Höfen - Herbergssuche mit Happy End: Familie aus Aleppo bleibt in der Eifel

Herbergssuche mit Happy End: Familie aus Aleppo bleibt in der Eifel

Von: P.St.
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Nach dem Auszug aus der Notunterkunft in Höfen, die Ende 2016 schließt, hat die syrische Flüchtlingsfamilie Ibrahim und Amina Alhomed mit Baby Diana auch dank des Engagements von Einrichtungsleiterin Marie-Theres Johnen in Konzen eine neue Heimat in einem angemieteten Haus gefunden. Foto: P. Stollenwerk
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Oktober 2015: Die Flüchtlingsunterkunft „Funk“ in Höfen wird hergerichtet.

Höfen. In Frieden und auch mit ein wenig Entspannung können Ibrahim und Amina Alhomed das Weihnachtsfest 2016 feiern. Das Ehepaar aus dem syrischen Aleppo erhielt wenige Tage vor dem Weihnachtsfest die erlösende Nachricht, dass sie weiter in der Eifel bleiben können. Es klingt wie eine Herbergssuche aus der Gegenwart, dass die junge Familie nun ihr Leben selbst in die Hand nehmen kann.

Nach ihrer Flucht aus der Heimat landete die Familie mit zwei Kindern in der Notunterkunft „Funk“ in Höfen. Hier, in der neuen Heimat auf Zeit, wurde vor zwei Monaten auch das dritte Kind geboren und auf den Namen Diana getauft. Ehemann Ibrahim (30) und Ehefrau Amina (26) verfügen über ein Bleiberecht und hoffen, dass sie langfristig in Deutschland bleiben können.

Das Kapitel Höfen endet in wenigen Tagen, denn die von der Städteregion Aachen im Rahmen der Amtshilfe bereitgestellte Notunterkunft in der ehemaligen Bundesstelle für Fernmeldewesen auf dem Heidgen wird zum 31. Dezember 2016 geschlossen.

Nur noch zehn Menschen befinden sich aktuell in dem Gebäudekomplex, zwei Familien aus Syrien und zwei junge Männer aus Afghanistan. Bereits im Oktober verließ der Großteil der Bewohner die Unterkunft und wurde verschiedenen Kommunen in NRW fest zugewiesen.

Ibrahim und Amina Alhomed dürfen in der Eifel bleiben. Auch dank des engagierten Einsatzes von Einrichtungsleiterin Marie-Theres Johnen kann kurz nach Weihnachten ein Haus in Konzen bezogen werden.

Kaum ein Geräusch ist in diesen Tagen noch zu vernehmen, wenn man die Unterkunft „Funk“ betritt, auf den Fluren herrscht Ruhe, und in verlassenen Unterkunftsräumen stehen die Notbetten.

Mit dem Jahresende endet auch die Arbeit von Marie-Theres Johnen, die im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes zum 1. Januar 2016 die Einrichtungsleitung übernommen hatte. Am 26. Oktober 2015, drei Wochen nach Belegung der Unterkunft, kam die 66-Jährige als DRK-Helferin zur „Funk“wir haben. Sie weiß bereits, dass nun neue Aufgaben auf sie warten, aber das zurückliegende Jahr war geprägt von vielen bewegenden Erlebnissen, Emotionen und kleinen Machtkämpfen. „Es war eine Zeit mit überwiegend positiven Erfahrungen“, zieht die Einrichtungsleiterin Bilanz. Ärger habe es selten gegeben und überhaupt keine Glaubenskonflikte. „Wir haben gemeinsam Ramadan und gemeinsam Weihnachten gefeiert.“

Die Verweildauer in der Höfener Unterkunft betrug für die Bewohner selten weniger als vier Monate, teilweise waren die Leute auch bis zu zehn Monate hier. Da blieben tränenreiche Abschiede manchmal nicht aus, und auch Marie-Theres Johnen spürte die Beklemmung: „Mein Problem war immer, dass ich oft genau wusste, dass es den Leuten nicht besser gehen wird, wenn sie Höfen verlassen.“

Dass in Höfen durchweg eine gute Atmosphäre herrschte, sieht sie in erster Linie auch als Verdienst der rund 20 ehrenamtlichen Helfer, die sich in der Hochphase der Belegung hier auf vielfältige Weise engagierten, ob bei Freizeitangeboten, dem Deutschunterricht oder in der Kleiderkammer. Alle würden bei Bedarf sofort wieder bereitstehen. „Einer unserer Bewohner hat es von der Notunterkunft aufs Gymnasium geschafft“, erzählt die DRK-Mitarbeiterin stolz. Die gesamte Struktur in der Unterkunft habe sich mit der Zeit für sie als „gelebte Integration“ dargestellt.

Der Start sei allerdings schwierig gewesen: „Im Grunde waren am Anfang doch alle mit der Situation überfordert“, blickt Marie-Theres Johnen zurück. „Es gab Kinder, bei denen konnte man erst nach sechs Wochen ein Lächeln hervorrufen.“ Weder sie noch die ehrenamtlichen Helfer hätten sich jemals Anfeindungen von außen wegen ihres Engagements erwehren müssen. Sie habe zwar auch die Erkenntnis gewonnen, dass man bei jedem einzelnen genau prüfen sollte, ob er ein Bleiberecht bekommen sollte, aber insgesamt sei die Akzeptanz in der Bevölkerung enorm hoch gewesen. Die Bewohner der Unterkunft seien nach Möglichkeit in das Höfener Vereinsleben eingebunden worden, und alle acht Neugeborenen in der Unterkunft (es waren ausschließlich Mädchen) hätten vom Ortskartell ein Begrüßungspaket erhalten.

Ein „höflicher und respektvoller Umgang“ miteinander, aber auch stetige Kommunikation seien wichtige Voraussetzungen dafür gewesen, dass in der Unterkunft stets eine freundliche Atmosphäre geherrscht habe, „aber auch meine Lebenserfahrung dürfte hin und wieder zur Konfliktlösung beigetragen haben“, sagt Marie-Theres Johnen, die ihre Aufgabe, wie sie sagt, „gelebt“ habe, und der es auch nicht an Kreativität und Einfallsreichtum mangelte, wenn es galt, ein Problem unbürokratisch zu lösen. Ein Merkmal der Unterkunft in Höfen sei es auch gewesen, selbst die Initiative zu ergreifen anstatt nach Zuständigkeiten Ausschau zu halten, auch wenn dafür nicht immer der Acht-Stunden-Job ausreichte.

Zu den besonderen Erfahrungen in ihrer Zeit als Einrichtungsleiterin gehört für Marie-Theres Johnen auch der gemeinsame Besuch mit Flüchtlingsfrauen aus der Unterkunft beim internationalen Frauentag in Monschau. Da habe man die Frauen aus arabischen Ländern „von einer ganz anderen Seite kennengelernt“. Überhaupt sei es ein Reichtum an Erfahrungen gewesen, der ihre Aufgabe geprägt hätte. „Ich möchte diese Zeit nicht missen.“

Dass am Ende eine syrische Familie, die sie ganz besonders ins Herz geschlossen hatte, jetzt eine neue Heimat in Konzen gefunden hat, ist für sie das denkbar schönste Ende der Geschichte.

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