Grüner Strom aus dem Gewerbegebiet Rollesbroich

Von: P. St.
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Wenig spektakulär, aber „intelligent“: Die neue 80.000 Euro teure Ortsnetzstation im Gewerbegebiet Rollesbroich kann Spannungsschwankungen bei der Stromeinspeisung ausgleichen. Vertreter von Stawag und Gemeinde Simmerath stellten die neue Anlage am Simmerather Recyclingcenter vor. Foto: P. Stollenwerk
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Auf dem Dächern der Betriebsgebäude der Simmerather Recycling GmbH im Gewerbegebiet Rollesbroich wird fleißig Strom produziert. Die Photovoltaikanlage wurde jetzt um das Doppelte erweitert. Foto: Simmerather Recycling GmbH

Rollesbroich. Im Gewerbe- und Industriegebiet Rollesbroich wird eine Reihe von innovativen Produkten hergestellt. Seit 1989 haben sich hier über 35 Betriebe auf einer Fläche von 48 Hektar angesiedelt, wovon 22 Hektar bebaut sind. Seit jüngster Zeit wird nun auch in steigendem Umfang grüner Strom produziert. Das Recycling-Center im Gewerbegebiet setzt seine Firmenidee jetzt gleich in mehrfachen Sinne um.

Auf dem Gelände an der Völlesbruchstraße werden nicht nur 83 verschiedene Abfallarten recycelt, auch das Sonnenlicht wird wiederverwertet und als grüner Strom in Umlauf gebracht.

Ende 2014 entwickelte Stephan Braun, Geschäftsführer der Simmerather Recycling GmbH, die Idee, die bereits bestehende Photovoltaikanlage (PV) auf den Dächern seiner Betriebsgebäude zu erweitern, um seine bisherige Stromproduktion zu verdoppeln.

„Eigentlich war die Anlage in dieser Größe gar nicht geplant, aber das Projekt hat sich immer mehr entwickelt“, berichtet Braun, dessen neue PV-Anlage jetzt eine Leistung von 122 Kilowatt produziert – immerhin eine Strommenge, die ausreicht, um circa 50 Wohnhäuser mit Energie zu versorgen. In Zukunft soll die PV-Anlage noch erweitert werden.

Schwankungen werden geregelt

Die Ausdehnung der Anlage führte aber auch dazu, dass die Einspeisung des Stroms ins Netz technisch auf stabilere Füße gestellt werden musste. Im Gespräch mit der Stawag, die seit Beginn des Jahres 2015 neuer Stromlieferant für die Gemeinde Simmerath ist, stellte sich nämlich heraus, dass mit der vorhandenen Technik die Einspeisung nicht mehr funktioniert.

Also wurde jetzt die erste regelbare Ortsnetzstation in Simmerath in Betrieb genommen. Sie liegt nur gut 200 Meter vom Standort der neuen PV-Anlage entfernt. Im Gegensatz zu konventionellen Netzstationen ist die neue Anlage in der Lage, Spannungsschwankungen von bis zu zehn Prozent auszugleichen und einen sicheren Betrieb auch bei massiv verstärkter Einspeisung sicherzustellen. Und an Spannungsschwankungen fehlte es in den zurückliegenden extrem heißen Sommertagen nun wirklich nicht.

Mit dem bisherigen Ergebnis der Anlage ist die Stawag hochzufrieden, die in ihrem gesamten Versorgungsbereich acht regelbare Ortsnetzstationen in Betrieb hat. „Wir freuen uns, in Simmerath einen weiteren Standort für unseren Feldtest gefunden zu haben“, erklärte Dr. Peter Asmuth, Vorstand der Stawag, jetzt bei der Präsentation der neuen Station. Gemeinsamen mit zwölf weiteren Partnern strebe man an, im Rahmen des Forschungsprojektes „Smart Area Aachen“ ein intelligentes Stromnetz für Aachen und die Eifel zu testen.

Die Solarenergie, wie die erneuerbaren Energien überhaupt, werde sich noch stark nach vorne entwickeln, ist Asmuth überzeugt, der nicht ohne Stolz darauf verwies, dass es die Stawag gewesen sei, die vor 23 Jahren die erste Photovoltaikanlage in Deutschland errichtet habe. In diesem Jahr liege man wegen des hohen Sonnenanteils bereits weit über der Prognose.

Derzeit werden in Deutschland rund 30 Prozent des Stroms über alternative Energiegewinnung erzeugt, im Versorgungsbereich der Stawag beträgt dieser Anteil bereits 50 Prozent. Insgesamt bezieht die Stawag in ihrem Bereich Strom aus circa 2000 Photovoltaikanlagen. Dies sei auch ein Beweis dafür, „dass die Energiewende dezentral abläuft“, so Asmuth.

Energiewende auch in Simmerath

In der Gemeinde Simmerath sei die Energiewende längst angekommen, wie Roger Nießen, Beigeordneter der Gemeinde Simmerath, beim Ortstermin im Gewerbegebiet hervorhob. Bereits heute würden über 70 Prozent des Strombedarfs der Gemeinde Simmerath durch regenerative Energien gedeckt. Neben Windkraft und Solarenergie spielt auch die Nutzung von Biogas und Biomasse eine wichtige Rolle. Nießen: „Auch wir wollen Teil der Energiewende sein.“ Die neu in Betrieb genommene Anlage im Gewerbegebiet Rollesbroich unterstreiche, „wie zukunftsorientiert die Eifel ist“.

Stephan Braun will auch in Zukunft weiter auf grünen Strom setzen, und einen „Beitrag zur lokalen Stromerzeugung“ leisten. Dafür sei das Gewerbegebiet Rollesbroich genau der richtige Platz. Neben der Erweiterung der PV-Anlage hat er auch einen Bauantrag für die Errichtung eines 120 hohen Windrades an seinem Betriebsgelände eingereicht.

Der Antrag befindet sich derzeit in der Prüfung. Auch wenn es einige Widerstände gibt, ist Braun davon überzeugt, dass die beantragte Anlage im Gewerbegebiet genehmigungsfähig ist und keine optischen oder akustischen Belästigungen für das Umfeld zu erwarten seien.

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