sondern Unternehmer. Wo der Unterschied ist? „Eigentlich nur in drei Buchstaben: t - u - n”, sagt Suringh, er sei eben jemand, der gern mitarbeitet.

Es dürfte viele Menschen in verantwortlichen Positionen geben, die gerne solche Sätze sagen, aber bei Suringh klingt er wahr, weil er weiß, wie es ist, ein Manager zu sein. Bevor er nach Monschau kam, war er einer.

Suringh hat als Sportlehrer angefangen, ist dann schnell ins niederländische Tourismusministerium gewechselt und war danach elf Jahre lang Skilehrer. Er machte sich mit einem Sport- und Freizeitbetrieb selbstständig, bis er Geschäftsführer einer Ferienpark-Kette wurde. Mitte der 90er Jahre folgte ein kurzer Ausflug ins Fernsehgeschäft. Suringh machte schnell Karriere, wurde Produzent, und genau das war sein Problem.

„Du trägst Verantwortung, hast aber nichts zu tun”, sagt Suringh. Seitdem ist er sicher, dass er kein Manager, sondern Unternehmer sein will. Nach knapp drei Jahren hat er genug vom Fernsehen und macht sich erneut selbstständig, diesmal mit einer Firma, die Skilehrer ausbildet. Dann wird er noch zum Freibadbetreiber in Arnheim und ist verantwortlich für den Aufbau eines Ferienparks und eines Hotels.

Dass Suringh 2003 in Monschau landet hat damit zu tun, dass er nicht zu weit weg von seinen beiden, inzwischen erwachsenen, Söhnen arbeiten wollte. Also kommt nur ein Hotel in Grenznähe in Frage. Was dem Haus am meisten gefehlt habe, als er es übernahm? Suringh überlegt kurz und sagt dann: „Alles.”

Damals habe es keine Struktur, keine Organisation, kein Marketing gegeben und die Direktoren seien so oft gewechselt worden, wie anderswo die Unterhosen. Das Carat Hotel war für Suringh die Herausforderung, nach der er gesucht hatte. Er sagt: „Wo ein Hotel auch steht, von mir aus auch mitten auf der Wiese: Ich kriege es ans Laufen.”

Ein Konzept? Eine Philosophie!

Wer so formuliert, muss überzeugt davon sein, viel von dem zu verstehen, was er tut. Der muss ein Konzept haben, das unabhängig von den Rahmenbedingungen zum Erfolg führt. Suringh hat so ein Konzept, er nennt es lieber seine Philosophie. Suringh sagt: „Ein Hotel ist eigentlich wie ein Mensch.”

Er meinte damit, dass sich Erfolg oder Misserfolg eines Hauses daran entscheidet, ob es gelingt, ihm ein Herz und eine Seele zu geben. So sieht er das. Suringh sagt: „Was wir verkaufen sind Gefühle.” Ob ein Gast seinen Besuch in einem Hotel als positiv oder negativ in Erinnerung behalte, sei natürlich von Dingen, wie Sauberkeit, Preisen und Umgebung abhängig. Aber eben nicht nur. Mindestens genau so entscheidend seien die Menschen, denen der Gast begegnet, die Mitarbeiter des Hotels. „Sind die zufrieden, geben sie dem Haus Herz und Seele”, sagt Suringh.

Es überrascht nicht, dass der Mann sagt, er wolle dabei helfen, weitere Hotels in der Region aufzubauen. Nebenbei natürlich, im Carat fühlt sich Suringh ja ziemlich wohl. Er wohnt in Rollesbroich, hat dort ein Haus gekauft. Und ein bisschen Platz für neue Aufkleber ist am Eingang zum Carat Hotel ja noch.
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