Harald Bardenhagens Traum: Eine Sternwarte in Vogelsang

Von: Ronald Larmann
Letzte Aktualisierung:
Sternengucker: Harald Bardenha
Sternengucker: Harald Bardenhagen während einer Astronomie-Veranstaltung in Foto: küp

Nordeifel. Er war die ganze Nacht auf den Beinen. „Der Asteroid ,Eros ist derzeit recht nah an der Erde”, erklärt ein etwas müder Harald Bardenhagen. Daher habe er sich aus Köln mit seinem voll gepackten VW-Bus aufgemacht nach Vogelsang - mitten in den Nationalpark Eifel.

Bei minus zehn Grad hat er dort seine Instrumente zur Himmelsbeobachtung aufgebaut und den Asteroiden beobachtet. „Das geht nur mit Polarkleidung”, sagt der 54-Jährige.

Der Passion gefolgt

Mit einer Sternwarte wäre solch ein Unterfangen viel einfacher. Und eben solch eine Einrichtung in Vogelsang zu errichten, ist der Traum von Harald Bardenhagen. Er hat 2009 seine Stellung bei Microsoft als Technikberater gekündigt und ist seiner Passion gefolgt. „Mit 54 Jahren kann man schon mal ein Astronomie-Studium wagen”, sagt er mit Freude in der Stimme. Sein Geld will er nun mit der Astronomie-Werkstatt „Sterne ohne Grenzen” verdienen, die er 2010 gegründet hat. Seine Angebote reichen von Workshops über Ausstellungen und Multimedia-Vorträge bis hin zu Himmelsbeobachtung und Sternenführung mit mobilen Großferngläsern und Teleskopen.

Den Standort Vogelsang hat er entdeckt, als der noch Truppenübungsplatz war. Da lag es in der Natur der Sache, dass es ein dunkler Fleck in Nordrhein-Westfalen war. Und Dunkelheit ist genau das, was die Astronomen brauchen. „Je dunkler, desto besser”, sagt Bardenhagen. Daher engagiert er sich so sehr dafür, die Menschen für das Thema Lichtverschmutzung zu sensibilisieren - auch wenn das eine sehr komplexe Materie ist.

„Ich bin seit Jahrzehnten Hobby-Astronom. Da macht man immer wieder die Erfahrung, dass ein dunkler Ort, den man gerade erst entdeckt hat, schnell wieder durch Licht ,verschmutzt wird”, so Bardenhagen. Eine Idee ist, den Nationalpark Eifel als „Dark Sky Reservat” zertifizieren zu lassen, um genau das zu verhindern. Auch touristisch könnte das Nutzen bringen, denn es gibt nur drei solcher Reservate in Europa. „Mit dieser Idee stehen wir aber noch ganz am Anfang”, sagt der 54-Jährige. Erste Gespräche mit Vertretern der Anrainer-Kreise und -Kommunen, der Nationalpark-Verwaltung und der Standortentwicklungsgesellschaft (SEV) Vogelsang hat es bereits gegeben.

„Wir am Standort Vogelsang haben uns dann verpflichtet, als Vorbild voranzugehen”, sagt Thomas Fischer-Reinbach, SEV-Geschäftsführer. So sei inzwischen ein Rahmenkonzept „Freiraum, Verkehr, Beleuchtung” erarbeitet worden, das das Thema Lichtverschmutzung aufgreife. „Es wird daher nur so wenig wie nötig beleuchtet”, so Fischer-Reinbach. Zudem würde darauf geachtet, dass die Lichtquellen nur nach unten strahlten.

„Denn das ist vielfach das Problem”, erklärt Harald Bardenhagen. Viele Straßenleuchten würden zum Beispiel schräg aufgehängt. Sie strahlten einige Grade über die Horizontale hinaus. „Das Licht rast dann durch die Atmosphäre und kann in 100 bis 200 Kilometern noch Auswirkungen auf den Nachthimmel haben”, sagt der Unternehmer.

Nicht zurück ins Mittelalter

Natürlich wolle er in Sachen Licht nicht zurück ins Mittelalter. Doch es gebe heutzutage moderne Technik, die den Nachthimmel nicht „verschmutzt” und trotzdem gut beleuchte. „Vielfach ist es den Unternehmen, Kommunen und Privatleuten einfach nicht bewusst, wohin ihre Lampen strahlen”, so Bardenhagen, der daher vor allem Aufklärungsarbeit leisten will. Die könne sich sogar im Geldbeutel bemerkbar machen, weil das Licht und somit die Energie effizienter eingesetzt werde.

Für ihn hat die Lichtverschmutzung natürlich auch eine ökonomische Komponente. Investiert er in eine Sternwarte in Vogelsang und nimmt die Lichtverschmutzung weiterhin zu, kann er von dort bald auch nichts mehr sehen. Seine Investition wäre in den Sand gesetzt.

Es gebe Berechnungen, nachdem die Lichtverschmutzung in Europa jährlich um sechs bis sieben Prozent zunehme. Harald Bardenhagen: „Mein Enkel ist sieben Jahre alt. Wenn das so weitergeht, kann der seinen Kindern an keinem Ort Europas mehr die Milchstraße zeigen.”
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