Heimatkalender schlägt Bogen zum aktuellen Geschehen

Von: P. St.
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Autoren, Herausgeber und Förderer zeigten sich erfreut über die thematische Vielfalt, die auch der „Heimatkalender 2016“ wieder bietet. Foto: P. Stollenwerk
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Bekannt und trotzdem neu: Eine rund 80 Jahre alte Ansicht Monschaus des niederländischen Malers Nicolaas van der Waay.

Nordeifel. Eine der verlässlichsten und ältesten regelmäßig erscheinenden Publikationen in der Nordeifel ist das Jahrbuch des Geschichtsvereins des Monschauer Landes. In der Öffentlichkeit immer noch besser als „Heimatkalender“ bekannt, bietet das jetzt erschienene Jahrbuch 2016 auf 200 Seiten wieder einen ebenso vielseitigen wie spannenden Querschnitt von der Historie bis hin zum aktuellen Geschehen im Monschauer Land.

Dass der Geschichtsverein des Monschauer Landes als Herausgeber größten Wert auf historisch fundierte und nachweisbare Fakten legt und sich nicht auf überlieferte Chroniken verlassen möchte, wird an zwei Beispielen deutlich:

Im Vorwort erläutert Dr. Elmar Neuß, der Vorsitzende des Geschichtsvereins des Monschauer Landes, die nicht zu unterschätzende Bedeutung und Handhabung von Fußnoten in Texten, auch wenn solche Hinweise dem Leser oft als hinderlich oder überflüssig erscheinen, zum anderen wird im Jahrbuch 2016 nach nahezu 40 Jahren eine Frage beantwortet, die der Autor im Jahrbuch 1977 stellte. Es geht um die Menzerather Orgel, deren Verbleib jetzt geklärt werden konnte.

Die Geburtsstunde des Jahrbuchs des Monschauer Landes ist das Jahr 1972, als die kommunale Neugliederung und damit die Auflösung des Landkreises Monschau erfolgte. Der bisherige Heimatkalender des Landkreises Monschau und der „Eremit am Hohen Venn“, die Publikation des Geschichtsvereins des Monschauer Landes bildeten ab diesem Zeitpunkt gemeinsam das Jahrbuch, dass auch in der inzwischen 44. Auflage seiner Linie als identifikationsstiftendes Medium für die hiesige Bevölkerung treu bleibt.

24 Autoren am Werk

Vorgestellt wurde das Jahrbuch 2016 jetzt im Restaurant Fringshaus, wo Alexander Lenders vom Weiss Druck Verlag Monschau das druckfrische Werk an die wesentlichen Mitwirkenden in Umlauf brachte und dabei vor allem die erneute gelungene redaktionelle Arbeit von Gabriele Harzheim herausstellte. Der Ort der Präsentation war ganz bewusst gewählt, denn das Lokal befindet sich seit nunmehr 125 Jahren im Besitz der Familie Esser.

Insgesamt sind es 24 Autoren, die das Jahrbuch 2016 mit ihren Beiträgen bereichern. In mühsamer Kleinarbeit haben Günter Krings und Heinz Weishaupt die Vogelbeobachtungen im Monschauer Land in den zurückliegenden zehn Jahren zusammengetragen, die auch dem Laien einen gut nachvollziehbaren Überblick über die ornithologische Vielfalt zwischen Rurtal und Hohem Venn bietet. Beruhigend ist dabei die Feststellung, dass trotz Eröffnung des Vennbahnradweges im Venn des Südkreises eine Birkhuhn-Henne gesichtet wurde.

Einer interessanten Frage (Wo wohnte Johann Heinrich Scheibler in Monschau?) geht Autor Toni Offermann nach, denn bekanntlich hat der berühmte Monschauer Tuchfabrikant die Fertigstellung des Roten Hauses selbst nicht mehr erlebt.

Eine ständige Fundgrube neuer Erkenntnisse sind auch die Festspiele in Monschau. Elmar Neuß beleuchtet die Ära Kranzhoff (1947 bis 1951/52). Franz Wilhelm Hermanns hat die letzte Postkutschenfahrt im Monschauer Land in Erfahrung gebracht, und Hans-Werner Schmidt hat die erstaunliche Geschichte einer Rose und ihre Reise von Algerien nach Kalterherberg aufgeschrieben. Viele weitere Beiträge aus historischem wie aktuellem Anlass runden das Jahrbuch 2016 ab wie auch der am Ende des Bandes regelmäßig erscheinende Pressespiegel, der dem Leser kompakt vor Augen führt, wie reichhaltig das Jahr an großen und kleinen Ereignissen wieder war.

Mit Bedacht ausgewählt wird auch seit jeher das Titelbild fürs Jahrbuch. Die Redaktion hat sich für ein Motiv aus Monschau entschieden, das wegen seines hohen Wiedererkennungswertes fast schon ein wenig verbraucht erscheint. Es handelt sich um den berühmten „Venedigblick“ von der evangelischen Brücke aus mit Rur, Fachwerkhäusern und Hallerruine auf der Höhe des Rahmenberges.

Beim zweiten Blick aber wird deutlich, dass es sich um eine bisher unveröffentlichte Ansicht handelt, wie Hans-Gerd Lauscher vom Geschichtsverein erläutert. Es handelt sich um ein Ölgemälde des niederländischen Malers Nicolaas van der Waay, dessen Entstehungspunkt auf die Zeit zwischen 1925 und 1935 festgelegt werden kann.

Keine Schönfärberei

Auffällig ist, dass der Maler sämtliche Details, die das Stadtbild Monschaus auch als Industriestandort identifizieren, hat verschwinden lassen. Fotos aus gleicher Zeit zeigen, dass damals Monschaus Stadtkern nicht nur über eine romantische Seite verfügte.

Auch diese Aufarbeitung unterstreicht, dass in den Veröffentlichungen des Jahrbuchs die Schönfärberei der Heimat keine Priorität einnimmt.

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