Heimbewohner in Simmerath können hoffen

Von: Peter Stollenwerk und Amien Idries
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Bei einer Infoveranstaltung zeichnet sich eine schnelle Schließung der Residenz in Simmerath vorerst nicht ab. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Für die von der Schließung bedrohte Seniorenresidenz Simmerath zeichnet sich nach intensiven Gesprächen nun doch eine Lösung für die 58 Bewohner ab. Bei einer Informationsveranstaltung am Mittwoch in Simmerath versicherte ein Sprecher der Alloheim Senioren-Residenzen GmbH als Betreiber, dass es „nächste Woche keine Evakuierung der Bewohner geben wird“.

Zuvor hatte die Städteregion Aachen als Heimaufsicht die Schließung zum 4. Oktober angeordnet. Nach mehreren Gesprächen ist damit auch der Weg frei für einen Betreiberwechsel. Morgen soll das Ergebnis der Vertragsverhandlungen bekanntgegeben werden, so dass der Betrieb des Seniorenheims fortgeführt werden kann.

Ein Vertreter der Pflegekassen machte aber deutlich, dass man „nicht um jeden Preis“ den Erhalt der Einrichtung mittragen werde. Er teilte die Meinung von Städteregionsrat Helmut Etschenberg, der forderte, „dass hier nicht nur ein Etikettentausch stattfinden darf, sondern sich auch inhaltlich etwas ändert“.

Die Alloheim Senioren-Residenzen GmbH mit bundesweit 126 Häusern betreibt seit Jahresbeginn auch eine Einrichtung in Kohlscheid. Über Beschwerden dort ist nichts bekannt. Dieses Haus erhält vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen auch eine glatte 1,0. Die Bewertung für die Seniorenresidenz Simmerath liegt mit 2,0 im unteren Drittel.

Im Zuge der von der Heimaufsicht der Städteregion Aachen vorgenommenen Kontrollen in Simmerath, die seit Juli verschärft wurden, waren gravierende Mängel in der Pflegequalität festgestellt worden, die am Ende dazu geführt hatten, dass dem Haus der Betrieb untersagt wurde. Unter anderem wurden Patienten, die wegen der Gefahr des Wundliegens in bestimmten Zeitabständen umgelagert werden müssen, häufig nicht regelmäßig versorgt.

Auch standen die erforderlichen Spezialmatratzen nicht zur Verfügung. Bei Insulin-Patienten erfolgte nach der Medikation die Essensausausgabe nicht im vorgeschriebenen Abstand, so dass die Gefahr der Unterzuckerung entstand. Auch Verbandswechsel erfolgten oft nicht nach den ärztlichen Verordnungen. Häufig fehlte es an regelmäßiger Flüssigkeitszufuhr, so dass sich bei einigen Bewohnern erste Anzeichen von Dehydrierung einstellten.

Claus Fussek, bekannter Kritiker der Zustände in deutschen Pflegeheimen, zeigte sich angesichts der Heimschließung in Simmerath erstaunt: „Eine solche Maßnahme ist außergewöhnlich“, sagte der Sozialpädagoge im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die schlimmsten Konsequenzen, die ein Heim normalerweise zu befürchten habe, seien ein Aufnahmestopp oder Bußgelder, die die Heime „aus der Portokasse zahlen“. Ihm seien nur ganz wenige Fälle bekannt, in denen die Heimaufsicht zum letzten Mittel der Schließung gegriffen habe. Auch, weil viele Heime zu groß seien, um sie einfach dichtzumachen. „Die Behörden wissen dann einfach nicht wohin mit den Bewohnern“, so Fussek.

Die Schließung sei in jedem Fall ein starkes Indiz dafür, dass es in Simmerath gravierende Pflegemängel gegeben habe, sagte Fussek. Auch, weil es mit Alloheim einen mächtigen Betreiber getroffen habe.

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