Halloween in Monschau: Spuken mit Fingerspitzengefühl

Von: Sarah Maria Berners
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Großer Andrang herrschte bei schaurigen Stadtführungen. Kurzweilig ging es durch die historische Altstadt. Foto: Sarah Maria Berners

Monschau. Es ist dunkel geworden, in Monschau. Hier und da flackern rote Grablichter, Skelette oder Spinnweben hängen in den Fenstern und Kürbisfratzen grinsen die Besucher im historischen Stadtkern hämisch an. Grausige Geräusche dringen aus einem finsteren Altstadthaus nach draußen. Was hinter der Fassade wohl passiert?

Auf dem Monschauer Markt wartet derweil eine große Besucherschar darauf, dass die nächste schaurige Stadtführung beginnt. Das dreitägige bunte Halloween-Spektakel Ende Oktober hat die Monschau-Touristik zu einem Event mit Anziehungskraft entwickelt. Und dann kommt sie endlich, die „letzte Hilfe” - ein blutverschmierter „Sanitöter”, der die Besucher zusammentrommelt.

Was die normalen Stadtführer den Touristen erzählen, kann man getrost vergessen, denn nur die Führer der schaurigen Stadtführungen verkünden die „einzig wahre Wahrheit”. Nur sie wissen, dass das Aukloster seinen Namen daher trägt, weil dort so vielen Menschen Schmerz zugefügt wurden.

Und wer hat schon mal bei einer regulären Monschau-Führung einen Blick in die Folterkammer werfen dürfen? Woher sonst soll das Rote Haus seinen Namen haben, wenn nicht von den vielen Hinrichtungen, die dort stattgefunden haben?

„Ich habe keine Angst” ruft ein kleines Mädchen, „das sind doch auch nur echte Menschen”. Aber als der Werwolf aus seinem Kellerloch springt, nimmt sie doch schnell die Hand ihrer Freundin. Sicher ist sicher. Und trotzdem macht Gruseln ihr großen Spaß.

Hier und da fließt aber auch ein kleines Tränchen. „Papa ich hab´ Angst”, sagt ein Junge weinend. Aber der kunstvoll geschminkte und kostümierte Teufel zeigt schnell, dass er gar kein so übler Kerl ist.

Die Geister und Gruselgestalten müssen immer wieder Fingerspitzengefühl beweisen. Spuken ist - vor allem für Kinder - eben gar nicht so einfach, aber die Geister sind darin ja Profis.

Auch die Erwachsenen erschrecken sich immer wieder. „Schlimm sind gar nicht diejenigen, die einen laut erschrecken. Schlimm finde ich die Schleicher, die plötzlich hinter mir stehen”, gibt ein Besucher zu. Und im Anschleichen sind die Monschauer Geister ganz groß.

Da konzentriert sich die ganze Gruppe auf den bösen Werwolf, und da schleicht plötzlich eine blutverschmierte Bettlerin mit einem abgerissenen Bein durch die Menge. Spitze Schreie ertönen, dann wird gelacht.

Es ist ein unglaubliches Engagement, das die etwa 30 ehrenamtlichen Gruselkreaturen beim Happy Halloween leisten. Zwei Abende stehen sie in liebevoll gestalteten Kostümen und mit kunstvoll gestaltetem Make-up in der Dunkelheit und Kälte, nur um den Besuchern ein ungewöhnliches Event zu bieten.

Die Faszination für den amerikanischen Brauch hat sie alle gepackt und in Monschau gehört das Happy Halloween mittlerweile fest zum Stadtleben.
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