Hat der Wolf zurück in die Eifel gefunden?

Von: Andreas Gabbert
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Heulende Wölfe im Winter: Ein Bild, das auch in der Eifel schon bald wieder Normalität werden könnte. Foto: imago/Reiner Bernhardt

Nordeifel. Dass der Wolf früher oder später auch wieder zurück in die Eifel finden wird, prophezeien Fachleute schon seit Jahren. Hundetrainer Erik Kersting ist überzeugt, dass er inzwischen angekommen ist. Als er abends gegen 22 Uhr mit seiner Frau und einem Mitarbeiter vor die Tür seiner Hundeschule bei Fringshaus trat, wollte er seinen Ohren zunächst nicht trauen. Doch dann war er sich schnell sicher, dass es Wölfe sind, die da im Venn zwischen Fringshaus und Lammersdorf so schaurig heulen.

An eine Verwechslung mit einem Hund oder mehreren Hunden glaubt er nicht. Schließlich weiß er durch seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Berater im Wolfforschungszentrum in Ernstbrunn (Österreich) ziemlich genau, wie das Heulen der Wölfe klingt. „Ich bin froh, dass andere dabei waren, sonst hätte ich gedacht, ich spinne“, sagt Kersting. Er sagt, er sei auch schon von Leuten angesprochen worden, die im Venn einen Wolf gesehen haben wollen.

Es sei nicht auszuschließen, dass der Wolf wieder in die Eifel zurückkehre, sagt Dr. Michael Röös vom Nationalpark Eifel. Langsam aber sicher erobert der Wolf die Gebiete wieder zurück, in denen er längst als ausgestorben gilt. „Die Tiere sind hochmobil und tauchen immer öfter in Deutschland auf“, sagt Röös. Inzwischen wurde der Wolf in Ostdeutschland, im Westerwald und in der Lüneburger Heide beobachtet.

Nach einer Erhebung mehrerer anerkannter Organisationen sind, Stand März 2012, sind 41 sogenannte „adulte Individuen“ (also erwachsene Wölfe) in Deutschland gesichert nachgewiesen, darunter 14 reproduzierende Paare, also Tiere, die sich vermehren. Wenn die Jungtiere von der Mutter verbissen, also vertrieben werden, laufen die jungen Wölfe auf der Suche nach einem eigenem Revier oder Anschluss an ein Rudel weite Strecken. „Das können schon mal 50 bis 60 Kilometer pro Nacht sein“, sagt Röös.

Die Tiere könnten auch waldfreie Gebiete gut überbrücken und seien im Gegensatz zum Luchs gute Schwimmer. Schwierigkeiten bereiten dem scheuen Jäger größere Flüsse wie der Rhein, Eisenbahnlinien und Autobahnen. Verlässliche Beweise wie Kot, Haare, Fotos oder Totfunde, die die Präsenz eines Wolfes in der Nordeifel nachweisen würden, gebe es aber bislang nicht, erklärt Röös.

Die geographisch der Eifel am nächsten lebenden Einzeltiere und Rudel oder Paare lebten zumindest vor einem Jahr in der Lüneburger Heide und in Sachsen-Anhalt und Sachsen, könnten aber binnen eines Jahres zumindest theoretisch Richtung West/Südwest gewandert sein.

Hermann Carl, der vielen durch die Rollende Waldschule bekannt und in seiner Funktion als Ansprechpartner für Fragen rund um den Luchs auch für andere große Jäger zuständig ist, hat seine Zweifel, dass der Wolf schon in die Eifel zurückgekehrt sein könnte. „In ferner großer Theorie ja, aber ich glaube nicht daran. Das wäre der allererste Hinweis“, sagt Carl. In der Jägerschaft hätte sich das sonst sicherlich auch längst rumgesprochen, davon ist Carl aber nichts bekannt.

Auch der belgische Forstbeamte Frank Dandrifosse, der für das Revier zwischen Fringshaus und Lammersdorf zuständig ist, glaubt nicht, dass es ein Wolf war, was Erik Kersting im Venn gehört hat. Er sei sehr viel in diesem Revier unterwegs und bislang sei im nichts aufgefallen – keine Fährten oder sonst irgendetwas, das auf einen Wolf hinweisen würde. Es sei so gut wie ausgeschlossen, dass es sich bei dem Geheul um einen Wolf gehandelt habe, sagt auch Dr. Ingrid Hucht-Ciorga von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung des Landesbetriebes Wald und Holz NRW.

Sollte der Wolf eines Tages in die Eifel zurückkehren oder bereits da sein, dann könnte es sich dabei um Tiere aus Ostdeutschland oder Polen handeln oder auch aus Frankreich. Davon gehen Experten aus. Die Vorfahren der französischen Wölfe stammen ursprünglich aus Italien, wo sie auf dem Apennin die Verfolgung durch den Mensch überleben konnten.

In NRW gibt es zurzeit zwar keine Nachweise eines Wolfes aber ein Netzwerk, das Hinweise sammelt und ihnen nachgeht, um sie wissenschaftlich auszuwerten. Eine Kontaktaufnahme ist über die Forschungsstelle des Landesbetriebes, das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, über Luchsberater wie Hermann Carl oder die Forstämter möglich.

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