Grillen mit den Vermissten

Von: Mira Kleine
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Die Großübung am Rursee ist
Die Großübung am Rursee ist geglückt: Mit vereinten Kräften konnte die DLRG Düren die beiden Jugendlichen, die die vermissten Nachtangler simulierten, sicher Foto: Mira Kleine

Woffelsbach. Vorneweg: Keine Panik, es ist alles bloß gestellt. Zum Glück geht es nur um eine Übung: „Zwei Jugendliche sind irgendwo am Rursee verschwunden. Sie sind vom Nachtangeln nicht zurückgekehrt. Alkohol soll auch im Spiel sein. Einer der beiden Jungs hat vermutlich einen epileptischen Anfall erlitten.”

So lautet der Alarmruf der Rettungsleitstelle der Städteregion Aachen für die Großübung am vergangenen Samstag am Rursee.

Sander Lutterbach, Geschäftsführer des Orts- und Verkehrsvereins Rurberg und Woffelsbach e.V., hat einen Plan mit genauen Koordinatenlinien von der rund acht Quadtratkilometer großen Rurseefläche. Seine Aufgabe ist die Steuerung der Suchaktion, die Einsatzboote müssen nun strukturiert den See abfahren und die Vermissten finden.

Lutterbach übernimmt neben Peter Boeck und Martin Pieren von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) des Bezirks Aachen die Übungsleitung für den Einsatz. „Das Besondere an der Übung ist, dass hier mehrere Einheiten zusammen arbeiten müssen”, erklärt Lutterbach. Auch im Ernstfall sind das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das Technische Hilfswerk (THW) sowie Polizei und Feuerwehr in Notrufe am See involviert.

Bei einem Wettlauf gegen die Zeit ist eine genaue Absprache sowie sicheres Vorgehen entscheidend. „Wir setzen für diese Übung vier Boote ein”, so Lutterbach. „Eins aus Heimbach, zwei vom DLRG Bezirk Aachen und ein Boot der Feuerwehr Simmerath mit der Einheit Rurberg.” Knapp 40 Sucher sind im Einsatz.

Es ist kurz vor drei Uhr, jetzt wird es ernst. „Habt ihr eure Westen schon richtig eingestellt?”, fragt Steuermann Gerd Debye vom DLRG Würselen die Einsatzleitung an Bord. „Dann kann es ja losgehen.” Langsam lenkt er „die Oma” auf den ruhigen See. Die Oma? „Ja, so heißt das kleine Boot unter den DLRG-lern, weil es mittlerweile schon so alt und langsam ist,” erklärt Lutterbach lachend. Der richtige Name des Bootes ist „Seeadler”. Angefunkt wird es aber unter „Adler” mit der Nummer „7-88-1”. Die erste Ziffer „7” steht dabei für die Herkunft des Bootes, im Fall der „Oma” für Simmerath.

Die Kommunikation per Funk zu allen Einsatztruppen muss reibungslos funktionieren. Trotz ihres hohen Alters würde die „Oma” auch im Ernstfall eingesetzt werden, weil sie besonders bei mehreren Notfallopfern viel Platz auf dem Boot bietet.

Noch sind die beiden „Vermissten”, Florian Hermsmeier (14) und Lukas Boeck (15), wohlauf an Bord, werden aber gleich an einem geheimen Ort am Ufer an Land gelassen. Die beiden Jugendlichen spielen heute die Gesuchten, die nächtlichen Ausreißer. „Wer von uns hat gleich den epileptischen Anfall?”, witzelt Florian. „Wir fahren jetzt zu einer Untiefe, damit es nicht zu einfach wird”, sagt Lutterbach. Die Stelle ist gefunden: Vorbei an Boje 5 und an der „Liebesinsel” auf Höhe von Boje 7 am so genannten Kermeterufer. Die beiden laufen den Hang hoch und warten auf ihre Retter. Sobald sie gefunden werden, stellt sich Florian schlafend. Ob die Sucher die beiden Schauspieler in Not dort finden können?

Systematische Suche am Ufer

In der nächsten halben Stunde steht die Leitstelle von der „Oma” im ständigen Kontakt zu den Suchbooten, die systematisch am Ufer entlang fahren und Ausschau halten. Eins steuert in die „richtige” Bucht. Kurze Zeit später erleichterndes Aufatmen: „Die Vermissten sind gefunden” heißt es aus dem Funkgerät, das unter den Kollegen auch gerne mal „Handquetsche” genannt wird. Der Fußtrupp der DLRG Düren hat die beiden Jungen entdeckt. Jetzt werden sie am Ufer versorgt, Florian wird sicher auf einer Bahre auf das Rettungsboot befördert.

Bei jeder Übung gewinnt das Team an Routine und Sicherheit. Aber auch an Erkenntnissen, die in einer Ernstsituation von großer Bedeutung sein können.

So steht zum Beispiel das Wasser in dem verwinkelten Rursee momentan sehr tief. „Das hat Auswirkungen auf den Empfang der Funkgeräte, wenn dazwischen eine höhere Uferbucht liegt”, weiß Peter Boeck, Funkbeauftragter der DRLG.

Sie machen die Übung einmal im Jahr, damit auch neue Kräfte, die auf allen Einheiten hinzukommen, im Detail eingewiesen sind. „Ich bin sehr zufrieden mit allen Einsatzkräften”, lobt Lutterbach und freut sich schon auf das gemeinsame Grillen, wenn sowohl alle Sucher als auch die beiden Vermissten sicher an Land zurück sind. Und die beiden Ex-Opfer dürfen natürlich mitgrillen.
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