Grundstück vor Krankenhaus: Eine wechselvolle Geschichte

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
10745971.jpg
Wechselvolle Geschichte vor dem Krankenhaus: Bürgermeisteramt, Caritas-Tagespflege und jetzt Parkplatz.
10745968.jpg
Von 1912 bis 1975 war an der Kammerbruchstraße das Bürgermeisteramt untergebracht, ehe das Gebäude abgerissen wurde.

Simmerath. Die wechselvolle Nutzung des vor dem Simmerather Krankenhaus gelegenen Grundstückes an der Kammerbruchstraße geht weiter. Nachdem das im August 1999 bezogene Gebäude der Caritas-Pflegestation nach nur 17 Jahren Lebensdauer abgerissen wurde und die Einrichtung an den Ratshausplatz gezogen ist, hat hier der Bau einer neuen Parkplatzfläche begonnen.

Die Eifelklinik brauchte das Grundstück dringend, um mehr Parkplätze bereitzustellen – vor allem, weil sich immer mehr Patienten mit Gehbehinderungen, die sich im Zentrum für Chirurgie beispielsweise endoprothetisch behandeln lassen, an die Klinik wenden. Insgesamt werden 60 zusätzliche Parkplätze für Langzeitparker (Besucher wie Patienten) entstehen und 14 neue Kurzzeitparkplätze.

Viele Simmerather Bürger aber werden sich noch daran erinnern, dass ursprünglich auf diesem Grundstück einmal das Bürgermeisteramt stand. Willi Wilden vom Arbeitskreis Alt Simmerath berichtet unter Bezug auf Veröffentlichungen im Band „Simmerath von den Anfängen bis heute“ und eigene Recherchen, dass das ehemalige Bürgermeisteramt an der Kammerbruchstraße in Simmerath in den Jahren 1905 bis 1907 als Geschäftshaus gebaut wurde. Bauherr war Louis Herbrand aus Arnoldsweiler bei Düren (1864-1910). Er war Gerber von Beruf und kam mit seiner Frau Klara, geb. Koch (1864-1957), die aus Mehren im Kreis Daun stammte, im Jahr 1885 nach Simmerath.

Hier kaufte er das Haus Nr. 77, das sich an der Stelle hinter der Sparkasse befand, auf dem heute das Wohnhaus der Familie Gerhard Leister steht (das Haus Nr. 77 wurde abgerissen). Hier eröffnete er eine Lederhandlung und ein Schuhgeschäft. An der heutigen Sportplatzstraße baute er eine Gerberei an der Ecke Sportplatzstraße/Torfstraße. Im „Lohhäuschen“ (,Lu-ehüs-je‘) betrieb er eine Lohmühle. Dieses Haus ist heute das Wohnhaus der Familie Karl Nießen, Lohmühlenstraße 7. Sein Geschäft florierte so gut, dass er das für damalige Verhältnisse großzügige und in Stil und Größe außergewöhnliche Haus an der Kammerbruchstraße bauen konnte. Hierhin verlegte er sein Geschäft und den Wohnsitz der Familie. Drei Jahre später starb Louis Herbrand plötzlich mit 46 Jahren.

Er hinterließ seine Frau mit sieben Kindern. Dies war ein schwerer Schicksalsschlag für die Familie, und da Herbrand sich außerdem mit Staatsanleihen, die keinen Gewinn abwarfen, verspekuliert hatte, war seine Frau gezwungen, das Haus zu verkaufen. Außerdem verkaufte sie auch die Gerberei Paustenbach und die Lohmühle an eine Familie Stollenwerk, die man in Simmerath deshalb „Lu-e‘hüs-jes“ nannte.

Die Gemeinde Simmerath kaufte das Haus ,auf dem Kammerbruch‘ im Jahre 1912 und richtete hier die Gemeindeverwaltung ein, dazu stand im Obergeschoss die Wohnung für den jeweiligen Bürgermeister (später Amtsdirektor) bereit. Klara Herbrand zog mit ihren Kindern wieder in das Haus Nr. 77. Hier betrieb später der 1905 geborene Sohn Richard als Bäckermeister eine Bäckerei und ein Lebensmittelgeschäft. Das „Bürgermeisteramt“ oder die „Bürgermeisterei“ wurde 1975 abgerissen und die freie Fläche dem Krankenhaus zugeschlagen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert