Heimatforscher wehrt sich gegen Verherrlichung des Kaffee-Schmuggels

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So sehen Schmuggler aus: Auf der Malmedyer Straße in Kalterherberg waren die Kaffeeschmuggler auch im großen Stil unterwegs. Foto: Archiv/H. Jürgen Siebertz

Nordeifel. Das Thema Schmuggeln ist in jüngster Zeit wieder aktuell geworden. Vor allem die Enthüllung einer Bronzeskulptur am Grenzübergang Mützenich, die einen Kaffeeschmuggler darstellt, ließ die Diskussion wieder aufleben.

Auch der Lammersdorf Heimatforscher H. Jürgen Siebertz äußert sich zu der Diskussionen um das Schmuggler-Denkmal in Mützenich. „Diskussionen beleben bekanntlich das Geschäft - in diesem Fall lenken sie die Augen der Öffentlichkeit auf das Schmuggler-Denkmal”, sagt Siebertz und möchte zur „Erläuterung des Themas” beitragen: „Wenn ein Denkmal den Zweck verfolgt, den es in seinem Namen trägt, nämlich mal denken, ist die Sache mit dem Schmuggler-Denkmal zuerst einmal in Ordnung.”

Es sei dabei von sekundärer Bedeutung, „ob der typische Schmuggler nun eine Kappe oder einen Hut trug, ob er tatsächlich den Sack mit einer Hand festhalten konnte, weil er sich ja auf den Pfaden durch Wald und Venn nicht nur der Zöllner, sondern auch der vielen Sträucher erwehren musste. Es ist auch egal, ob er in Gummistiefeln oder Turnschuhen lief - nein - es kommt hier vielmehr auf den Gehalt, auf die Aussage des Denkmals an”. Es stelle sich vielmehr die Frage: „Was will das Denkmal dem Betrachter mitteilen? Welche Gefühle und Gedanken werden beim Betrachter ausgelöst?”

„Infotafel wäre sinnvoll”

H. Jürgen Siebertz: „Da steht ein Mann, der einen Sack auf dem Rücken trägt, mehr nicht. Eine Informationstafel wäre sinnvoll und nötig. Doch was sollte man darauf schreiben? Etwa, dass hier über mehrere Jahre hindurch Steuerhinterziehung im großen Stil und illegaler Grenzübertritt betrieben wurde? Dass an der Grenze nicht nur Schmuggler, sondern auch pflichtbewusste Zollbeamte ihr Leben aufs Spiel setzten und es nicht selten zu Todesfällen kam?

Wer glaubt, dass die Schmuggler der Nachkriegsjahre mit dem Erlös aus dem Kaffeeverkauf ausschließlich ihren eigenen Lebensunterhalt deckten, der vergisst, dass viele Menschen mit dem Schmuggel ein Vermögen verdienten. Während andere sich abmühten, durch reelle Arbeit in dieser schweren Zeit zurecht zu kommen, gab es genügend clevere Schmugglerkönige, die sich selber die Finger nicht schmutzig machten und bestens organisierte Schmugglerkolonnen für sich laufen ließen.”

Die Schmuggler jener Zeit seien nämlich typischerweise keine aus der Not geborenen Einzelgänger, die sich unter Lebensgefahr nächtens über die Grenze schlichen. Siebertz: „Oft waren es 80 oder mehr Personen (darunter auch zahlreiche Frauen), die auf leisen Sohlen und mit kiloschweren Kaffeesäcken beladen den Rückweg ins deutsche Grenzland suchten. In der Masse waren die Schmuggler so gut wie unangreifbar und so traten sie auch auf.

Da ich damals als acht- oder neunjähriger Knirps einen Freund hatte, dessen Onkel im Dorf eine Gastwirtschaft betrieb, wurde ich nicht selten auch ,neugieriger Zuhörer, wenn die örtlichen Schmuggler bei reichlich Bier und Korn von ihren Taten berichteten. Wer schmuggelte, hatte Zigaretten und Kaffee, wer solche Tauschmaterialien besaß, verfügte über Geld. Manchmal verdiente ein Schmuggler bei einer Tour mehr als ein Arbeiter in einem ganzen Monat.”

Man könne es den jungen Leuten nicht verdenken, dass sie trotz des Risikos hoher Geld- und Freiheitsstrafen der Verlockung, relativ rasch an viel Geld zu gelangen, nicht hätten widerstehen können. Abschließend hält Siebertz jedoch fest: „Wie dem auch sei - ein Kavaliersdelikt war es jedenfalls nicht - und das wussten auch die Schmuggler.”
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