Hermann Pier: Er schuf den Papst aus Marmor

Von: Helga Giesen
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Hermann Pier, der 1985 verstorbene Bildhauer, arbeitete zurückgezogen in seinem Atelier in Mulartshütte.
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Für die Gemeinde Roetgen hat der Bildhauer Hermann Pier mit der Figur des Webers eine bleibende Identifikationsfigur geschaffen. Foto: Andreas Gabbert

Roetgen. Der Todestag des Bildhauers Hermann Pier aus Mulartshütte jährte sich am 17. November 2009 sich zum 25. Mal. Am 28. April 2015 wäre er 90 Jahre alt geworden. Vornehmlich Plastiken und Reliefs aus Holz und Stein, aber auch Mosaike und Zeichnungen gehörten zu seinen vielfältigen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Er arbeitete im sakralen und weltlichen Bereich im In- und Ausland.

Bekannt geworden ist er unter anderem durch Marmorporträts von Papst Johannes XIII. und Josef Kardinal Frings, die im Medical Centre in Hongkong stehen.

Auch im Monschauer Land ist das Wirken von Hermann Pier an vielen Orten präsent. Zahlreiche Arbeiten finden sich in Klöstern und Kirchen. Unter anderem stammen die Marienskulptur am Maria-Hilf-Stift in Monschau, die Weber-Statue vor dem Roetgener Rathaus und zwei Plastiken in Mulartshütte von seiner Hand. Im Filterwerk in Roetgen ist ein großes Wandmosaik zu sehen. Über dem Eingang des Klosters in der Elisabethstraße in Aachen hat er das Relief der Franziska Schervier geschaffen.

Die meisten seiner Arbeiten aber sind in Privathand, denn Porträts und Büsten waren seine Lieblingsobjekte „Es ist das Wesen eines Menschen, das er schafft und darstellt,“ charakterisierte Franz Joseph Hall 1983 in einer Laudatio zur Eröffnung einer Ausstellung in Düren die innere Geschlossenheit im Ausdruck seiner Bildnisse.

Nur selten ist Hermann Pier mit seinem Werk an die Öffentlichkeit getreten. Nur hin und wieder beteiligte er sich an Ausstellungen, ein einziges Mal lud er zu einem Tag der offenen Tür in sein Atelier an der Zweifaller Straße in Mulartshütte ein. Er verstarb im Jahr 1985 plötzlich und unerwartet wenige Tage nach der Eröffnung einer Ausstellung in der Sparkasse in Eschweiler. Hermann Pier wurde nur 59 Jahre alt.

Geboren wurde der Künstler 1925 in Aachen. Schon als Kind hatte er viel Freude am Zeichnen und Malen. Bei Professor Josef Mataré erhielt er ersten privaten Unterricht. Auf der Kriegsmarinewerft in Kiel erwarb Hermann Pier durch eine Schreinerlehre das Rüstzeug für die Holzbearbeitung. Nach der Dienstzeit in der Kriegsmarine und mehrjähriger Gefangenschaft kehrte er nach Aachen zurück und erhielt von 1949 bis 1952 eine umfassende Ausbildung an der Werkkunstschule Aachen.

Neben dem Unterricht in Modellieren und Zeichnen wurden auch Kenntnisse in Anatomie und Werkstoffkunde vermittelt. Weitere handwerkliche Fähigkeiten eignete er sich bei einem Steinmetz an. An der Werkkunstschule lernte Hermann Pier auch seine Frau Betty kennen, die er 1952 heiratete. Sie wurde sein liebstes Modell. Auch die beiden Töchter sind in vielen seiner Arbeiten zu erkennen.

1957 zog die Familie nach Mulartshütte. In der Verbundenheit mit der Natur fand Hermann Pier die Ruhe und Besinnung, die er für sein Schaffen brauchte. Sein bevorzugter Werkstoff war Basaltlava, ein schwarzer poröser Stein aus der Vulkaneifel, der sich nach seinem Empfinden besonders harmonisch in die heimatliche Landschaft einfügt.

Das Arbeiten mit Stein gehörte für Hermann Pier zum Reizvollsten des kreativen Schaffens. Die Härte müsse überwunden werden und zwinge dadurch zu einer großzügigen formalen Gestaltung. Neben der werk- und materialgerechten Bearbeitung müssten Skulptur oder Relief starke ästhetische Reize vermitteln. Er ließ sich jedoch nicht von modischen Richtungen beeinflussen.

„Er hütet sich vor pathetischen Extravaganzen, aber auch vor dem Gewöhnlichen und Alltäglichen“, gab Franz Joseph Hall anlässlich der oben erwähnten Ausstellung treffend die Intention des Künstlers wieder. Im Laufe seiner künstlerischen Entwicklung fand Hermann Pier von einer anfänglich realistischen Phase allmählich zu freieren Formen. Für ihn war Kunst Ausdruck einer Zeit und einer schöpferischen Seele, der man Achtung schuldet.

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