Rohren - Härtetest unter realistischen Bedingungen

Härtetest unter realistischen Bedingungen

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
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Härtetest: 17 Seminarteilnehmer erhalten beim Journalistenseminar Rohren einen harten, aber auch realistischen Eindruck vom Beruf des Journalisten. Unter anderem bei einer Presskonferenz mit der Journalistin Carmen Thomas (Mitte). Foto: Annika Kasties (3)
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Mit Mischpult und Kamera: Die Nachwuchsjournalisten werden in den Bereichen Print, Radio, Fernsehen und Online auf die Probe gestellt.

Rohren. Vier Mikrofone, ein Mischpult und ein Raum voller Stühle, die darauf warten, von 17 Nachwuchsjournalisten und einem Profi eingenommen zu werden. Viel mehr Belege sind nicht übrig geblieben von der intensiven Redakteursarbeit. Die Tonkabine ist bereits abgebaut. Die Videokameras sind sicher verstaut. Kisten und Koffer machen sich im Flur breit. Es herrscht Aufbruchstimmung in der Alpenvereinshütte in Rohren.

Zehn Tage lang stand die Hütte ganz im Zeichen des Journalismus. Entspannung im beschaulichen Rohren? Fehlanzeige. Statt ruhigen Stunden im Grünen standen beim Journalistenseminar Rohren wenig Schlaf und viel Arbeit auf dem Programm. 17 junge Frauen und Männer durchliefen einen Härtetest in den Bereichen Print, Radio, Fernsehen und Online, der es in sich hatte. Die Nachwuchsjournalisten waren in der Eifel auf Terminen unterwegs, schrieben Artikel, moderierten eine Radiosendung, pflegten einen Blog und twitterten rund um die Uhr. Ein waches Auge über die Arbeit der Frauen und Männer hatte dabei stets Ulrich Adrian.

Der Journalist, der bis 2014 als ARD-Korrespondent aus Warschau berichtete und jetzt als Redakteur beim WDR tätig ist, rief das Seminar vor 26 Jahren ins Leben. Träger des Seminars ist die Agentur für Arbeit Aachen. Mittlerweile leitet Adrian das Seminar mit zwei ehemaligen Seminarteilnehmern. Michael Latz vom NDR (Hamburg) und Theresa Tropper von der Deutschen Welle (Berlin) vervollständigen das Leitungs-Trio.

Realistische Entscheidungshilfe

„Das Seminar ist die ultimative Entscheidungshilfe“, findet Michael Latz. „Die Teilnehmer sind keine halbe Stunde in der Hütte, da müssen sie auch schon raus zu Terminen.“ Latz besuchte 1997 selbst das Seminar als Teilnehmer. Neun Jahre später kehrte er als ausgebildeter Redakteur zurück nach Rohren und leitet seitdem den Radiobereich.

Auch Theresa Tropper, die seit 2010 den Online- und Fernsehbereich betreut, sieht das Journalistenseminar als ideale Gelegenheit für junge Menschen, ihre Neigung auf die Probe zu stellen: „Das Seminar liefert einen harten, aber auch einen sehr realistischen Eindruck vom Journalismus.“ Geschlafen werde in der Alpenhütte grundsätzlich wenig, erzählt Tropper. Bis tief in die Nacht sei an Moderationen, Artikeln und Fernsehbeiträgen gearbeitet worden. Der erste Termin fand morgens um 3 Uhr in einer Bäckerei statt.

Während Tropper das Programm des Seminars Revue passieren lässt, bereiten sich die Seminarteilnehmer auf ihre letzte Bewährungsprobe vor. Bei einer dreistündigen Pressekonferenz, geleitet von zwei Teilnehmerinnen, haben die Nachwuchsjournalisten die Gelegenheit, ein letztes Mal einen Profi auszufragen. Dieses Jahr stellt sich die Journalistin Carmen Thomas, die mit dem aktuellen Sportstudio im ZDF die erste Sport-Moderatorin im deutschen Fernsehen wurde, den Fragen der Seminarteilnehmer.

Unter Live-Bedingungen

Unter ihnen sitzt auch Christina Albiger. Die 23-Jährige studiert in Köln Geografie und Ethnologie und hat bereits Erfahrungen beim Hochschulradio gesammelt. Ihr persönliches Highlight des Seminars sei jedoch die Aufzeichnung einer Fernsehsendung gewesen. Bei dieser mussten die Nachwuchsjournalisten ihre Fähigkeiten vor und hinter der Kamera auf den Prüfstand stellen. Und das unter Live-Bedingungen. „Da raste der Adrenalinspiegel natürlich in die Höhe“, berichtet die Kölner Studentin.

Ein weiterer Härtetest ist jedes Jahr zudem der sogenannte „Stromausfall-Tag“, wie Ulrich Adrian erklärt. Unter dem Vorwand, dass der Strom in der gesamten Nordeifel ausgefallen sei, müssen die Seminarteilnehmer innerhalb von acht Stunden ein Thema recherchieren und einen entsprechenden Artikel verfassen. Ohne Suchmaschine, ohne Wikipedia – das einzige, was den Nachwuchsjournalisten zur Verfügung stand, waren Zettel, Stift und das Wissen der Nordeifeler Bevölkerung.

Abgeschreckt hat dies die Seminarteilnehmer offensichtlich nicht. Christina Albiger fühlt sich nach zehn Tagen intensiver Redaktionsarbeit in ihrem Berufswunsch bestätigt: „Ich wurde vor dem Seminar gefragt, zu wie viel Prozent ich Journalistin werden will. Meine Antwort lautete damals 90 Prozent. Jetzt würde ich sagen: mindestens zu 99 Prozent.“ Die 23-Jährige will nun weitere Praktika absolvieren.

Der Erfolg des Journalistenseminars Rohren kann sich in der Tat sehen lassen. Zu den ehemaligen „Rohrenern“ gehören solch hochkarätige Journalisten wie Frank Bräutigam, Leiter der ARD-Rechtsredaktion in Karlsruhe, und Oliver Schmidt, Chef des „Aktuellen Sportstudios“ vom ZDF. „Wir drehen hier an den ganz großen Stellschrauben“, betont Ulrich Adrian und ergänzt: „Es gibt Menschen, die sagen noch zehn Jahre später, dass das Journalistenseminar ihr Leben verändert hat. Das macht mich natürlich stolz.“

Der Termin für das 27. Seminar in Rohren steht auch schon fest. Es findet vom 27. Juli bis zum 5. August 2016 statt. Ab dem 1. September können sich Interessierte im Alter von 17 bis 28 Jahren bewerben.

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