Grenzlandhallen: Trägerverein soll Jugendheim retten

Von: ag
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Die Grenzlandhallen bieten Platz für die Aktivitäten vieler Vereine: „Wir werden etwas Raum abgeben müssen, aber hier ist so viel Platz, das ist kein Problem“, sagt Frank Stockhausen, der sich seit 25 Jahren bei der Grenzlandjugend Roetgen engagiert. Foto: A. Gabbert

Roetgen. Die Grenzlandjugend aus Roetgen will sich die Verantwortung für ihre Räume, die Grenzlandhallen, mit anderen Vereinen teilen. Deshalb soll jetzt ein Trägerverein gegründet werden.

Bereits seit dem Jahr 1994 hat die Grenzlandjugend Roetgen e.V. ihren Sitz in zwei ehemaligen Fabrikhallen in der Offermannstraße in Roetgen. Die Gebäude, die im Besitz der Städteregion Aachen sind, wurden damals nach langen Verhandlungen der Grenzlandjugend zur Nutzung überlassen, mit der Auflage, für deren Unterhaltung zu sorgen. Notwendig wurde der Umzug, weil die Kellerräume im Privathaus des Vereinsgründers Rektor Karl Loven für die zahlreichen Angebote viel zu klein geworden waren.

So stellte sich der Verein der riesigen Herausforderung, aus den zwei Fabrikhallen ein Jugendheim zu machen. Nach zwei Jahren Bauzeit mit über 6500 Stunden in Eigenleistung und erheblichem finanziellen Aufwand aus eigenen Mitteln wurde das Projekt erfolgreich umgesetzt. Endlich gab es genug Platz für die mehrmals wöchentlich stattfindenden Gruppenstunden, für die Kurse, die Filmvorführungen, die Fotoarbeiten, den Offenen Treff und die vielen anderen Angebote.

Die Nachfrage nach Freizeitangeboten – insbesondere bei den Jugendlichen – wurde in den letzten Jahren aber immer geringer. Trafen sich zu Spitzenzeiten bis zu 120 Jugendliche beim Offenen Treff zum Klönen, Musik hören und Billard spielen, konnte selbst eine groß angelegte Werbeaktion im letzten Jahr kaum noch einen Jugendlichen zum Besuch des Offenen Treffs veranlassen.

Als Konsequenz beschloss der Verein, auch den letzten Offenen Treff für Jugendliche in Roetgen zu schließen (die Treffs der evangelischen und katholischen Pfarren wurden schon viel früher geschlossen).

Ähnlich entwickelten sich die regelmäßigen Gruppenstunden. Früher gab es drei bis vier Gruppen in verschiedenen Altersstufen, die sich wöchentlich zu den unterschiedlichsten Aktivitäten trafen. Selbst Einzelaktionen für Jugendliche finden kaum noch Anklang.

„Für Jugendliche kann man inzwischen anbieten, was man will, es wird nichts mehr angenommen. Vielleicht erreichen wir die Jugendlichen aber auch nicht mehr“, sagt Frank Stockhausen, der sich seit 25 Jahren bei der Grenzlandjugend engagiert. Bei Kindern im Grundschulalter sehe das zum Glück noch anders aus, fügt er hinzu.

Zum geringer werdenden Bedarf kommen noch weitere Faktoren, die ein neues Konzept für das Jugendheim notwendig machen. So hat die Grenzlandjugend, wie die meisten Vereine auch, seit längerem Schwierigkeiten Nachwuchs zu finden. Von den ehemals rund 150 Mitgliedern Ende der 1980er Jahre ist die Zahl inzwischen auf etwa 50 geschrumpft, von denen nur noch um die 15 aktiv das Vereinsleben gestalten.

Ob es an der hohen schulische Belastung oder anderen Gründen liege, lasse sich nur vermuten, die Erfahrung zeige jedoch, dass sich immer weniger Jugendliche ehrenamtlich engagieren wollen, sagt Stockhausen. „Und die wenigen, die vielleicht mit zwölf bis 14 Jahren anfangen, verliert man in der Regel wieder, wenn sie ihre schulische Ausbildung abgeschlossen haben und sie für Ausbildung oder Studium in eine andere Stadt ziehen. Aber gerade diese jungen Menschen braucht man, um nicht nur den Fortbestand des Vereins zu sichern, sondern auch um sinnvolle und interessante Freizeitangebote für die dann Jüngeren anbieten zu können.“

Hinzu kommt die sehr aufwendige Unterhaltung des Gebäudes, sowohl in zeitlicher wie auch in finanzieller Hinsicht. Hausmeistertätigkeiten, die Pflege der Außenanlage im Sommer und Verwaltungsaufgaben müssen fortlaufend erledigt werden.

„Wenn diese Aufgaben nicht auf viele Schultern verteilt werden können, ist schnell ein Einzelner überlastet und wirft das Handtuch. Außerdem geht die Zeit zur Unterhaltung der Gebäude von der Zeit ab, die man dem eigentlichen Vereinszweck widmen kann, nämlich ein sinnvolles Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche auf die Beine zu stellen“, erklärt Stockhausen

Neben dem zeitlichen Aspekt spielt der finanzielle auch eine große Rolle. Die Betriebskosten sind seit dem Einzug stetig gestiegen und liegen inzwischen im fünfstelligen Bereich. Seit wenigen Jahren unterstützt das Amt für Kinder-, Jugend- und Familienberatung der Städteregion Aachen die Grenzlandjugend mit einem pauschalen Betriebskostenzuschuss zur Unterhaltung des Jugendheims. Perspektivisch kann dieser Zuschuss aber nur gewährt werden, wenn auch Angebote im größeren Umfang im Jugendheim stattfinden.

Die zu geringe Auslastung und die zweifache Überlastung haben letztendlich dafür gesorgt, dass die Grenzlandjugend seit Ende 2015 nach einem neuen Konzept zur Erhaltung des Jugendheims sucht. Nachdem die zuständigen Ansprechpartner Angelika Kranz und Ralf Pauli vom Amt für Kinder-, Jugend- und Familienberatung über die Situation informiert wurden, kam die Idee auf, die übrigen Ortsvereine über das Ortskartell mit ins Boot zu holen.

Nach ersten Vorgesprächen wurden alle Ortsvereine angeschrieben und der Bedarf nach Räumlichkeiten abgefragt. Positive Rückmeldungen kamen vom Heimat- und Geschichtsverein Roetgen, den Roetgener Pfadfindern, dem Kinderchor Kimundi, dem Erwachsenen Chor SingPhonie und dem Jagdhornbläserkorps Hohes Venn. Es folgten zwei Treffen, an denen auch Bürgermeister Jorma Klauss sowie Angelika Kranz und Ralf Pauli teilnahmen. Dabei entstand die Idee einen Trägerverein zu gründen.

Es sehe gut aus für die Gründung eines Trägervereins, erklärte Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss auf Anfrage. Wichtig sei, dass das Vorhaben vom gesamten Ort getragen werde, Vorbild könne das Jugendhaus in Rott sein, sagte Klauss.

„Wir sind sehr interessiert daran, die Räume für die Jugendarbeit zu erhalten“, sagt Ralf Pauli vom Amt für Kinder, Jugend und Familienberatung der Städteregion. Er blicke optimistisch auf die Gründung eines Trägervereins. „Es muss einen Verantwortlichen geben, der das Administrative und die Organisation übernimmt. Dabei geht es zum Beispiel um die Erstellung eines Belegungsplans“, erläutert Pauli.

Auch er nennt das Jugendhaus in Rott als mögliches Vorbild. „Der Trägerverein würde im Prinzip die Arbeit rund um das Gebäude übernehmen, die bisher die Grenzlandjugend geleistet hat. Für einen Verein allein ist das inzwischen zu viel“, sagt Pauli. Durch die Umgestaltung der Grenzlandhallen in ein „offenes Haus für die Kinder- und Jugendarbeit“ erhofft er sich auch eine neue Belebung.

Für die Grenzlandjugend bedeutet die zukünftige gemeinsame Nutzung der Räumlichkeiten natürlich die größte Umstellung. „Wir werden etwas Raum abgeben müssen, aber hier ist so viel Platz, das ist kein Problem“, sagt Frank Stockhausen. Außerdem müsse man zukünftig die Nutzung der Räume und Zeiten mit anderen absprechen, was allerdings nicht so neu ist, schließlich fanden auch früher schon externe Veranstaltungen in den Räumlichkeiten statt, nur halt nicht in dem Ausmaß wie zukünftig.

Vor den ersten Gesprächen wurden die Mitglieder der Grenzlandjugend nach ihrer Meinung zu den Plänen gefragt. Der einheitliche Tenor, war, dass sich alle wünschen, dass das Potential des Jugendheims zukünftig intensiver genutzt werden sollte.

Auf rund 300 Quadratmetern bieten die Grenzlandhallen einen Saal mit Spiel- und Thekenbereich, eine kleine Küche, zwei Büros, einen sogenannten Chillraum als Rückzugsmöglichkeit, einen Bastelraum, einen Besprechungsraum, Lager- und Abstellräume, einen Medienraum und eine Werkstatt. Hinter den Gebäuden steht eine etwa 800 Quadratmeter große Wiese für Spiele im Freien zur Verfügung.

„Wenn wir uns nicht mehr im derzeitigen Umfang um die Unterhaltung der Räumlichkeiten kümmern müssen, können wir wieder mehr Zeit in die Gestaltung von Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche investieren,“ sagt Stockhausen.

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