Hausrestaurator hofft auf Denkmals-Preis

Von: ag
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Harald Wolter hat seinen Traum
Harald Wolter hat seinen Traum verwirklicht: Nach dreijähriger Bauzeit präsentiert sich das Bauernhaus an der Höfener Hauptstraße wieder im neuen Glanz. Foto: A. Gabbert

Höfen. Es ist eines der mit Abstand am meisten fotografierten Häuser in der Nordeifel. Ob in Reiseführern, Heimatkalendern oder auf Postkarten, das Haus hinter der riesigen Windschutzhecke mit der Nummer 97 an Höfens Hauptstraße ist vielfach abgelichtet und den Menschen dadurch bekannt geworden.

Jetzt erstrahlt das Gebäude im neuen Glanz und hat gute Chancen den Rheinischen Preis für Denkmalpflege zu erhalten. Im Jahr 2007 hat Harald Wolter das Haus übernommen und drei Jahre lang umfangreich restauriert. „Es war schon immer mein Traum, ein altes Haus - ein Haus mit Geschichte - zu erwerben und fachgerecht zu restaurieren”, sagt der 66-Jährige aus Dreiborn.

Das Haus aus dem Jahr 1750 wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von drei Schwestern bewohnt und im Volksmund „bei Damme Nellessen” genannt. Nach dem die letzte der Frauen im Alter von 92 Jahren gestorben war und die Erben kein Interesse und keine Verwendung für die Immobilie hatten, machte sich Wolter mit seiner Frau daran, seinen Traum zu verwirklichen.

„Wir verfügten weder über einschlägige Kenntnisse von Baumaterialien und Fertigungstechniken noch über Kenntnisse von Firmen und Handwerkern, die uns bei unserem Vorhaben unterstützen konnten”, sagt Wolter. Klar war jedoch, dass Erhalten vor Restaurieren und Restaurieren vor Erneuern stehen sollte.

Außerdem sollten möglichst alte Baustoffe verwendet und notwendige Baumaßnahmen komplett mit ökologischen Materialien ausgeführt werden. Über ein Jahr dauerten die Vorbereitungen, die mit dem Studium von Literatur, vielen Gesprächen und dem Besuch von Handwerkermessen verbunden waren.

Im Jahr 2009 begannen schließlich die Arbeiten an „Theißens Häuschen”, wie Wolter sein Schmuckstück genannt hat, da dort die Familie Theißen seit mehreren Generationen gewohnt hatte. Bis auf regelmäßige Anstriche wurden in den letzten fünf bis sechs Jahrzehnten keinerlei werterhaltende Maßnahmen vorgenommen. „Das hatte zumindest den Vorteil, dass das Objekt in fast ursprünglicher Form erhalten wurde und es nicht kaputt saniert wurde”, sagt Wolter.

Jeden Tag entdeckte Wolter neuen Sanierungsbedarf und auch der Architekt stellte fest, das fast die gesamte Substanz saniert werden musste. „Wesentliche Teile des Gebäudes wurden nur durch Farbe und Tapete zusammengehalten.” Das Fachwerk befand sich in einem sehr schlechten Zustand, teilweise waren die Schwellen total verrottet. Viele der Fachwerkhölzer mussten repariert oder ausgetauscht werden. Die sogenannten Gefache mussten ebenfalls erneuert werden und wurden mit Lehmsteinen ausgemauert.

Zur Wärmedämmung wurden innen zusätzlich eine Lehmschicht aufgetragen und Weichholzfaserplatten angebracht, auf denen eine Wandheizung befestigt wurde, die anschließend wieder mit Lehm verputzt wurde. „Durch die in Lehm eingebundene Wandheizung ergibt sich eine Art Kachelofen Wärme und die historisch restaurierten Wände werden nicht durch Heizkörper gestört”, erklärt Wolters.

Die alten Fenster wurden durch neue mit Doppelverglasung ersetzt, der Stil aber beibehalten. Auch das Dach musste neu eingedeckt und der Dachstuhl erneuert werden. Die ursprüngliche Eindeckung mit „Schottelpannen” konnte im Original wieder hergestellt werden.

Beim Innenausbau wurden alte Blausteinplatten freigelegt, die so genannten „Kölner Decken” aufwendig mit Lehmputz versehen, die alten verfaulten Böden durch Eichenholzbretter ersetzt, eine neue Treppe nach dem Vorbild des Originals eingebaut und der ehemalige Schafstall mit neuen Stützen und einer neuen Decke versehen. Alle Maßnahmen aufzuzählen würde an dieser Stelle aber zu weit führen.

Bei der umfangreichen Restaurierung hat Wolter eng mit dem Denkmalschutz zusammen gearbeitet. Insbesondere die Stadt Monschau sei sehr kooperativ gewesen, lobt er. Begeistert erzählt er auch von den „vielen guten Handwerkern”. Ein über 70 Jahre alter Zimmermeister und sein Altgeselle setzten das Fachwerk mit alten Verbindungstechniken wie Zapfungen und Schwalbenschwanztechniken instand. „Es wurde kein einziger Blechwinkel eingesetzt, um das Eichenfachwerk zu restaurieren.” Polnische Lehmbauer und Restaurateure kümmerten sich um die Ausfachungen und die Kölner Decken.

Handwerker aus der Region kümmerten sich um das Dach und die Bruchsteinmauern. Harald Wolter vereinte dabei die Funktion des Bauleiters und des Handlangers in einer Person. Seit einer Woche ist der ehemalige Geschäftsführer eines Bonner Unternehmens jetzt pensioniert. „Das war schon eine extreme Belastung, beides unter einen Hut zu bringen”, sagt er rückblickend. „Manchmal bin ich zur Arbeit gefahren und hab gedacht, ne, watt bin ich vür ene Jeck.”

Eine Sache hat er in den vergangenen Jahren gelernt: „Bei einem alten Haus kann unter jedem Stein oder unter jeder Schwelle ein neues Problem lauern, das gelöst werden muss.

Die Entscheidung, wer den Rheinischen Preis für Denkmalpflege erhält, wird in den kommenden Wochen fallen. Sein Schmuckstück will Harald Wolter nun als Unterkunft für Touristen nutzen, später soll eine seiner beiden Töchter dort wohnen.
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