Roetgen - Grundstein für Flüchtlingswohnheim gelegt: Bürger wollen Zeichen setzen

Grundstein für Flüchtlingswohnheim gelegt: Bürger wollen Zeichen setzen

Von: Andreas Gabbert
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Der Vorsitzende des Vereins „Roetgen hilft Menschen in Not“, Bernhard Müller, machte den Anfang bei der Grundsteinlegung: Anschließend griffen bei diesem symbolischen Akt Politiker und Bürger zur Maurerkelle.

Roetgen. Es ist ein Projekt mit hohem Symbolwert, für das in Roetgen jetzt der Grundstein gelegt wurde. An der Pilgerbornstraße soll ein „Haus für Menschen in Not“ entstehen. Über 200 Roetgener Bürger hatten dafür innerhalb von drei Monaten über 250.000 Euro als Spende und Bürgerdarlehen zur Verfügung gestellt.

„Da Roetgen mit seinen 8534 Einwohnern ungefähr ein Zehntausendstel der Einwohner der Bundesrepublik ist, ist das so, als ob in Deutschland zwei Millionen Bürger innerhalb von drei Monaten 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt hätten, um Wohnungen für 200.000 Flüchtlinge zu bauen“, rechnete Bernhard Müller, der Vorsitzende des Vereins „Roetgen hilft Menschen in Not“, der beim Bau die Federführung übernommen hat, vor.

38.157 Euro wurden dem Verein gespendet, 86.500 Euro wurden als Darlehen zur Verfügung gestellt. 30.000 Euro kamen durch Bürgschaften zustande und weitere 100.000 Euro durch Zwischenfinanzierungsmittel (kurzfristige Darlehen während der Bauphase).

Die Gesamtkosten für das Wohnheim liegen mit Nebenkosten und den Kosten für den Einbau einer Küche bei rund 690.000 Euro. 532.000 Euro davon stellt die NRW-Bank als Darlehen zur Verfügung.

Ersatz für Wohnheim Kuhberg

Nachdem die ersten Pläne für ein neues Flüchtlingswohnheim an der Pilgerbornstraße als Ersatz für die Unterkunft auf dem Kuhberg der Öffentlichkeit vorgestellt worden waren, wurde der Verein Ende April im Rahmen einer nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderates „aus der Mitte der Bürgerschaft“ heraus gegründet, wie es in einer gemeinsamen Presseerklärung des Vereins und der Gemeinde Roetgen hieß.

Der Verein sei aus dem Gemeinderat und dem Flüchtlingsrat heraus gebildet worden, „um ein positives Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für die Werte zu setzen, die uns Deutsche und Europäer heute ausmachen, nicht zuletzt Menschlichkeit und Solidarität“. Man wolle ein „Haus für Menschen in Not“ bauen, „gegenwärtig vor allem für Flüchtlinge, langfristig aber für alle, die in Not geraten sind“, hatte der Verein erklärt.

Der Gemeinderat beschloss Ende Juni, dem Verein das an der Pilgerbornstraße erworbene Grundstück zu verpachten und das Gebäude langfristig für Flüchtlinge zu mieten.

Entstehen soll ein Haus mit fünf Sozialwohnungen mit je zwei Zimmern und einem Betreuungszimmer. Insgesamt sollen dort auf 311 Quadratmetern 15 bis 20 Personen untergebracht werden, in Notzeiten kurzfristig auch mehr Personen. Das Haus soll im Sommer 2017 fertiggestellt werden.

Zur Grundsteinlegung waren zahlreiche Bürger, Anwohner, Mitglieder des Gemeinderates und des Flüchtlingsrates erschienen, die von Bernhard Müller begrüßt wurden. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Roetgen hilft Menschen in Not“, Johannes Pössinger, Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss, Städteregionsrat Helmut Etschenberg sowie die Landtagsabgeordneten Karin Schmitt-Promny (Grüne), Stefan Kämmerling (SPD) und Axel Wirtz (CDU) stellten in ihren Reden das besondere Engagement der Roetgener Bürger in den Mittelpunkt.

„Hier arbeiten Bürger, Politiker und Verwaltung zusammen. Hier entsteht ein echtes Roetgener Haus“, sagte Pössinger. „Man kann sagen, die Roetgener bauen selbst. Sie sorgen selbst dafür, dass hier lebende Flüchtlinge menschenwürdig untergebracht sind. Sie sorgen selbst dafür, dass damit ein Grundstein für eine gute Integration gelegt wird“, betonte Klauss.

„Hier von Roetgen geht heute ein Signal aus – ein starkes Signal“, erklärte Etschenberg, der von einem „guten Tag und einem guten Projekt“ sprach. Karin Schmitt-Promny zeigte sich „tief beeindruckt“ von dem „imponierenden und selten zu findenden bürgerlichen Engagement“.

Stefan Kämmerling erklärte, die Roetgener Bürger hätten „nicht gezögert, sondern selbst angepackt“. Davor könne er sich nur verneigen und den Hut ziehen. Axel Wirtz sagte, die humanitäre Idee werde in Roetgen auf „beeindruckende Weise“ umgesetzt. Hier werde bürgerliches Engagement deutlich, von dem Politiker oft in Sonntagsreden sprechen würden.

Im Rahmen der Grundsteinlegung wurde auch eine sogenannte „Zeitkapsel“ eingemauert, damit die Menschen in 100, 200 oder mehr Jahren erfahren können, was in Roetgen gegen Fremdenfeindlichkeit und für Mitmenschlichkeit unternommen wurde. Briefe von Bürgern und Politikern, die Reden des Tages, die Bauunterlagen, Zeitungen vom Tag der Grundsteinlegung, Teile einer von Flüchtlingen gestalteten Ausstellung, Fotos und eine Karte von Roetgen wurden unter anderem in diese Zeitkapsel gelegt, die anschließend eingemauert wurde.

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