Imgenbroich - Handwerksboden ist nicht immer golden

Handwerksboden ist nicht immer golden

Von: P. St.
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CDU-MdB Helmut Brandt, die kaufmännische Angestellte im Betrieb, Katrin Offele, Monschaus CDU-Geschäftsführer Rainer Mertens, Betriebsinhaber Pascal Kaulartz, Jacqueline Huppertz, die Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung Nordeifel und Jenna Huppertz (Junge Union).

Imgenbroich. Als Pascal Kaulartz vor acht Jahren den Entschluss fasste, sich als selbstständiger Dachdeckermeister niederzulassen und einen Betrieb zu gründen, ließ er sich mutig und visionär auf ein unternehmerisches Risiko ein. Bereut hat er diese Entscheidung bis heute nicht.

Sein Betrieb, der im Gewerbegebiet Imgenbroich Am Windrad angesiedelt ist, hat in der Region einen guten Ruf, 15 Mitarbeiter sind inzwischen beschäftigt, und die Auftragslage ist zufriedenstellend.

Vier Lehrlinge sollten es sein

Für Dachdeckermeister Pascal Kaulartz (32) hat sich das geflügelte Wort vom Handwerk, das immer noch goldenen Boden besitzt, also weitgehend bestätigt. Seine Lehre absolvierte er beim renommierten Monschauer Betrieb Piana, dann besuchte er die Meisterschule in Koblenz, und nach zweijähriger Praxiserfahrung in einem großen Aachener Betrieb, wusste er „wie es geht“ und machte sich selbstständig.

Doch in letzter Zeit haben sich seine Zweifel verstärkt, ob der Stellenwert des Handwerks nicht doch gelitten hat. Zu Beginn des Lehrjahres 2015 wollte er eigentlich vier Auszubildende einstellen, darunter drei Dachdecker und eine Kraft im kaufmännischen Bereich. Am Ende war er froh, dass er mehr oder weniger zufällig zum 1. August einen jungen Mann fand, der den Beruf des Dachdeckers erlenen wollte.

Dabei hatte Kaulartz viel Aufwand investiert, um seine Handwerksbranche publik zu machen. Vor zwei Abschlussklassen an der Hauptschule Monschau erläuterte er den kommenden Berufsanfängern die Chancen und Herausforderungen beim Dachdecker-Handwerk und bot zudem einen Schnuppertag in seinem Betrieb kann. Etwa die Hälfte der rund 30 Schüler nahm das Angebot wahr, aber damit hatte sich die Werbeaktion auch schon erledigt. Pascal Kaulartz: „Am Ende war die Reaktion gleich null. Niemand hat sich beworben.“

Völlig anders sah die Situation übrigens aus, als der Betrieb zum 1. August auch noch die Stelle einer kaufmännischen Angestellten (halbtags) ausschrieb. Auf dieses Angebot gingen nicht weniger als 35 Bewerbungen ein.

Die Situation des nachlassenden Interessen an einer Ausbildung als Dachdecker erlebt der junge Dachdeckermeister jetzt bereits im zweiten Jahr in Folge. „Anscheinend wird das Handwerk als Ausbildungsberuf überhaupt nicht mehr wahrgenommen“, vermutet Kaulartz, der es als Unding betrachtet, dass es überhaupt so weit gekommen ist, dass die Betriebe inzwischen einen hohen Aufwand betreiben müssen, um das Handwerk den Berufsanfängern noch schmackhaft zu machen.

Diese negative Entwicklung schreibt Kaulartz auch der Politik zu, und zielt dabei auf den Vorstoß des EU-Parlaments ab, dass für viele Handwerksberufe die Meisterpflicht aufgehoben werden soll. Wenn es dazu komme, werte man das Niveau der gesamten Handwerksbranche deutlich ab. Dank des politischen Gegenwindes aus Deutschland und massiven Bedenken der Handwerkskammern sei diese Initiative zwar zunächst einmal abgewendet worden, aber das Image einer gesamten Branche habe bereits Schaden genommen.

„Es kommt einfach nichts nach“, beschreibt Kaulartz die derzeitige Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Sein Betrieb hat sich inzwischen auf die energetische Sanierung beim Dachbau spezialisiert, ein Bereich, der in öffentlichen wie privaten Bereich immer mehr Raum einnimmt.

Schwindelfrei sollte man in seinem Job schon sei, spricht Pascal Kaulartz eine der wesentliche Voraussetzungen beim Dachdeckerhandwerk an, aber es würden auch entsprechende Seminare vom Berufsverband angeboten.

Was die weitere Nachwuchsförderung betrifft, schwebt dem 32-Jährigen noch ein soziales Projekt vor. Dieses sehe vor, Schüler, die der Nachhilfeförderung bedürften, finanziell zu unterstützten und ihnen bei Bedarf gleichzeitig die Möglichkeit zu bieten, im Betrieb selbst zu arbeiten. Diese Kombination aus sozialem Engagement in Kombination mit Nachwuchsförderung für den eigenen Betrieb ist für Kaulartz ein Modell mit Zukunft.

Im Rahmen einer Sommertour, die ihn auch nach Monschau führte, machte auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Brandt einen Abstecher zum Energie-Effizienz-Fachbetrieb von Pascal Kaulartz in Imgenbroich. Der Alsdorfer Abgeordnete bezeichnete die „Abschaffung von Voraussetzungen“ für bestimmte Handwerksberufe als „nicht nachvollziehbar“, weil damit ein Ansehensverlust für das Handwerk generell verbunden sei.

Verständnis zeigte Brandt auch für die Kritik des Unternehmens an den derzeitigen Bestimmungen der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB). Demnach darf der Kunde zehn Prozent der Auftragssumme bis zur Erstellung der Schlussrechnung einbehalten, was für kleine Firmen oft beträchtliche offenstehende Summen bedeutet. Hier wäre es, so meint Pascal Kaulartz, auch mit fünf Prozent getan.

Abschließend wünschte sich Kaulartz noch, dass die Banken den Handwerksbetrieben generell mehr Vertrauen entgegenbringen würden.

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