Grüne Trikots und jede Menge Vorfreude auf die EM

Von: Isabelle Hennes
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Ob beim „Rudelgucken” (oben)
Auch im Geschäft Intersport ist die Vorfreude auf die Europameisterschaft zu spüren. Foto: Isabelle Hennes

Nordeifel. Noch zwei Mal schlafen und dann gehts endlich los mit der Fußball-Europameisterschaft. Während Poldi, Schweini & Co. im Trainingslager schwitzen, wird in Deutschland alles für die Europameisterschaft vorbereitet. Auch in der Nordeifel fiebern die Menschen dem Großereignis entgegen.

In vielen Orten gibt es Public Viewing, sowohl öffentlich als auch privat organisiert. Das bei vergangenen Turnieren schon oft betriebene „Rudelgucken” soll nun auch wieder die Menschen zusammenführen. „Das reißt einfach mit”, sagt Sonja Larscheid von der Gemeinde Simmerath. Sie erinnert sich noch an die Weltmeisterschaft vor zwei Jahren.

Fremde Menschen lagen sich damals lachend oder weinend in den Armen. So soll es auch jetzt wieder sein. Auf dem Dorfplatz am Simmerather Rathaus wird eine Großleinwand aufgebaut. Für rund 1500 Fußballfans ist dort Platz. Nicht nur deutsche, sondern auch andere Nationalitäten sind willkommen.

Playstation-Wettbewerb

„Das ist ja gerade das Schöne daran”, sagt Sonja Larscheid, „solch ein Ereignis verbindet die Fans, ganz gleich, welcher Mannschaft sie die Daumen drücken.” Der Eintritt ist frei; die Veranstaltung finanziert sich durch Sponsoren und den Verkauf von Getränken. Vor den Spielen findet um 19 Uhr ein Playstation-Wettbewerb auf der Leinwand statt. „Es wäre toll, wenn das angenommen wird”, sagt Veranstalter Jürgen Johnen. Bereits 2010 war er Organisator des Public Viewings in Simmerath. „Ich freue mich auf spannende Spiele und nette Abende”, sagt er.

Ein ganz besonderes Public Viewing wird es im Simmerather St. Brigida-Krankenhaus geben. Hier ist das jährliche Sommerfest der Mitarbeiter zum Rudelgucken deklariert worden. Im Garten des Krankenhauses stehen am kommenden Mittwoch bei der Begegnung Deutschland gegen die Niederlande ein 200 Quadratmeter großes Zelt, eine Zwölf-Quadratmeter-Leinwand und ein großer Grill. „250 Gäste werden erwartet, 140 davon sind Mitarbeiter”, sagt Benjamin Mahlo vom Krankenhaus Simmerath.

Warum ausgerechnet das Spiel gegen die Niederlande ausgesucht wurde? „Aufgrund der Grenznähe”, sagt Mahlo, das macht dieses Spiel immer noch etwas attraktiver als die Spiele gegen Dänemark oder Portugal. Außerdem zählt die Partie mittlerweile zu den Klassikern. Gut ausgerüstet für das Spiel sind die Mitarbeiter jedenfalls schon: Mit Schal, Fahne und Vuvuzela freuen sie sich auf das Ereignis. Nur die Frauen unter ihnen sehen das Fest eher skeptisch. Ob es ihnen gelingen wird, 90 Minuten lang Fußball zu gucken, ohne zu reden? Das wird sich zeigen.

Bei Intersport Plum in Roetgen hat Junior Thomas Plum ganz andere Sorgen. Das grüne Auswärtstrikot der Deutschen Nationalmannschaft ist in einigen Größen ausverkauft. Nun muss vielleicht noch nachbestellt werden. Und das so kurz vor Turnierbeginn, wo der Verkauf von Trikots erfahrungsgemäß bei den ersten Spielen noch mal anzieht. „Unsere Kunden sind sehr euphorisch”, sagt Plum, „die meisten sehen Deutschland schon im Finale.” Da kommt das grüne Trikot gerade recht.

Schon 1972 ist die deutsche Elf mit diesem Trikot Europameister geworden. Eine Erinnerung an glorreiche Zeiten also. Außerdem sind die grünen Trikots ein größerer Hingucker als der klassische Dress in Schwarz-Weiß. Der wiederum läuft bei den Kindern gut. „Allein vergangene Woche haben wir rund 20 davon verkauft”, berichtet Anja Krott, Intersport Simmerath. Und das bei einem stolzen Preis von knapp 80 Euro. An der Umkleidekabine bekommt Anja Krott das ein oder andere Gespräch mit.

„Die Leute freuen sich unheimlich auf das Turnier”, berichtet sie. Aber: Deutschland hat - im Vergleich zu den vergangenen Jahren - diesmal kein Losglück gehabt. Löws Truppe darf sich diesmal keine Anfangsfehler leisten, muss direkt hellwach beim ersten Spiel gegen Portugal am Samstag sein. Plum selbst teilt die Euphorie seiner Kunden nicht. „Ich warte lieber erstmal ab”, sagt er schmunzelnd.

Ganz ähnlich sieht das Julian Gier. Er ist Aushilfe beim Nassenhof in Mützenich. Er geht davon aus, dass für Deutschland im Viertelfinale Schluss ist. Sein Tipp: „Spanien wird Europameister.” Der Nassenhof wird bei der Europameisterschaft aus allen Nähten platzen: Auch hier wird es Public Viewing geben. Gier ist die Vorfreude darauf anzumerken. „Die Dekoration habe ich gemacht”, sagt er und zeigt auf die Fähnchen, Girlanden und Poster, die überall in dem Saal verteilt sind. Besonders stolz ist er auf die Leinwand, die Qualität in High Definition (HD) bietet.

Im Sommer Fußball in der Halle gucken - ist Open Air da nicht viel besser? „Nein”, sagt Gier, „wenn sich hier im Saal alle Mann an Mann drängt, dann ist das schon toll.” Außerdem ist es drinnen dunkler als draußen und dementsprechend besser ist das Bild zu erkennen. „Es gibt in der Eifel nichts Bwesseres, als sich die Spiele hier im Nassenhof anzugucken.”

Aber es gibt nicht überall positive Stimmung. Mitarbeiterin Bernadette Czyz kommt gebürtig aus Polen, lebt aber seit 23 Jahren in Deutschland. Sie ist nicht davon überzeugt, dass sich die Europameisterschaft nachhaltig positiv auf ihr Heimatland auswirkt. „Ich denke, dass danach viele ärmer sind als jetzt”, sagt sie. All das, was für die EM investiert worden ist, all die Stadien, die renoviert und auf den neuesten Stand gebracht worden sind: Nach dem Turnier werden sie nicht mehr gebraucht. Eine ähnliche Situation wie in Südafrika, nachdem die Weltmeisterschaft 2010 zu Ende ging.

Fähnchen an den Autos

Das wohl unverzichtbare Accessoire für die Europameisterschaft sind schwarz-rot-goldene Fähnchen an den Autos. Sie sind auf den Straßen der Eifel aber bisher nur vereinzelt zu sehen. Jens Holsiepe, Polizei Städteregion Aachen, rät jedem Autofahrer, die Fahnen unbedingt so zu befestigen, dass sie weder einen selbst noch andere Verkehrsteilnehmer beeinflussen. „Es darf beispielsweise keine Fahne über die gesamte Heckscheibe angebracht werden”, sagt er.

Und den, der sich beim Einzug ins Finale spontan einem Autokorso anschließen will, ermahnt er: „Autokorsos sind eigentlich verboten, weil schon oft Unfälle passiert sind. Sich mit der Fahne aus dem Auto zu hängen, ist ebenfalls nicht erlaubt.” Aber, was verboten ist und am Ende doch geduldet werden könnte, sind zwei unterschiedliche Fragen.
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