Gutes Miteinander in der Flüchtlingsunterkunft

Von: ag
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Aus Klassenräumen sind Schlafräume geworden: Bis zu 16 Personen sind in Doppelstockbetten in den ehemaligen Klassenzimmern der Hauptschule Monschau untergebracht. Foto: P. Stollenwerk
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Marianne Bothen-Frehr von der Bezirksregierung berichtete über die Situation in der ehemaligen Hauptschule.

Monschau. Von einem guten Miteinander und hohem Engagement der Bevölkerung ist die Situation in der Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Hauptschule in Monschau auf der Haag geprägt. Aber es gibt auch Probleme zu bewältigen.

Marianne Bothen-Frehr von der Bezirksregierung Köln, die vor Ort als Koordinatorin tätig ist, berichtete in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses der Stadt Monschau über die aktuelle Lage.

92 der bislang 270 Bewohner wurden am Mittwoch in Unterkünfte in Köln und Krefeld verlegt. 153 Bewohner wurden am Donnerstag zur Registrierung nach Niederaußem gebracht. Gleichzeitig wurde die Aufnahmekapazität in der Hauptschule auf 400 Personen aufgestockt. „Wir wissen nicht, wer von den Flüchtlingen wieder nach Monschau zurückkommen wird“, sagte Bothen-Frehr. Die meisten Menschen, die auf der Haag untergebracht sind, stammen aus Syrien, aber auch aus dem Iran und dem Irak, aus dem Libanon, aus Afghanistan und Afrika. Lediglich fünf Personen kommen vom Westbalkan. Untergebracht sind die Menschen in separaten Trakten für Männer und Familien.

120 Ehrenamtler im Einsatz

Die Flüchtlingsunterkunft auf der Haag ist eine Einrichtung der Bezirksregierung. Betreut werden die Flüchtlinge dort von der Organisation „ZOF“. Insgesamt 24 Personen sind im Schichtdienst rund um die Uhr als Ansprechpartner da. Für die Mitarbeiter wurden Rückzugsräume eingerichtet.

Eine Security-Firma aus Düsseldorf sorgt für die Sicherheit und der Caterer des Simmerather Krankenhauses für die Verpflegung. Hinzu kommen rund 120 Ehrenamtler, die auf der Haag vielfältige Aufgaben übernehmen. Dazu gehören zum Beispiel Fahrdienste, Sprachkurse, Kleider- und Musikangebote, Unterstützung bei der Computernutzung und im Alltag. „Die müssen alle irgendwie zusammenarbeiten“, sagte Bothen-Frehr.

Sie berichtete außerdem von zahlreichen und großzügigen Spenden, so dass in der ehemaligen Hauptschule inzwischen sogar ein Musikzimmer eingerichtet wird. In dieser Woche wurde auch eine sogenannte Sprachbox, die Rotary-Club Monschauer Land gespendet hatte, aufgestellt. Spielsachen seien so zahlreich vorhanden, dass davon einiges an die Flüchtlingsunterkunft in Höfen abgegeben werden könne.

Im Haus gibt es mehrere Dolmetscher. Der Deutschunterricht, der dreimal in der Woche angeboten wird, werde sehr gut angenommen, erklärte Bothen-Frehr. Es gebe eine Kleiderkammer mit Kleiderausgabe, die ehrenamtlich betreut wird. „Die Meisten sind inzwischen bestens ausgestattet“, sagte Bothen-Frehr. Gesucht wird aber noch Herrenkleidung für schlanke Männer. Acht Waschmaschinen und fünf Trockner laufen im Dauerbetrieb.

Die medizinische Versorgung werde von einer Ärztin sichergestellt, die sich täglich acht Stunden ehrenamtlich engagiert. Unterstützung erhalte sie dabei von zwei Ärzten aus der Region. Ab 1. Dezember solle außerdem eine Krankenschwester vor Ort sein. „Besser kann die medizinische Versorgung nicht sein“, sagte Bothen-Frehr. Darüber hinaus könnten die Flüchtlinge auch die „normale“ medizinische Versorgung bei Fachärzten und Krankenhäusern in Anspruch nehmen.

Die große Aula des Gebäudes sei von Vorteil und diene als Kommunikationszentrum. Stark nachgefragt seien Fahrräder, die mit einem internen Bewohner-Ausweis ausgeliehen werden könnten. Dabei habe es anfangs kleinere Schwierigkeiten gegeben, da die Gefahren des Straßenverkehrs vor allem von Kindern unterschätzt worden seien.

Heikle Themen angesprochen

Bothen-Frehr sprach auch heikle Themen an. Wie überall gebe es auch unter den Flüchtlingen „nicht nur nette Menschen“. Deshalb sei es wichtig zu wissen, dass es Möglichkeiten der Vorsorge gebe und auffällige Personen verlegt werden könnten. Kürzlich sei das in einem Fall nötig gewesen.

Bei der Einstellung der Security-Mitarbeiter würde auf die Einstellung der Bewerber geachtet, dazu könne auch eine Abfrage bei einer eigens eingerichteten Schnittstelle zwischen der Bezirksregierung Arnsberg und der Polizei erfolgen. Das gehe schneller als über ein polizeiliches Führungszeugnis. Es habe zwei Fälle gegeben, bei denen die Mitarbeiter im bloßen Verdacht standen, den Salafisten beziehungsweise einer kaukasischen Organisation nahe zu stehen. Auffälligkeiten habe es aber nicht gegeben. „Die wurden sofort gekündigt“, erklärte Bothen-Frehr. Die Bewerber würden sorgfältig ausgewählt und bei bloßem Verdacht werde gehandelt.

Unter den Flüchtlingen gebe es Personen, die wieder in ihre Heimat zurück wollten. Sie hätten vor der Flucht Informationen über das Leben in Deutschland erhalten, die sich nicht mit den Erfahrungen in einer zentralen Flüchtlingsunterkunft decken würden. Drei Iraner würden daher die Heimreise antreten.

Insgesamt funktioniere das Zusammenleben in der Unterkunft und die Arbeit mit den Flüchtlingen sehr gut, sagte Bothen-Frehr und lobte die Anstrengungen aller Beteiligten – von den Mitarbeitern der Verwaltung, über die Ehrenamtler und den Sicherheitsdienst bis hin zum Sozialdienst. „Von Frieden, Ruhe und Transparenz profitieren alle, das ist meine tiefe Überzeugung“, betonte Bothen-Frehr.

Benno Palm (CDU) zeigte sich sehr freudig, zu hören, „dass es bei uns so gut funktioniert“. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge sei schon eine hohe Belastung, dem Bericht von Bothen-Frehr sei aber zu entnehmen, „dass wir das schaffen“.

„Wir haben Glück im Unglück, dass die Hauptschule leer stand“, sagte Roland Krökel (SPD) und dankte für die engagierte Arbeit aller Helfer. Er hoffe, dass die Helfer nicht überfordert würden. Hetze müsse entschieden entgegengetreten werden und den Flüchtlingen Mut zur Integration gemacht werden. „Wir haben eine große Verantwortung, nicht nur in Monschau“, sagte Krökel.

Unterbringungsmöglichkeiten wie die Hauptschule gebe es auch in anderen Kommunen, in Monschau herrsche aber ein besonderer Geist, entgegnete Bothen-Frehr. „Da darf man sich hier auch mal auf die Schulter klopfen, dass das hier so funktioniert.“

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