Rohren - Härtetest in der Abgeschiedenheit der Eifel

Härtetest in der Abgeschiedenheit der Eifel

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Drei Stunden lang hat sich am Donnerstag der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans in Rohren den Fragen von 17 Nachwuchsjournalisten gestellt.

Rohren. „Über ältere Kollegen habe ich Zugang zum Journalismus bekommen. Ich weiß deshalb, wie wichtig es ist, einen vernünftigen Einstieg zu finden.” Christoph Steegmans hat jahrelang für Westerwelle und die FDP gearbeitet. Mittlerweile arbeitet er für Angela Merkel, als stellvertretender Regierungssprecher.

In dieser Eigenschaft war er am Donnerstag in die Eifel gekommen, um sich drei Stunden von 17 jungen Leuten „löchern” zu lassen. Richtig, das Jahr ist schon wieder rum, und noch bis zum Monatsende testen 17 potenzielle Nachwuchsjournalisten zwischen 17 und 24 Jahren in der Abgeschiedenheit der Eifel, ob der Journalismus ihr Traumberuf ist und wie sie es am besten anstellen sollten.

Die Chance, den Sprung zu schaffen, ist nicht schlecht, denn nach 21 Jahren gibt es mehr als 300 „Ehemalige”, von denen etliche inzwischen zu festen Größen in Zeitungsredaktionen und Fernseh- oder Rundfunkstudios geworden sind. Mehr als 100 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet gingen diesmal bei den Organisatoren ein, wusste Ulrich Adrian, Leiter des ARD-Studios in Warschau, dem Gast aus Berlin zu berichten. Mit jedem Kandidaten habe man ein Bewerbungsgespräch unter realen Bedingungen geführt, so, als ginge es um ein Volontariat.

Die 17 jungen Frauen und Männer werden jetzt zehn Tage lang von Medienprofis einen umfassenden Einblick in das schnelllebige Geschäft bekommen, Adrenalinschub, Lampenfieber und Stress wie im richtigen Redaktionsalltag inklusive. Das alle bei einer finanziellen Eigenbeteiligung von 220 Euro. Dafür gibt´s dann von früh bis spät Recherchearbeit satt, und den Druck, kreativ zu sein, ständig mit der Uhr im Nacken.

Nach diesen zehn Tagen hat jeder Nachwuchsjournalist vier Zeitungsartikel, eine Pressekonferenz, Live-Interviews im Radio, eine einstündige Fernsehsendung vor und hinter der Kamera sowie eine dreistündige Radiosendung hinter sich gebracht. Und wer dann nicht die Nase voll hat, der ist richtig in dem Job.

Das sieht auch Christoph Steegmans so, denn Journalismus sei „kein klassischer Ausbildungs-, sondern ein Neigungsberuf”. Entweder man hat „eine Schreibe” oder kann ohne Scheu in ein Mikrofon plaudern, oder man kann es nicht. Das Handwerkliche ist erlernbar, das Talent nicht. Es gebe in Deutschland viele gute Journalistenschulen, so Steegmans, aber auch viele „kleine Initiativen, die nicht im Glanz großer Verlagshäuser stehen”, wie das Haus des Deutschen Alpenvereins in Rohren, wo niemand von den Teilnehmern erwarte, „dass jede Journalistengeneration das Rad neu erfindet”.

Deshalb sei es für ihn „selbstverständlich” gewesen, der Einladung in den einzigen offiziellen Wintersportort der Nordeifel zu folgen. Zumal die Region für den stellvertretenden Regierungssprecher kein unbekanntes Terrain ist. Denn Christoph Steegmans ist Aachen und dem Karneval als Knappe bei der Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst” verbunden.

Nach einer kurzen Begrüßung und einer Tasse Kaffee stürzte sich Christoph Steegmans mutig ins Getümmel. Drei Stunden waren für die Pressekonferenz angesetzt, die die 17 Journalistinnen und Journalisten vorbereitet hatten. Dass Steegmans heil aus der Sache herausgekommen ist, darf angenommen werden. Denn es gibt bisher keine Information darüber, dass am Nachmittag das Flugzeug nach Berlin ohne ihn gestartet ist.
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