Großbaustelle in der evangelischen Kirche

Von: Heiner Schepp
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Da pellen sie sich von den Wänden, die Anstriche aus über 220 Jahren Baugeschichte der Evangelischen Kirche in Monschau. Während die Arbeiter das althergebrachte Lösungsmittel an Decken und Wänden wirken lassen, widmen sich die Zimmerleute der Ertüchtigung der Emporen-Statik. Fotos (7): Heiner Schepp Foto: Heiner Schepp

Monschau. Sie hat wahrlich schon Einiges gesehen und erlebt, die alt-ehrwürdige Evangelische Stadtkirche im Herzen der Monschauer Altstadt. So wie im Moment aber dürfte zumindest der Innenraum des Kirchendenkmals in über 220 Jahren noch nicht ausgesehen haben: 16 Tonnen Stahl füllen den Raum aus, wo sonst Kirchenbänke und Kanzel stehen, ein massives Gerüst mit unzähligen Steigen und Stangen reicht bis hoch unter die Decke. Statt festlicher Musik erfüllen Hämmern, Bohren und das Radio der Bauarbeiter das Gotteshaus.

Der Innenraum von Monschaus evangelischer Kirche erlebt derzeit die wohl aufwendigste und hoffentlich auch nachhaltigste Sanierung ihrer langen Historie. Was vor gut einem Jahr zunächst nur als Deckensanierung infolge herunterrieselnder Stuckornamente begonnen wurde, hat sich zu einer Rundum-Sanierung inklusive neuem Anstrich und Sicherung der Empore gemausert.

„Leider ist bei den – zu ihrer Zeit sicher gut gemeinten – Sanierungen im Laufe der Geschichte nicht immer alles optimal gelaufen. Mit den jetztigen Arbeiten machen wir uns auch an die Korrektur der Baufehler der Vergangenheit und möchten vor allem den Renovierungs-Intervall auf 50 bis 100 Jahre verkürzen“, erläutert Frank Liedtke, leitender Architekt der Maßnahme und Gemeindeglied der Evangelischen Kirchengemeinde Monschau.

Was die Arbeiten aufwendig, aber reizvoll macht ist das Bestreben, die im Louis-Seize-Stil erbaute Stadtkirche nach Fertigstellung so aussehen zu lassen wie zur Bauzeit im 18. Jahrhundert, insbesondere was Farbgebung und Ornamente angeht.

Dieses Bemühen ist indirekt auch der Grund dafür, dass es derzeit in der Kirche eher nach Schlachthof riecht denn nach Kalk oder Sägespänen: Zum Lösen der mehrfach übereinander aufgetragenen Wand- und Deckenfarbschichten bedienen sich die beauftragten Fachfirmen alter Handwerkskunst. Tierischer Knochenleim sorgt spätestens zwei bis drei Tage nach dem Auftragen dafür, dass fast alle Schichten sich ohne weiteres Zutun von den Wänden lösen und den ursprünglichen Anstrich oder das Mauerwerk freigeben. „Nach der gründlichen Reinigung und teilweise Restauration wird dann mehrfach ein Kalkanstrich aufgetragen und dem Kirchenraum die ursprüngliche Farbgebung zurückgegeben“, erläutert Frank Liedtke.

Nicht nur die Farbfassung von Wänden, Decke und Stuck, sondern auch das komplett neu einzusetzende Fensterglas wird dem Zustand von 1789 wieder sehr nahe kommen, ist Liedtke überzeugt und nennt weitere Arbeiten, die teils parallel erledigt werden. So wird eine Heizungsanlage installiert, die den Anforderungen als Gottesdienst- und Veranstaltungsraum sowie den extremen mikroklimatischen Bedingungen des Standortes gerecht werden wird. Die Emporen von 1810 müssen dringend statisch gesichert werden. Die Orgel wurde dazu teilweise ausgebaut und wird derzeit generalüberholt. Die Gesamtinvestitionen werden sich am Ende der Instandsetzungsarbeiten auf rund 1,7 Millionen Euro belaufen.

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