Simmerath - Haus mit Geschichte: „Hotel Kraremann“ wird im August eröffnet

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Haus mit Geschichte: „Hotel Kraremann“ wird im August eröffnet

Von: P. Stollenwerk
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Der Arbeitskreis „Alt Simmerath“ wurde jetzt von Bauherr Matthias Kaulard (Mi.) zur Baubesichtigung des künftigen „Kraremann-Hotels“ eingeladen. Passend zum Anlass trug Willi Wilden bei dieser Gelegenheit sein Gedicht vom „Sömmer Kraremann“ vor. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Alte Häuser dokumentieren die Summe jahrhundertelanger Erfahrungen. Alte Häuser sind aber auch wie Bücher. Sie erzählen die Geschichten der Bewohner, bieten Einblicke in das Leben der Vorfahren und geben Geheimnisse preis.

Es gibt unerwartete Überraschungen, tragische Momente und vor allem jede Menge Spannung. Ein solches Buch hat jetzt Matthias Kaulard aufgeschlagen. Der Inhaber des Simmerather Traditionsunternehmens für Augenoptik und Hörakkustik betätigt sich derzeit auch noch auf einem anderen Feld. Als Bauherr hat er vor rund 20 Monaten die Sanierung eines der ältesten Häuser in Simmerath in Angriff genommen.

Nervenstark und voller Tatendrang hat er das Projekt gestartet, aber dass das Gebäude am Markt 2 nun gleich mit einer solchen Fülle von Überraschungen aufwarten würde, konnte auch er nicht ahnen. Nicht etwa, dass dem Bauherr jetzt Hören und Sehen vergangen ist, aber das Arbeiten und Gestalten in einem der letzten baulichen Zeitdokumente von Alt Simmerath, erfordert ohne Zweifel ausgeprägten Optimismus und eine entschleunigte Vorstellung vom Baufortschritt, vor allem wenn man sieht, wie ringsherum mächtige Neubauten in weniger als 12 Monaten entstehen und das Ortsbild Simmeraths schlagartig verändern.

Bauherr Matthias Kaulard dagegen musste zunächst einmal die gehorteten Hinterlassenschaften von Generationen in dem knapp 200 Jahre alten Gebäude entsorgen bzw. sortieren, aber er setzt ohnehin auf eine andere Karte: Er hat klare Vorstellungen vom fertigen Objekt, möchte den Charakter der denkmalgeschützten Winkelhofanlage erhalten und ein Schmuckstück im Ortskern schaffen, das übrigens schon jetzt allgemeine Anerkennung, Bewunderung und Erstaunen hervorruft.

Im August 2015 soll hier das „Hotel Kraremann“ eröffnet werden, ein Romantik-Landhotel, geführt als Hotel Garni (also ohne klassischen Restaurantbetrieb), aber mit viel Ambiente. Die ersten Buchungsanfragen liegen bereits vor. Der Bauherr hat sich mit dem Eröffnungstermin ein überaus sportliches Ziel gesetzt, denn noch wird auf der Baustelle auf allen Ebenen gearbeitet. Vom Keller bis zum Obergeschoss herrscht ein ständiges Kommen und Gehen der Handwerker, die bei dieser Komplett-Sanierung vor einer besonderen Herausforderung stehen.

Kölner Decken und alte Böden

Wo es eben geht, bleibt die alte Bausubstanz erhalten, doch es gibt Grenzen, die zum Beispiel der Brandschutzsachverständige markiert. Die original Kölner Decken, die alte Holztreppe und das uralte wie steinharte Fachwerkholz stellen kein Problem dar, wohl aber die mit Lehm und Holzlatten in mühsamer Handarbeit hergestellten Zwischendecken, die beim Brandschützer schon beim bloßen Anblick Hitzewallungen auslösen.

Die Abstimmungsgespräche mit der Denkmalbehörde bezeichnet Matthias Kaulard als konstruktiv. Weder der Einbau von Dachgauben, um mehr Licht für die Zimmer einzufangen, noch der Anbau eines Wintergartens am Giebel stellten eine Hürde dar.

„Ich möchte modernes Wohnen mit Eifeler Tradition in Einklang bringen“, formuliert Mathhias Kaulard seine Zielsetzungen. In einem weiteren Hotelbetrieb im Ortskern sieht der Bauherr großen Bedarf. Die Tourismuszahlen in der Gemeinde Simmerath ziehen seit Jahren an, für Geschäftsreisende dürfte das Haus ebenso interessant sein wie auch für nicht mehr am Ort lebende Simmerather, wenn sie zu Besuch kommen.

Viele Details sollen den Charakter des Hauses mit 12 Zimmern und 26 Betten ausmachen. Ein Tagungsraum und eine Vinothek sind eingeplant, die alten Böden werden ebenso erhalten wie auch das Lehm-Fachwerk. Aus den alten Balken werden Fensterbänke und Tische gesägt, und aus dem Brunnen im Keller, wo sie gesamte Statik mit einem Betonring stabilisiert wurde, wird ein kleines Wasserspiel in der Lobby gespeist. Fachwerk, Schiefer und alte Tonziegel bestimmen das äußere Bild.

Das markante Gebäude wurde im Laufe der Zeit immer wieder baulich verändert, zuletzt in den 1950-er Jahren. Letzter Besitzer war die Simmerather Familie Braun. „Das ist ein typisches Kraremann-Haus“, lacht Matthias Kaulard, der mit ungebrochenem Elan bei der Sache ist. „Vorne befand sich der Geschäftsbereich, dahinter Stall und Scheune“.

Dass das Gebäude mit rund 560 Quadratmeter Grundfläche auch noch über einen ausgedehnten Garten verfügt, ist heutzutage selbst im Dorf keine Selbstverständlichkeit mehr. Hier lässt es sich aushalten.

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