Haareschneiden für Menschen in Not

Von: ag
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Friseurtermin im Eingangsbereich des Imgenbroicher Pfarrheims: Andrea Münster (in der Mitte stehend) aus Rollesbroich war mit ihrem Team im Café International zu Besuch, um den Menschen, die sich dort treffen, die Haare zu schneiden. Foto: A. Gabbert
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Deutschkurs im Pfarrsaal: Auch das gehört zu den Angeboten des Cafés International.

Eifel-Imgenbroich. Ein ganzer Berg Haare hatte sich im Eingangsbereich des Pfarrheims in Imgenbroich angesammelt, nachdem Andrea Münster aus Rollesbroich mit ihrem Team des Friseursalons Haarlekin in Simmerath dem Café International am Montag einen Besuch abgestattet hatte.

Sie war mit zwei Mitarbeiterinnen, einem Mitarbeiter, ihrer Mutter und einer Freundin gekommen, um den Menschen aus aller Welt, die sich jeden Montag im Café International treffen, die Haare zu schneiden, was von rund 40 Personen gerne angenommen wurde.

Solche Aktionen hat Andrea Münster schon öfter angeboten. Nun fand sie es angebracht, „noch mal ein Zeichen zu setzen“. „Ich wollte helfen, und einem die Haare zu schneiden, ist für mich ja ein Leichtes. Es ist schön zu sehen, wie sich dann auch die Kinder freuen“, sagt die Friseurmeisterin. Ihre Mitarbeiter haben für die Aktion auf ihren freien Tag verzichtet.

Das haben sie gern getan. „Das war superschön. Ich habe noch nie so viele dankbare Menschen gesehen“, sagt die 21-jährige Jennifer Barts aus Rohren. „Man konnte die Freude in den Gesichtern gesehen und hat sich auch ohne Worte verstanden“, meint Julian Stephan (19) aus Schmidt.

Gerne erinnert sich Andrea Münster an einen jungen Syrer, dem sie bei ihrem letzten Termin im Café International eine Schere geschenkt hatte, weil er sich so gut in dem Handwerk auskannte. Damals hatte er noch keine Arbeitserlaubnis und war in der Flüchtlingsunterkunft Langschoß untergebracht, deshalb konnte sie ihm keine Stelle anbieten. Inzwischen hat der junge Mann eine Stelle in einem Friseurgeschäft in Aachen angetreten und wohnt in Simmerath.

Während im Eingangsbereich des Pfarrheims fleißig Haare geschnitten werden, findet neben an im Pfarrsaal Deutschunterricht statt, auf der Empore wird in der Kleiderbörse gestöbert und im Aufenthaltsraum sitzen die Menschen zusammen. Sie trinken Tee, unterhalten sich, spielen Schach oder surfen im Internet. Das Café International ist in der Eifel das Kommunikationszentrum für Menschen aus aller Welt – und das bereits seit über 20 Jahren.

Gegründet wurde die Initiative im Jahr 1991 von Inge Theißen. Sie ist heute noch der gute Geist, der alles zusammenhält und organisiert. „Es hängt viel an ihrer Person. Alle vertrauen ihr“, sagt Richard Abshof aus Simmerath, der sich um die Computer für das Internetcafé kümmert. Doch Inge Theißen steht nicht gerne im Vordergrund, lieber verweist sie auf die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, die sich im Café International einbringen.

Gisela Bongard aus Imgenbroich ist zum Beispiel schon seit 1993 dabei, und auch Lotte Brune aus Monschau ist schon lange Zeit dabei. Der ehemaligen Schulleiterin fehlte der Kontakt zu Kindern, nachdem sie aus Krankheitsgründen vorzeitig pensioniert wurde.

Also beschloss sie sich in der Arbeit für Flüchtlinge zu engagieren. Seit Jahren betreut sie nun schon die Kindergarten- und Schulkinder der Flüchtlingsfamilien. Sie begleitet die Kinder zum Beispiel bei ihrem ersten Schulbesuch und fungiert als Ansprechpartnerin für die Schulen.

Vera Rupp-Fraksen bietet seit 3,5 Jahren als Mitarbeiterin der Volkshochschule im Café International Deutschkurse für Flüchtlinge in der Nordeifel an. Ralf Neumann aus Imgenbroich hat vor kurzem einen Erzählkurs ins Leben gerufen. Elisabeth Michaux aus Monschau hatte vor einem Jahr eine junge Frau aus Somalia mit ihrem Kind vorübergehend bei sich aufgenommen. So kam der Kontakt zum Café International zustande, wo sie inzwischen regelmäßig anzutreffen ist – zum Spülen, Erzählen oder Babys-Schaukeln.

Aber auch viele ehemalige Besucher kommen immer wieder. „Das ist wie eine riesige Familie“, sagt Gisela Bongard. Katharina Stanetzky ist eine dieser Personen. Als die gebürtige Russin vor acht Jahren nach Deutschland kam und Probleme mit der Sprache hatte, hörte sie von den Angeboten des Cafés International und nahm an den Deutschkursen teil. „Jetzt will ich auch was machen“, sagt die 56-Jährige. Neben dem Kochen und organisatorischen Aufgaben hilft sie inzwischen selbst als Übersetzerin aus.

Für die Flüchtlinge in der Nordeifel ist das Café International der zentrale Anlaufpunkt. „Die helfen uns hier. Ich komme sehr gerne her, um die Sprache zu lernen und Leute zu treffen. Das ist sehr wichtig für uns“, sagt etwa der 30-jährige Francis Luigi Yeboah aus Ghana.

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