Handyverbot im Freibad: Fotos werden zum Problem

Von: P. St./me
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Ein Handyverbot in Freibädern, wie es bereits einige Kommunen durchgesetzt haben, soll die Privatsphäre schützen: Auch in der Gemeinde Simmerath wurde die Frage diskutiert, aber noch wird kein Anlass gesehen, am Badesee in Rurberg zu drastischen Maßnahmen zu greifen. Foto: Max Stollenwerk
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Ganz schön voll kann es an heißen Sommertagen am Badesee in Rurberg werden. Wer von einem solchem Besuch ein Erinnerungsfoto mitnehmen möchte, kann das gerne tun, sofern das Recht am eigenen Bild nicht verletzt wird. Foto: Max Stollenwerk

Rurberg. Wer im Sommer ein paar Stunden im Freibad verbringen will, für den gehören nicht nur Sonnenmilch und Kühltasche zur Grundausstattung, auch das Smartphone darf nicht fehlen. Aber das Fotografieren in Freibädern ist inzwischen zum Problem geworden, denn die Beschwerden von Badegästen, die auf ihr Recht am eigenen Bild pochen, häufen sich.

Wer möchte schon, ohne gefragt zu werden oder ohne es zu wissen, in Bikini oder Badehose durchs Netz wandern?

In immer mehr deutschen Freibädern ist das Fotografieren sogar grundsätzlich untersagt. Grund dafür ist unter anderem auch der technische Fortschritt von Smartphones. Wegen der verbesserten Kamera-Funktionen besteht inzwischen hohes Missbrauchspotenzial. Neuere Smartphones sind zudem robuster und können somit auch zum Filmen oder Fotografieren unter Wasser verwendet werden.

Im manchen Schwimmbändern bedienen sich die Betreiber spezieller Hilfsmittel, um das Knips-Verbot durchzusetzen: Wer zum Beispiel im Offenbacher Waldschwimmbad sein Smartphone nicht in der Tasche lassen will, muss für die Dauer des Aufenthalts mit einem speziellen Aufkleber leben, der auf die Linse der Handy-Kamera angebracht wird, wie Berichten zu entnehmen ist. Es gibt bereits ein Unternehmen, dass den Bad-Betreibern solche Siegel anbietet, die auf das Kameraobjektiv eines Smartphones geklebt werden können. Das Siegel lässt sich zwar rückstandsfrei entfernen, geht beim Ablösen aber kaputt. So kann das Personal kontrollieren, ob der Aufkleber auf dem Smartphone bleibt.

Wer trotz Foto-Verbot ein Erinnerungsfoto vom Freibad-Ausflug haben möchte, muss dies individuell mit dem Badepersonal absprechen.

In Rheinland-Pfalz ist das Mitbringen eines Handys in einigen Bädern gar nicht mehr erlaubt. In Hamburg sollen Besucher ihre Smartphone-Kamera mit einem Sticker abkleben.

Doch wie ist es eigentlich um die Nutzung von Smartphones und Handys in der Nordeifel bestellt – beispielsweise am Badesee in Rurberg, wo an heißen Sommertagen tausende Menschen zu Gast sind? In der ordnungsbehördlichen Verordnung über die Nutzung dieser „Badestelle“ ist zwar geregelt, dass es weder erlaubt ist, Tiere im Eiserbachsee zu waschen, noch Feuer zu entzünden, aber zum Thema Fotografieren lässt sich das Regelwerk nicht aus. Aufgrund der Aktualität werde er das Thema aber bei nächster Gelegenheit zur Sprache bringen, sagt Bruno Wilden, Leiter des Ordnungsamtes der Gemeinde Simmerath. Die Gemeinde Simmerath ist vom Wasserverband Eifel-Rur Pächter des Rurseezentrums. Wilden kann bis auf Weiteres nur auf die gültigen Nutzungsregelungen verweisen, die eine Belästigung von anderen Besuchern untersagen.

Christian Solmecke, Kölner Rechtsanwalt für Medienrecht, sagt: „Generell sind Aufnahmen eines Fremden nicht verboten.“ Doch es sei auch das Recht am eigenen Bild zu beachten. Zwar schütze das hier maßgebliche Kunsturhebergesetz grundsätzlich nur vor dem Verbreiten eines Fotos. Allerdings werde dieses Recht, die Verbreitung eines Fotos zu verbieten, weit ausgelegt. Es umfasse häufig auch das Recht, bereits die Aufnahme eines Fotos zu verhindern: Schließlich könnten Bilder später noch veröffentlicht, gestohlen oder manipuliert werden. Solmecke: „Diese Gefahr des Kontrollverlustes rechtfertigt es auch nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts, bereits das Fotografieren selbst zu verbieten.“

Gerät das Foto in die sozialen Netzwerke, wird es heikel. Jurist Solmecke: „Sobald man auf einem Bild erkennbar ist und einer Veröffentlichung nicht zugestimmt hat, wurde das Recht am eigenen Bild grundsätzlich verletzt.“ Greife keine der Ausnahmeregeln, könne der Betroffene zivilrechtlich auf Unterlassung, Löschung oder Herausgabe klagen oder unter Umständen auch Schadensersatz verlangen. Auch drohe dem Veröffentlicher eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe.

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