Heizölanlagen: Kommt jetzt neue Prüfpflicht?

Von: Elisa Zander
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Richtiges Befüllen der Öltanks: Das geht nur, wenn der Lieferant die Anordnungen ebenso befolgt, wie die Eigentümer der Heizungsanlage. Durch regelmäßige Kontrolle können Lecks oder defekte Teile entdeckt werden. Foto: Imago/Sommer

Nordeifel. Lange hatte Familie Schmitz überlegt, ob sie das Haus mit der Ölheizung kaufen sollte. Doch die Immobilie überzeugte so sehr, dass die Heizanlage zur Nebensache wurde. Das ist etwa ein halbes Jahr her. Nun könnte die Heizung schneller als gedacht doch im Mittelpunkt stehen. Eventuell wird schon in Kürze eine neue Prüfpflicht für Anlagen mit Öltanks eingeführt, die dann Familie Schmitz und viele andere betrifft.

Seit drei Jahren arbeitet die Regierung an einer bundeseinheitlichen Verordnung, nach der Sachverständige Anlagen mit Tanks ab 1000 Litern Fassungsvermögen überprüfen und abnehmen sollen.

Bislang galt eine solche Prüfpflicht nur für unterirdische Tankanlagen, oberirdische Tanks mit mehr als 10.000 Litern Inhalt und bei Tanks mit 5000 Litern Volumen in Wasserschutzgebieten, wie Angela Kubitza vom betrieblichen Umweltschutz der Städteregion Aachen erläutert. Alle fünf Jahre ist solch eine Prüfung vorgeschrieben, im Wasserschutzgebiet alle zweieinhalb Jahre. Kontrolliert wird die Einhaltung mittels einer Überwachungsdatei. Sachverständige sind angehalten, nach ihrer Prüfung vor Ort eine Kopie des Berichts an die Behörde zu schicken. Die wird geprüft, bei Mängeln erhalten die Eigentümer Post.

Zwar gibt es Länderverordnungen, auch für NRW, sowie eine Bundesvorgabe. Doch letztere umfasst lediglich vier Paragrafen. Das soll sich ändern. „Aber die neue Verordnung ist schon lange im Gespräch“, sagt Kubitza. „Man weiß nicht, wann die Entscheidung kommt.“ Erst kürzlich habe sie von Veränderungen gehört, wonach nicht wie bislang die Untere Wasserbehörde als zuständiges Amt die Prüfungen dokumentieren soll, sondern die Betreiber noch mehr in die Pflicht genommen werden. Zwar ist das noch Zukunftsmusik, doch anders wären die Auflagen der Regierung kaum umzusetzen.

Beim betrieblichen Umweltschutz weiß man von 18.000 Haushalten in der Städteregion, die mit Öl heizen. Davon fallen etwa 2000 Anlagen unter die derzeitigen Prüfrichtlinien. „Werden die dahingehend verändert, dass schon Anlagen mit 1000 Litern geprüft werden, ist unsere Arbeit so nicht mehr leistbar“, schätzt Angela Kubitza. Denn, so räumt sie ein, man wisse nicht zu einhundert Prozent, ob die Zahl der 18.000 Ölheizungen korrekt ist. „Da müssten alle Haushalte vorab zur Prüfung angeschrieben werden.“

In dem Vorstoß der Regierung sieht Jürgen Strauch einerseits den Wunsch, Bestände zu prüfen und andererseits die Umwelt zu schützen. Der technische Betriebsleiter eines Fachbetriebs für Haustechnik in Aachen, der auch mit Altbau Plus kooperiert, geht davon aus, dass bei vielen Anlagen Nachrüstbedarf besteht. „Zwar gibt es Vorschriften, aber es gibt viele Altbestände aus den 60er und 70er Jahren. Da ist bis heute oft nicht viel dran gemacht worden.“

Strauch meint Vorschriften wie ein Antiheberventil. Das ist bei Anlagen notwendig, bei denen der maximale Tankfüllstand über dem tiefsten Punkt der Saugleitung liegt. Denn ist in der Saugleitung ein Leck, kann der Tankinhalt unbeabsichtigt durch das Loch auslaufen. Ist dann der Aufstellraum nicht den Vorgaben entsprechend, kann es passieren, dass die Versicherung den Schaden nicht übernimmt. „Aber das sind Vorschriften, die es schon ewig gibt“, betont Walter Hüllenkremer. Der Spezialist in Sachen Tankbau und -schutz erklärt, dass mit dem Gesetz lediglich erreicht würde, „dass ein Fremder die Anlage beurteilt. Der Besitzer ist schon immer verantwortlich für die Sicherheit der Anlage.“

Doch die Regierung wisse eben, dass viele Eigentümer, speziell mit Anlagen aus den 60er und 70er Jahren, sich nicht mit Neuerungen im Gesetz und in der Anlagentechnik vertraut gemacht haben. „Allerdings“, räumt Hüllenkremer ein, „hängt das auch vom Fachbetrieb ab. Manche gucken nur nach der Heizung und nicht nach der Tankanlage. Auf die Informationen verlässt sich der Eigentümer natürlich.“

Dass ein kleines Einbauteil viel verhindern kann, hat Hüllenkremer erst kürzlich bei einem Kunden erlebt. 20.000 Liter Öl waren in dessen Keller ausgelaufen und in sämtliche Nebenräume geflossen. 120 Euro hätte ein Einsatz gekostet, der dieses Fiasko verhindert hätte. Eine Neuerung, von der der Kunde nichts wusste. Doch die Versicherung legt ihm genau dies zur Last. Und bislang hat sie auch jegliche Zahlung einer Versicherungssumme verweigert, wie Hüllenkremer erzählt.

Es gibt auch Versicherungen, die schon im Voraus verdeutlichen, dass, wenn der Betreiber einer Ölheizanlage nicht die Vorschriften beachtet, der Versicherungsschutz erlischt, sagt Angela Kubitza. „Der Betreiber ist immer in der Verantwortung, die Anlage instand zu halten.“

In 40 Jahren habe sich viel getan. „In den 60er Jahren ist man zum Beispiel nicht auf die Idee gekommen, dass der Tank auch mal gesäubert werden muss“, sagt Hüllenkremer. Empfohlen wird eine Tankreinigung im Abstand von fünf bis sieben Jahren.

Dass die Verschärfung der Prüfpflicht irgendwann kommen wird, da ist sich Walter Hüllenkremer sicher. „Aber wir wollen auch nicht die Kunden verunsichern. Viele stellen auf Gas um, obwohl ihre Anlage total in Ordnung ist, weil sie keine ausreichenden Informationen haben. Man darf sich da nicht verrückt machen lassen.“

Vorteile in der möglichen Prüfpflicht für Anlagen ab 1000 Liter Fassungsvermögen sieht der Fachmann dennoch. „Wir als Betrieb können nur eine Empfehlung aussprechen. Mit der Fremdüberwachung wird das zu einem Muss. Da kann man sicher das eine oder andere schwarze Schaf rausfischen.“

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