Monschau - Guido Breuer: Mit Glück und Verstand seinen Senf dazugegeben

Guido Breuer: Mit Glück und Verstand seinen Senf dazugegeben

Von: P. St.
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Unzertrennbar: Guido Breuer und die Senfmühle, die täglich 400 Kilogramm „Moutarde de Montjoie” produziert. Der Monschauer Senfmüller ist in einem Schaltjahr geboren und feiert am 29. Februar seinen 70. Geburtstag. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Monschau und sein Senf - das ist so untrennbar verbunden wie Köln mit dem Dom, München mit dem Hofbräuhaus oder Hamburg mit der Reeperbahn. Wenn Auswärtige über Monschau sprechen, dann ist es nichts Ungewöhnliches, dass zuerst der Senf und dann das Rote Haus erwähnt wird.

Dass der Monschauer Senf die Stadt im Tal noch populärer gemacht hat, daran hat Guido Breuer großen Anteil. Deutschlands wohl bekanntester Senfmüller und unermüdlicher Werbebotschafter seiner geliebten Heimatstadt, feiert am 29. Februar seinen 70. Geburtstag.

„Das ist erst in zwei Jahren”, schmunzelt das in Ehren ergraute Monschauer Original und freut sich, dass er mit diesem kleinen Scherz alle erheitert. Zwar ist Guido Breuer in einem Schaltjahr geboren, aber gefeiert wird der runde Geburtstag dennoch - wenn auch mit ein paar Tagen Verspätung in Mützenich.

„Ich bin von innen heraus froh”, beschreibt Guido Breuer sein Lebensgefühl, und rückblickend auf ein bewegtes und an Erlebnissen reichhaltiges Leben darf er sich an seinem Festtag auch ruhig einmal selbst auf die Schulter klopfen und feststellen, dass es eine gute und richtige Entscheidung war, ganz auf Senf zu setzen.

Mit Glück und Verstand hat er das Familienunternehmen ausgebaut und den Monschauer Senf als regionaltypisches Produkt am Markt platziert, als die Tourismus-Experten diesen Begriff noch gar nicht erfunden hatten. Und die letzte Sicherheit, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, gab ihm vor 20 Jahren sein Vater Clemens, der ihm nach anfänglicher Skepsis bestätigte: „Ich glaube, Du hast es richtig gemacht.”

Als 40-Jähriger übernahm Guido Breuer im Jahr 1981 die Senfmühle am rauschenden Laufenbach, restaurierte die historische, heute mehr als 125 Jahre alte Anlage, verabschiedete sich so langsam vom Getränkevertrieb, nahm stattdessen Wein ins Angebot und ließ keine Gelegenheit aus, Monschau zum Nabel der Welt zu machen, wenn es um Senf ging.

Guido Breuer gelang ein Traumstart als 1983 in die WDR-Fernsehsendung „Mittwochs in...” eingeladen wurde, und er mit lockerer Lippe erzählte, dass die Monschauer im Restaurant den Senf essen und die Wurst auf dem Teller liegen lassen. So ein Mann war medientauglich.

Es folgten bis zum heutigen Tag Dutzende von Fernsehauftritten, zuletzt in der ARD-Quizsendung mit Jörg Pilawa, wo er mit gemeinsam Tochter Ruth 10.000 Euro einstrich - natürlich nicht ohne Monschau und seinen berühmten Senf zu erwähnen...

Obwohl mit Herz und Seele ein Altstädter, ist Guido Breuer vor allem Eifeler, und auch in diesem Punkt war ein Vordenker, die gesamte Region und nicht nur den eigenen Kirchturm zu sehen.

Das Elternhaus der Breuers stand auf der Kirchstraße; hier wurde 1882 unter einfachsten Bedingungen vom Urgroßvater die Senfmühle gegründet, ehe der Betrieb im Jahre 1952 an die obere Laufenstraße, nahe der Flora, verlagert wurde.

Heimat bedeutet für Guido Breuer aber auch heute noch die Kirchstraße. „Das war meine Straße. Hier kannte jeden Zentimeter, und mit Tränen in den Augen bin ich von dort weggezogen.” In seinem Elternhaus erfuhr er eine strenge, christliche Erziehung, die sein Leben prägte.

Guido Breuer ist ein Kenner der Monschauer Mentalität, kennt die Eigenheiten der Menschen auf den Dörfern, aber Politiker hätte er nie sein können. Da beherzigte er eher die Empfehlung seines Vaters: „Lass uns lieber Karten spielen.”

Da schmunzelt Guido Breuer wieder vielsagend und muss sich ein bisschen selber loben: „Ich kann mir meine Witze selber machen. Wir waren alle so.” Mit guter Laune startet er in den Tag, und punktet schon früh mit seiner Schlagfertigkeit, wenn andere noch im Halbschlaf sind.

Guido Breuer gibt gerne zu, dass er mit seiner Senfmühle „viel Glück” gehabt hat, „aber ich wusste auch immer was ich wollte.”

Der Weg zum erfolgreichen Geschäftsmann und weithin bekannten Senfmüller „Breumo” begann allerdings mit den Lehrjahren bei der Aachener Firma Kaiserbrunnen, wo er den seltenen Beruf des Mineralwasserwerkers erlernte. Es folgten Stationen bei Getränkevertrieben in Aachen und Köln und schließlich im Büro einer Zuckerfabrik.

Inzwischen ist Tochter Ruth in das Geschäft eingestiegen, und gemeinsam arbeitet man daran, den bisher 19 Sorten Monschauer Senf die Nummer 20 hinzuzufügen.

Dann wird Monschau wieder ein kleines Stück bekannter, und in diesem Zusammenhang erinnert sich Guido Breuer immer wieder gerne an den Besuch des Senfgiganten Kühne in Monschau, der den Dank der gesamten Branche überbrachte, indem er dem Monschauer Senfmüller bestätigte, dass er durch seine Öffentlichkeitsarbeit wesentlich zur Steigerung der Pro-Kopf-Verbrauchs an Senf beitragen habe.

Mit einem großen Kompliment an Guido Breuer verabschiedete sich der Fabrikant aus Hamburg, der bekannte: „Sie haben den Senf hoffähig gemacht.”
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