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Herr Friedrich, kommt der Winter noch?

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Ein Bild des Frühwinters am 22. November: Zu mehr als ein paar Zentimeterchen Schneeauflage kurz vor Beginn des meteorologischen Winterbeginns (1. Dezember) reichte es aber bisher nicht.

Eifel. Frühlingstemperaturen im Januar: Kommen wir in diesem Winter überhaupt noch in den Genuss von Winterwetter? Ein Interview mit Hobby-Meterologe Bodo Friedrich, dem Macher von eifelwetter.de.

Der Winter 13/14 ist selbst in der wintererprobten Nordeifel bislang ein Totalausfall. Ein wenig Zankschnee Ende November, aber ansonsten nur Niesel, Regen, Sturm und kaum knackig-kalte Nächte. Ist das auch die Bilanz des Wetterprofis?

Bodo Friedrich: Ja, und das kann ja jeder nachvollziehen: Der Atlantik hat sich seit Mitte Dezember zur unentwegten Geburtsstätte für Tiefs entwickelt, die mit schöner Regelmäßigkeit aufs Festland in Richtung Eifel drängen, um uns mit strammem Wind und Regen ihre Aufwartung zu machen, wobei sonnige Phasen eher die Ausnahme bleiben. Vor den Fronten wird zudem subtropische Luft angezapft. Sie pusht die Temperaturen, und so erleben wir gegenwärtig ein Wetter, das eher an einem milden Herbst denn an Winter erinnert. Aber wir sollten dem Winter 2013/14 nicht Unrecht tun, denn er ist ja kalendarisch erst 16 Tage alt und hat doch noch alle Chancen, ein „richtiger“ zu werden. Und sehen wir es einmal locker: Uns ist bisher das lästige und oftmals mühsame Schneeschüppen und der Kauf größerer Salzvorräte erspart geblieben. Oder möchte sich da jemand beschweren?

Gibt es denn in Ihrer Wetterhistorie unserer Region vergleichbare Winter, wo der Herbst bis Mitte Januar dauerte?

Bodo Friedrich: Ja! Nach einem schneereichen Winter 2005/06 folgte ein Dezember 2006, der zu den fünf wärmsten Dezembermonaten der letzten 75 Jahre gehörte und an Heiligabend in den Höhengemeinden der Nordeifel 9 Grad ablieferte. Im folgte ein Januar 2007, der sich extrem warm und nass präsentierte. Und ähnlich: Nach einem tollen Dezember 2010, der uns an Weihnachten eine satte Schneedecke von 40 Zentimetern und mehr bescherte, folgte ein milder und feuchter Januar 2011, und auch der Februar 2011 war weit entfernt von Wintersportmöglichkeiten in der Nordeifel!

Auch für die nächsten Tage und die ganze kommende Woche sieht es nach Oktobertemperaturen und reichlich Wind aus oder?

Bodo Friedrich: So ist es! Der „Jetstream“, ein starker Wind in einigen Kilometern Höhe, wird von der Geburtsstätte der Tiefs bei Island so beeinflusst, dass er die dort entstehenden Sturmtiefs auf direktem Wege zu uns weht, und das schon seit geraumer Zeit. Und es scheint so, als wolle der Tiefdruckkreisel auch in naher Zukunft nicht abreißen. Ich sage mal so: Es ist wahrscheinlich, dass sich an der momentanen „Westwetterlage“, wo ein Tiefwirbel dem anderen folgt, bis Mitte des Monats wohl kaum etwas ändert. Das heißt konkret: Es weht uns auch weiterhin ein kräftiger Wind um die Ohren, und die Temperaturen steigen in den Tallagen von Rur und Olef auf 10 Grad und mehr an. Winter geht in der Tat anders!

Es ist ja bekannt, dass seriöse Wettervorhersagen alles, was über eine Woche hinausgeht, als Kaffeesatzleserei verurteilen. Wagen Sie dennoch eine Prognose, ob der Eifelwinter 2014 noch kommt?

Bodo Friedrich: Nein! Das überlasse ich anderen, die schon seit Monaten den „Jahrhundertwinter 2013/14“ propagieren. So war es zumindest in einem einschlägigen „Boulevardblatt“ zu lesen. Guten Gewissens kann man vorsichtig von „Trends“ über eine Zeitspanne von 14 Tagen sprechen, wenn die Wetterlage stabil ist, so wie jetzt, wo „Unbeständiges“ beständig ist! Auch gibt es Bauernregeln, die durchaus ernst zu nehmen sind. Hierzu gehören die „Eisheiligen“ und der „Siebenschläfer“. Beide „Singularitäten“ treffen für die Nordeifel mit etwa 70 Prozent zu! Doch ob der Winter 2013/14 nach der Monatsmitte endlich die „Kurve“ kriegt, weiß niemand genau! Wie sollte er auch? – Was „Winter- und Schneefans“ brauchen, ist der Tausch des Islandtiefs mit einem Azorenhoch. Dieses weht uns dann in Verbindung mit einem östlichen Tief feuchte Polarluft ins Land, die schneeträchtig ist. Ja, und wenn dann das Hoch noch ein wenig nach Osten rückt, dann haben wir den sonnig-kalten Schneewinter in der Eifel, so, wie wir ihn zu Weihnachten 2010 genießen durften!

Wie wahrscheinlich ist denn, dass die Jecken an Karneval oder der Osterhase – obwohl sehr weit im Jahr gelegen – durch den Schnee stapfen müssen?

Bodo Friedrich: Der Februar ist in der Eifel bekannt für seine winterlichen Kapriolen. Immer wieder gibt es Kälteeinbrüche, die eine ordentliche Schüppe Schnee aufsetzen. Doch gibt es auch genügend Beispiele dafür, dass Ende Februar in den Talauen der Eifel bereits die Frühlingsblüher wie Schneeglöckchen und Krokusse ihre Blütenpracht entfalten. Und da Karneval 2014 sich bis in die erste Märzwoche erstreckt, steigen die Chancen auf eine schneelose „Jeckenzeit“. Ja, und die Wahrscheinlichkeit, dass der Osterhase durch eine Schneelandlandschaft hoppelt, ist ebenfalls nicht sonderlich groß, weil mit fortschreitender Jahreszeit die Tage längen und sich die Sonne schon ordentlich über dem Horizont erhebt, um die Luft zielstrebig zu erwärmen. Natürlich erinnern wir uns immer wieder an „Weiße Sonntage“, die ihrem Namen alle Ehren machten. Bei näherem Betrachten allerdings ist das ebenfalls die Ausnahme. Doch in 2001 war es beispielsweise so: Am Ostersonntag zeigte sich die Nordeifel im weißen Gewande und die Temperaturen in den Dörfern am Hohen Venn sanken auf -7 Grad ab!

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