Heimatforscher Siebertz stellt neues Buch vor

Von: KARL-HEINZ HOFFMANN
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In seinem Buch „Wir Nachkriegskinder – Kindheit und Jugend im Monschauer Land“ berichtet der Autor H. Jürgen Siebertz neben 50 anderen Personen aus seiner Kindheit nach dem 2. Weltkrieg. Das Bild zeigt ihn (links) mit Cousin Manfred König, Nachbarkind Friedhelm und Cousine Christa.
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Heimatforscher und Autor H. Jürgen Siebertz im Kreis seiner Familie nach der Buchpräsentation seines neuesten Werkes „Wir Nachkriegskinder – Kindheit und Jugend im Monschauer Land“ im Sitzungssaal des Simmerather Rathauses. Foto: Hoffmann

Nordeifel/Simmerath. Dass der Sitzungssaal des Simmerather Rathauses inklusive der Besucherplätze voll besetzt ist, geschieht sicher auch nicht alle Tage. Am Freitagabend mussten sogar noch Stühle hinzu gestellt werden, als sich dort fast 60 Gäste aus der gesamten Region von Schmidt bis Kalterherberg aber auch aus Siegen, Düsseldorf, Voerde, Aachen und Münster eingefunden hatten.

Auf der Tagungsordnung standen an diesem Abend einmal nicht politische Themen, sondern die Buchpräsentation des Lammersdorfer Autors H. Jürgen Siebertz (70), der sein neuestes Werk „Wir Nachkriegskinder – Kindheit und Jugend im Monschauer Land“ der Öffentlichkeit vorstellte.

Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns hob in seiner Begrüßung Leben, Werk und Schaffen des Autors hervor, der bereits zehn vielbeachtete Bücher zur Heimatgeschichte geschrieben hat. „Herr Siebertz ist weit über die Grenzen von Lammersdorf hinaus bekannt“, hielt der Bürgermeister dazu fest und ergänzte in Richtung des Autors anerkennend: „und auch bei diesem Buch sind Sie sich Ihrem hohen Standard treu geblieben.“

Hermanns betonte auch die Wichtigkeit der Gespräche mit älteren Menschen, welche die Nachkriegszeit erlebt haben, da es in einigen Jahren eventuell nicht mehr die Möglichkeit gebe, mit diesen Zeitzeugen zu reden und somit ihre Erlebnisse für die Nachwelt festzuhalten.

Dr. Elmar Neuss aus Münster, der Vorsitzende des Geschichtsvereins Monschauer Land, betonte als anerkannter Historiker gleichfalls, wie wichtig es sei, Vergangenes zu erhalten. Neuss ging dabei auch auf die Aussagen von Zeitzeugen ein, wozu er anmerkte, dass diese zwar Stimmungen und Erlebnisse genau wiedergeben, aber bei Zeitangaben meist nicht allzu genau sind. So kämen bei einem Erlebnis, dass von drei Zeitzeugen erzählt werde, aus der Erinnerung heraus auch drei Zeitdatierungen zustande. Der Historiker merkte abschließend an: „Aufgeschriebene Kindheitserinnerungen sind aber eine durchaus verlässliche Angelegenheit.“

H. Jürgen Siebertz ging im Folgenden dann auf sein neuestes Buch ein, in dem das Leben der Kinder im Monschauer Land nach dem 2. Weltkrieg bis Mitte der 1950er Jahre auf 336 Seiten und mit ebenso vielen Fotografien geschildert wird.

Im ersten Teil der „Nachkriegskinder“ kommen dabei rund 50 Zeitzeugen aus den verschiedenen Dörfern im Monschauer Land zu Wort, die ihre persönlichen und teils dramatischen Erlebnisse nach dem Krieg in Wort und Bild schildern.

Im zweiten Teil des Buches wird vom Alltagsleben der Kinder erzählt, vom Schreiben auf herabgefallenen Schieferstücken, von der Schulspeisung, der Mitarbeit zu Hause, der Kirche und der Erziehung.

Die Autobiografie von Siebertz ist schließlich im dritten Teil des Werkes zu finden, wozu er bei der Präsentation festhielt: „Ich bin derjenige, der als Kind immer seinen Teller ‚aufessen‘ musste.“ In den Nachkriegskindern stecke zudem immer noch, dass sie nichts ungeprüft wegwerfen (Essbares schon gar nicht) und sparsam im Umgang mit Wasser und Elektrizität sind.

Siebertz erklärte, dass er in den vergangenen zwei Jahren über 100 Bewohner des Monschauer Landes nach ihren Kindheitserinnerungen befragt habe. Das Ergebnis habe ihm gezeigt, dass die Nachkriegszeit von Entbehrungen in jeder Form geprägt war. Natürlich gab es auch lustige Erlebnisse. So habe Hans-Jochen Genter aus Lammersdorf damals plötzlich dem leibhaftigen „Hans-Muff“ gegenüber gestanden. Nachdem er sich stundenlang auf dem Heustall versteckt hatte, stellte sich dann heraus, dass ein schwarzer US-Soldat vor ihm gestanden hatte.

Andere Moral

Auch die Moral war nach dem Krieg noch eine andere. Als der junge Siebertz und sein Freund ein „Wettpinkeln“ veranstalteten, wurden sie von einer besorgten Hausfrau beobachtet und sofort dem Pastor gemeldet. Bürgermeister Hermanns, der schon einmal in die Siebertzchen „Nachkriegskinder“ hinein geschnuppert hatte, meinte am Schluss der Präsentation: „Wenn man darin einmal anfängt zu lesen, fällt es schwer aufzuhören.“

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