Monschau - Haus der Stadtgeschichte: Wo die Geschichte weiter lebt

Haus der Stadtgeschichte: Wo die Geschichte weiter lebt

Von: rpa
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Holzmarkt 5 (hier eine Aufnahm
Holzmarkt 5 (hier eine Aufnahme vor der Sanierung im Jahr 2008) ist eines der ältesten noch erhaltenen Gebäude der Stadt. Der Grundriss ist bereits auf der Urkarte 1822/23 dargestellt. Foto: Heiner Schepp

Monschau. Holzmarkt 5. Das ist eine alte-neue Adresse in der Monschauer Altstadt - und eine feine und wichtige Adresse dazu. Denn dort wird die Geschichte Monschaus und des Monschauer Landes gleichsam „verwaltet”, bearbeitet und ein Stück weit wieder lebendig. Dort können wir dem Leben und Wirken der Vorfahren nachspüren. Holzmarkt 5 - das ist das Haus der Stadtgeschichte, das ist das Haus des Geschichtsvereins.

Dabei ist das Haus selbst Geschichte, ein wichtiges Zeugnis der Monschauer Altstadt-Geschichte, immerhin gehört das Haus eines der ältesten noch erhaltenen Gebäude der Stadt. Der Grundriss ist bereits auf der Urkarte 1822/23 dargestellt.

Wer sich aber drinnen im Haus aufhält, hat überhaupt nicht mehr das Gefühl, in einem der ältesten Häuser von Monschau zu sein. Nur die alten Eingangstüren und das Außen-Gemäuer aus massivem Bruchstein erinnert daran. Als Erbauungsdatum weist die Türinschrift das Jahr 1663 aus.

Das Haus am Holzmarkt war lange Zeit ein Schandfleck, starke Stahlstützen mussten das baufällige Gebäude vor dem Einsturz bewahren.

Heute ist das Haus ein Schmuckstück, eine neue „gute Stube” der Stadt. Am kommenden Donnerstag, 31. Mai, wird das alte-neue Haus eröffnet, Bürgermeisterin Margareta Ritter wird die geladenen Gäste um 16.30 Uhr begrüßen und das Haus seiner Bestimmung übergeben.

Die Bestimmung: In dem Haus ist das Stadtarchiv untergebracht, dort hat Stadtarchivar Dr. Bernd Läufer seinen Arbeitsplatz. Das Haus ist nun auch die „neue Heimat” des Geschichtsvereins des Monschauer Landes. Stadtarchiv und Geschichtsverein werden das Haus in enger Zusammenarbeit neu beleben.

So sind Ausstellungen geplant. Die erste Ausstellung ist bereits konzipiert, sie ist ab dem 1. Juni für Besucher geöffnet. Das Thema dieser Ausstellung: Schätze des Hauses. In fünf Themenkreisen (siehe Kasten) präsentiert die Ausstellung besonders wichtige und ansehnliche Stücke aus den Sammlungen des Hauses. Konzipiert und erarbeitet wurde die Ausstellung gemeinsam von Dr. Elmar Neuß, Vorsitzender des Geschichtsvereins, von Hans-Gerd Lauscher, von Dr. Toni Offermann, Franz Wilhelm Hermanns, von Gabriele Harzheim und von Dr. Bernd Läufer.

Nach dem Grußwort von Bürgermeisterin Margareta Ritter wird die Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland, Ulrike Lubek, das Monschauer „Haus der Stadtgeschichte” vorstellen.

Der Landschaftsverband hat die Sanierung und den Umbau des Hauses Holzmarkt 5 mit weit mehr als 100 000 Euro gefördert. In den oberen Stockwerken des alten Amtshauses ist das Stadtarchiv eingerichtet, es soll Wissenschaftlern/innen und Bürgern/innen, denen die Familien- oder Heimatforschung ein Anliegen ist, zur Verfügung stehen.

Unten im Erdgeschoss (ein moderner museal-multifunktionaler Bereich von 80 qm Fläche) können interessierte Besucher die Entwicklung der Stadtgeschichte erkunden, dazu gibt es wechselnden Ausstellungen, Lesungen und Filmvorführungen. Weitere Ausstellungen sind bereits angedacht: Paul Voss, der Szenen und Monschauer Geschichte in Bildern und Zeichnungen festgehalten hat, und die Monschauer Festspiele unter dem damaligen Kulturdezernenten Herbert-Wilhelm Kranzhoff.

Sehenswert ist die Dia-Schau: Rund 100 historische Bilder erzählen von den Menschen, Dörfern und alten Häusern im Monschauer Land, die Bildern vermitteln einen nachhaltigen Einblick in das Leben der Vorfahren. Die Ausstellung „Schätze des Hauses” ist an Sonn- und Feiertagen jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet (bis zum 19 August). Mitarbeiter des Geschichtsvereins sind vor Ort, um Fragen der Besucher zu beantworten.

Das Monschauer Stadtarchiv spiegelt die vielfältige Geschichte der Altstadt wider. Seine Bestände umfassen einen Zeitraum von nahezu 800 Jahren. Die älteste darin enthaltene Urkunde wurde am 23. Mai 1226 auf der Burg ausgestellt. Das Archiv verfügt aber auch über Material zu Vereinen und Organisationen aus dem Monschauer Land.

Die Bibliothek des Geschichtsvereins (gegründet 1923) gilt als eine der größten und wichtigsten Sammlung landeskundlicher Art für das Monschauer Land den Nordeifeler Bereich. Die Sammlung umfasst originale Druckwerke ab dem 17. Jahrhundert, Grundwerke der rheinischen Geschichte sowie Veröffentlichungen zur Natur- und Volkskunde, zur Archäologie, Mundart und Namenskunde.

Geschichte, Krieg und Vereine: Die Schätze des Hauses in fünf Themenkreisen

Von der Burg zur Stadt: Mit ihrer Burg Monjoye aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert, der dritten Burganlage nach Reichenstein und dem Haller, war es den Grafen bzw. Herzögen von Limburg gelungen, das Gebiet des karolingischen Königshofes Konzen (Kuntzerland im 13. Jahrhundert) unter ihre Herrschaft zu bringen. Damit gingen Rodung und Besiedlung der großen Waldflächen in Dörfern einher.

Tuchmacher-Tradition:< Nach der kriegsbedingten Zerstörung der Stadt im Jahr 1543 entwickelte sich in Monschau und in Imgenbroich die Wollverarbeitung allmählich über den engeren regionalen Rahmen hinaus. Der rasante Aufschwung der Herstellung von Feintuchen erreichte im Zeitraum 1765 bis 1790 ihren Höhepunkt und veränderte Monschau ab Mitte des 18. Jahrhunderts erheblich durch den Bau zentraler Produktionsstätten und repräsentativer Wohnhäuser der Tuchmacher 1908 wurde die letzte traditionelle Tuchfabrik geschlossen.

Das Vereinswesen: Das Monschauer Land scheint ein idealer Nährboden für das Vereinswesen zu sein. Im Januar 2012 verzeichneten die Gemeinden Monschau, Simmerath und Roetgen offiziell 346 berufliche, wirtschaftliche, kulturelle, religiöse, karitative, sportliche und gesellige Vereine. Bereits um 1800 gab es bereits einige gesellige und kulturelle Vereinigungen.

Der Zweite Weltkrieg: Am 12. September 1944 überschritten amerikanischen Truppen in Roetgen die deutsch-belgische Grenze. Damit kehrte der Krieg mit voller Wucht nach Deutschland zurück. Der Krieg forderte einen hohen Blutzoll. Mehr als 920 Männer aus dem Monschauer Land, die zum Kriegsdienst eingezogen waren, fielen. Über 440 gelten heute noch als vermisst. Rund 300 Zivilisten starben daheim oder während der Evakuierung. Der Wiederaufbau nach dem Krieg war schwer, fehlten doch Arbeitskräfte, Geld und Materialien. Es dauerte bis in die 50er Jahre, ehe die Spuren des Krieges weitgehend beseitigt waren.

Fremdenverkehr: Nach dem Niedergang der Tuchindustrie im 19. Jahrhundert war es nötig, mit neuen Einnahmequellen die wirtschaftliche Basis der Stadt zu sichern. Eine lang ersehnte Hilfe bei der touristischen Erschließung war der Bau der Eisenbahn 1885. Es gab viele Bemühungen, Gäste nach Monschau zu bringen und die Besucher zum Verweilen zu bewegen. Eine Flut von Ansichtskarten und anderen Souvenirs sollten die Erinnerung an den Besuch in Monschau wachhalten.

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