Grippewelle nicht in Sicht: Worauf Risikogruppen achten sollten

Von: Nadine Preller
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An apple a day keeps the docto
An apple a day keeps the doctor away: Apotheker Ulrich Glasneck weiß einfache Hausmittel zu schätzen. Sein Tipp gegen Erkältung: Nebst Wadenwickel und Salzlösung Obst essen und viel Tee trinken. Foto: Nadine Preller

Nordeifel. Was die Wetter-Prognose des Hundertjährigen Kalenders betrifft, wird es die kommenden Tage kalt, feucht, verregnet, verschneit. Nun ja, für solch eine Aussage muss man wahrlich kein großer Prophet sein.

Was das Thema Grippewelle betrifft, aber schon. Denn die bleibt bis dato unerwarteterweise aus, nur wenige ernsthafte Fälle melden die örtlichen Arztpraxen. Woran es liegt, und ob die Grippewelle überhaupt kommt, darüber können Eifeler Apotheker und Mediziner nur mutmaßen.

Schniefen und Niesen

Bernhard Jung, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Simmerath, hat derzeit nicht mit der ganz großen Patientenwelle im Wartezimmer zu kämpfen. Leises Schniefen, Röcheln und Niesen, das vernimmt der Doktor schon in den Fluren seiner Praxis. „Natürlich bleiben die grippalen Infekte auch diesen Winter nicht aus, die Patienten fühlen sich matt, erschöpft, klagen über Kopf- und Gliederschmerzen”, sagt Jung.

Diese „unangenehmen, gleichzeitig aber auch ungefährlichen” Beschwerden seien jedoch keineswegs zu verwechseln mit der echten Grippe (Influenza), die sich vor allen Dingen durch erhöhtes Fieber bemerkbar mache. Jung: „Kinder, ältere Menschen und solche mit einer Lungenerkrankung zählen zur Risikogruppe.” Gehe das Fieber bei den Kleinen Richtung 40 Grad Celsius, bei Erwachsenen schon gen 39 Grad Celsius, dann hieße es „schnell zum Arzt”. Schüttelfrost und starke Schweißausbrüche seien ebenfalls sichere Anzeichen für die Influenza.

Was hingegen den üblichen grippalen Infekt betrifft, hat Jung ein paar Tipps auf Lager, sich auch mit gängigen Hausmittelchen eine Linderung der Beschwerden zu verschaffen. „Bei Hitze helfen Wadenwickel. Und Umschläge, getränkt in Zwiebelsud, wirken schleimlösend.”

Tief in Omas Trickkiste greift auch Paul Ohlig, Allgemeinmediziner aus Monschau. Kopfdampfbäder - eine Mischung aus warmen Wasser und zwei Esslöffel Salz - wirken auf Rat des Doktors ebenfalls schleimlösend. Und dass der aus dem Körper kommt, hat oberste Priorität, wirke er doch „als idealer Nährboden” für die unliebsamen Viren. Auch wenig beliebt, dafür äußerst effektvoll seien hingegen die sogenannten Schmalzpflaster. „Ein Leinentuch, beschmiert mit Schweineschmalz und etwas Muskatnuss, wirkt auf der Brust wahre Wunder”, verspricht der Arzt und lacht: „Das ist aber eine richtige Schweinerei.”

Ein kleine Prophezeiung in puncto Grippewelle wagt Ohlig nun doch, wenn er sich die kommenden Wochen anschaut. Karneval sei eine Hochzeit, zu der sich die Welle erfahrungsgemäß auftürme. Dem pflichtet auch Andreas Hündgen, Apotheker aus Simmerath bei. „Das ist ein klassisches Datum. Und dieses Jahr liegen die Karnevalstage wieder sehr früh, da ist es noch richtig kalt und nass draußen.”

Nässe und Kälte bekommen seine Kunden auch jetzt schon zu spüren. „Verstärkt klagen sie in diesem Jahr über Halsschmerzen, Entzündungen des Rachenbereichs und des Kehlkopfes”, sagt der Apotheker. „Das ist eher ungewöhnlich, stehen sonst Kopfschmerzen und Schnupfen hoch im Kurs.” Doch auch in Hündgens Apotheke bleibt der große Grippewelle-Ansturm bislang aus. „Engpässe, wie im Jahr 2010 bei den hustenstillenden Mitteln, erwarte ich nicht”, sagt er.

Dem kann Ulrich Glasneck nur zustimmen. Der Monschauer Apotheker erinnert noch Zeiten, in denen Erkältungswellen einen wahren Medikamente-Notstand zur Folge hatten. Dann kam der wahre Apotheker in Glasneck zum Vorschein, bis spät in die Nacht produzierte er mit seinen Mitarbeitern Medikamente, um der Bevölkerung die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. „Das ist ein wahrer Knochenjob, beispielsweise schnell mal hundert Paracetamoltabletten zu produzieren”, sagt Glasneck.

Was die echte Grippe betrifft, so wartet er allerdings seit Jahren auf eine „wahre Welle” - wenn man überhaupt „warten” sagen darf. „Normalerweise tritt die Welle im Abstand von sieben Jahren auf”, erklärt der Apotheker. „Die letzte große Grippewelle war aber schon vor zehn Jahren.”

Auch wenn Medien etwas anderes meldeten: Der Knackpunkt liege bei Glasneck in der unklaren Begriffsvermischung von einer schweren Erkältung, die landläufig als Grippe bezeichnet werde, und der echten Grippe.

Natürlich, ernsthafte Grippe-Erkrankungen gebe nach wie vor. Und die Folgen einer Berührung mit dem Influenza-Virus seien keinesfalls zu unterschätzen, könnten sogar noch bis zu sechs Monaten nachwirken. Von einer Welle sprechen möchte Glasneck trotzdem nicht.

Aber woran kann es liegen, dass die womöglich auch in diesem Winter ausbleibt? Glasneck sieht einen Grund in der verbesserten Vorsorge. „Durch die Grippeschutzimpfungen verbreitet sich das Virus nicht mehr so stark”, sagt er. Und was die Varianten des Virus angeht, das durch Mutationen turnusmäßig neue Formen annimmt, vermutet Glasneck für diesen Winter, dass eine neue Form vielleicht nicht mit den eher milderen Temperaturen klarkommen würde und sich daher schlechter verbreite. Auch er kann nur Vermutungen anstellen, ebenso wie seine Kollegen.

Erwartet man sichere Auskünfte, bleibt vielleicht doch nur der Blick in den Hundertjährigen Kalender. Denn kalt und nass wird es die kommenden Tage sicherlich. Da helfen schon ein dicker Schal und die wasserdichten Stiefel. Und wer weiß, womöglich bleibt die große Welle tatsächlich aus.

Aus Omas Trickkiste: Tipps gegen Erkältung

Kräutertees haben eine fiebersenkende Wirkung, die durch die Aufnahme von Flüssigkeit unterstützt wird. Neben Holunder-, Lindenblüten- und Kamillen- sind Kräutertees mit Efeu und Primel zu empfehlen.

Wickel sind ein beliebtes Hausmittel. Bei Hitze helfen kalte Umschläge. Friert der Betroffene, sind Wickel mit gekochten Pellkartoffeln geeignet. Diese speichern Wärme länger als eine Wärmflasche.

Bei Halsbeschwerden direkt mit Salzwasser gurgeln. Das säubert die Schleimhaut und wirkt durch die hohe Salzkonzentration antibakteriell. Das Ganze fünf bis sechsmal am Tag durchführen. Gurgeln mit Salbei- und Kamillentee hat eine schmerzlindernde Wirkung.

Durch ständiges Husten und Niesen verliert der Körper Flüssigkeit. Um die Schleimhäute feucht zu halten, sind zwei bis drei Liter Wasser, Fruchtsaftschorlen, Früchte- oder Kräutertee pro Tag nötig.

Heiße Hühnersuppe ist ein bewährtes Mittel. Sie hilft nicht nur gegen kalte Füße, sondern enthält auch entzündungshemmendes Eiweiß. Darüber hinaus ist eine ausgewogene, vitaminreiche Kost wichtig.

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