Roetgen - Grundschule Roetgen: Deutsch lernen macht den „Wikis“ Spaß

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Grundschule Roetgen: Deutsch lernen macht den „Wikis“ Spaß

Von: heiner Schepp
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Aus Syrien und Afghanistan, aus dem Irak, aus Albanien und Mazedonien kommen die Kinder der Willkommensklasse an der Gemeinschaftsgrundschule Roetgen, die viermal wöchentlich eine Doppelstunde lang intensiv mit Sonderpädagogin Lydia Schäfer Deutsch lernen. Foto: H. Schepp
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Mit einem bunten Bild begrüßen die Mitschüler die Willkommenskinder an der Grundschule Roetgen.

Roetgen. „Ich heiße Sidra und mag Erdbeeren. Was magst Du?“, sagt das zierliche Mädchen und wendet sich bei den letzten Worten der Nachbarin zu. „Ich heiße Lamees und mag Ananas. Was magst Du?“, setzt diese das Begrüßungsritual fort.

An vier von fünf Schultagen in der Gemeinschaftsgrundschule Roetgen treffen sich Sidra, Lamees und sieben weitere Kinder aus Flüchtlingsfamilien mit Sonderpädagogin Lydia Schäfer, um intensiv die deutsche Sprache zu lernen. Die neun Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren bilden die sogenannte Wiki-Klasse, die Klasse der „Willkommenskinder“ an der GGS Roetgen, die im Februar gestartet ist und nach nicht einmal drei Monaten schöne Erfolge verbuchen kann.

Aus vier Jahrgängen

Seit Schuljahresbeginn besuchten zunächst acht Kinder aus kommunal zugewiesenen Flüchtlingsfamilien die Gemeinschaftsgrundschule Roetgen. „Während sie zunächst in ihren Jahrgangsklassen gefördert und mit Hilfe einer ehrenamtlich arbeitenden, pensionierten Lehrerin in den Schulalltag eingeführt wurden, entschied die Schule nach einem halben Jahr ‚Ankommenszeit‘, die Beschulung dieser Kinder zu intensivieren und zu systematisieren“, berichtet Schulleiterin Susanne Bortot. Dazu wurde eine sogenannte „Willkommensklasse“ (Wiki-Klasse) im Obergeschoss der Schule eingerichtet und Sonderpädagogin Lydia Schäfer, seit vier Jahren an der Grundschule in Roetgen, mit der Sprachförderung der Willkommenskinder aus allen vier Jahrgängen beauftragt.

Viermal wöchentlich

Die Sprachförderung findet viermal wöchentlich in einer Doppelstunde statt und stützt sich auf die sogenannte Kon-Lab-Methode („Konstanz-Labor“, entwickelt vom Schweizer Sprachwissenschaftler Dr. Ziv Penner), mit der die Kinder spielerisch das Regelsystem lernen, das unsere Sprache leitet. „Dabei holen die Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sozusagen die frühkindliche Sprachentwicklung nach“, erklärt Lydia Schäfer.

Nach der Kon-Lab-Methode erwerben Kinder mit ungestörtem Spracherwerb in den ersten drei Lebensjahren in mehreren Phasen die Kernregeln für die Bildung von Wörtern, Satzteilen und Sätzen. Danach wenden sie diese Regeln an, ohne sich dessen bewusst zu sein. „Deshalb lernen auch die Willkommenskinder nicht einzelne Wörter, Wortschatzgruppen oder Sätze, sondern Regeln“, erläutert die Sonderpädagogin, die unterstreicht: „Durch das gründliche und kleinschrittige Vorgehen holen wir auch Kinder mit ins Boot, die sich etwas schwerer tun mit dem Spracherwerb.“

Die neun Kinder – der neunte Schüler kam im Laufe des Schuljahres hinzu – sieht Lydia Schäfer derzeit in vier Leistungsgruppen, die zeitweise und nach Möglichkeit auch differenziert unterrichtet werden.

Die meiste Zeit in der Schule verbringen die Willkommenskinder dennoch in ihrer Jahrgangsklasse, wobei sie grundsätzlich eine Klasse besuchen, die ein Jahr unter ihrem tatsächlichen Alter liegt. „Damit bleiben den Kindern aus Flüchtlingsfamilien fünf Grundschuljahre Zeit, bis zum Wechsel auf eine weiterführende Schule unsere Sprache gründlich zu erwerben“, sagt Susanne Bortot.

Die Zeit in der Regelklasse, so weiß die Schulleiterin, ist für die Sprachförderung ebenso wichtig wie der intensive Unterricht in der Willkommensklasse. „Es geht dort zunächst ums Hören und Aufnehmen, erst später dann ums Anwenden und eine Beteiligung am Unterricht“, so Bortot. Und gewinnbringend, so ergänzt Lydia Schäfer, seien ein hoher sprachlicher Input und die Vernetzung des Deutschsprechens und -hörens in der Jahrgangs- und in der Förderklasse sowie in der OGS, auf dem Schulhof und im Alltag.

Neben der Sprachförderung liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Alphabetisierung der Flüchtlingskinder, das heißt Lesen- und Schreibenlernen stehen ebenfalls auf der Tagesordnung. Die Anschaffungen der dafür notwendigen Materialien unterstützten der Förderverein der GGS Roetgen und der Schulträger.

Individuelle Förderung

Eine individuelle Förderung im mathematischen Bereich erfolgt dann wieder im Klassenverband. Auch alle weiteren Fächer wie Sport, Schwimmen, Musik, Kunst oder Sachunterricht werden in der Jahrgangsgruppe integriert unterrichtet, erläutert Susanne Bortot. Und nach Unterrichtsschluss besuchen die Kinder das Ganztag-Betreuungsangebot.

„Hier wird zusammen gegessen und gespielt, und im Rahmen der schulischen Lernförderung werden die Hausaufgaben erledigt und wird das Lesen zusammen mit anderen Betreuungskindern geübt“, berichtet die Schulleiterin.

Selbstwertgefühl wächst

Susanne Bortot und ihr Kollegium haben über den reinen Lernerfolg hinaus positive Nebeneffekte des Projekts beobachtet: „Die Kinder lernen noch viel mehr: Ihre Sozialkompetenz, ihr Selbstwertgefühl und ihre Selbstständigkeit wachsen von Tag zu Tag. Sie bewegen sich selbstständig im Haus und suchen verschiedene Lernräume auf, sie lernen den Umgang mit Schere und Kleber, sie singen und spielen mit den anderen Kindern. Die meisten gehen schon mutiger auf andere Kinder und die Lehrerinnen zu, sie teilen sich in der neuen Sprache mit und finden in der Schülerschaft Anerkennung und Akzeptanz“, zählt die Schulleiterin auf.

Für Schulleiterin Susanne Bortot ist es daher wünschenswert, dass das zunächst bis Schuljahresende befristete Projekt auch nach den Sommerferien fortgesetzt wird, denn: „Integration ist für uns als Schule Zielsetzung und Selbstverständlichkeit zugleich. Sie bedingt eine gegenseitige Wertschätzung, einen guten Umgang miteinander, gegenseitige Offenheit und manchmal auch ein bisschen Geduld.“

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