Grüne wollen die Vennbahn wieder auf die Schiene setzen

Von: Jan Mönch
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Aachen/Nordeifel. Thomas Griese sieht die Reaktivierung der Vennbahnlinie naturgemäß nicht nur aus Aachener Sicht. „Die ganze Städteregion würde sich näher kommen”, so der Kandidat der Grünen für das Amt des Städteregionsrats. „Außerdem würden offene Bezüge zu den Nachbarn in Belgien hergestellt.”

Das Thema ist höchst komplex - daher luden die Grünen und Ecolo (die grüne Partei Belgiens) jetzt zur Diskussion ein; passenderweise in das ehemalige, heute gastronomisch genutzte Bahnhofsgebäude in Aachen-Brand.

Griese geht das Thema mit viel Optimismus an: „Zu der Zeit, als ich nach Aachen gezogen bin, hätte doch auch keiner gedacht, dass wir hier mal eine funktionierende Euregiobahn haben würden.” Den Optimismus braucht man wohl angesichts der vielfältigen Interessen, Bedenken und Möglichkeiten, die mit einer Reaktivierung des Aachen-Rothe Erde, Stolberg, Raeren und Eupen erreichenden Netzes einhergehen.

Das fängt bei der Binationalität der Vennbahn an. „Wir haben den Eindruck, dass aneinander vorbei gearbeitet wird. Die Zusammenarbeit muss intensiver werden”, bekunden die grüne Bundestagsabgeordnete Bettina Herlitzius und Monika Dethier-Neumann von Ecolo einhellig. Und meinen damit auch die zweigeteilte Zuständigkeit, die die Euregio Verkehrsschienennetz GmbH auf deutscher und Infrabel auf belgischer Seite sich teilen.

Absprachen sind auch bezüglich des Radwanderweges nötig, für den die Trasse genutzt werden soll. „Eine bestechende Idee, die wir immer unterstützt haben”, kommentiert Bettina Herlitzius die geplante Route von Luxemburg nach Aachen. Weil die Trasse Ende des 19. Jahrhunderts für den zweigleisigen Zugverkehr gebaut wurde, sieht die Tourismussprecherin dies grundsätzlich nicht als Problem an. Radweg und Bahnlinie könnten parallel verlaufen.

Eine sensible Frage ist schließlich die der Nutzung. Denn rein touristisch ging dies in den Neunzigern bereits schief und zog einen weiteren Rückbau der Gleise nach sich. Der Düsseldorfer Verkehrsplaner Alexander Kirfel, einer der Referenten, macht dafür rückblickend mangelhafte Umsetzung verantwortlich. Zu groß und zu teuer sei der Fahrzeugpark gewesen, mangelhaft saniert indes die Strecke.

Bei „1,5 bis 2 Millionen Tagestouristen per anno allein in Monschau” ließe sich dies besser machen. Und zwar auf der Strecke Aachen-Walheim-Raeren-Monschau, wo die Schienen allerdings zu weiten Teilen bereits abgebaut sind. Potenzial für den Güter- und regulären Personenverkehr sieht Kirfel aber auf der Route Stolberg-Walheim-Raeren-Eupen - hier liegen die Geleise noch, es wären „nur” Sanierungen notwendig.

Als Attraktion für sich wollen derweil die „Eisenbahnfreunde Grenzland” die Vennbahn etablieren. Mit Nostalgiefahrten und einem Eisenbahnmuseum im ehemaligen Bahnhof von Walheim. Ungeachtet aller Ungewissheiten hält der Verein Anpacken für das beste Rezept - und hat bereits weite Teile der Strecke von Wildwuchs und Unrat befreit.
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