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Glossiert: Wenn die falsche Neun nur mit der doppelten Sechs funktioniert

Ein Kommentar von Kurt Kaiser

Nach vier Wochen Fußball pur endet am Wochenende die Weltmeisterschaft in Brasilien. Vorbei sind dann die langen Fußballabende, an denen die Moderatoren von ARD und des ZDF allabendlich Fußballtaktik auf aller höchstem Niveau in die Wohnzimmer der Deutschen brachten.

Spätestens nach den beiden Finalspielen in Brasilen weiß jeder auch nur halbwegs interessierte Zuschauer was Pressing und Forechecking ist und wie eine Dreier-, Vierer- oder Fünferkette wirklich funktioniert. Probates taktisches Mittel der meisten Nationalteams ist die Viererkette, die entweder flach oder hoch steht und sich entsprechend verschieben soll, davor sind meistens ein Sechser oder auch ein Doppelsechser positioniert.

Die ganz defensiv eingestellten Teams spielten mit zwei Viererketten. Nach den Taktikabenden mit den TV-Experten Mehmet Scholl und Oliver Kahn weiß auch in der Nordeifel jetzt beinah jeder wie ein 4-4-2, ein 4-3-2-1, ein 3-5-2 oder ein 4-3-3-System funktioniert. Den falschen Neuner hatte die moderne Fußballtaktik schon vor der WM erfunden. Nach dem Auftritt von Deutschlands Torwart Manuel Neuer im Spiel gegen Algerien kreierte die Fußballfachwelt nun auch noch den falschen Fünfer. Vor einigen Jahren gehörte die Nummer fünf noch dem Libero, aber den gibt es im Zeitalter der Ketten schon lange nicht mehr. Aufgefressen von den Ketten wurden auch die Zehner, gerade auf die Spielmacher waren wir in Deutschland zu Zeiten eines Günter Netzer oder Wolfgang Overath besonders stolz.

Schon Jahrzehnte sind die Zeiten vorbei, als Fußball noch mit zwei Verteidigern, einer Läuferreihe und fünf Stürmern gespielt wurde und alle Trainer stolz waren, wenn sie ihren Mannschaften das WM-System beigebracht hatten. Aus dem damaligen Mittelstürmer wurde mittlerweile eine Spitze, aus den sogenannten Halbstürmern wurden offensive Mittelfeldspieler und die rechten und linken Läufer heißen mittlerweile Sechser. In den Augen der Taktikfanatiker hat der Fußball sich wahnsinnig verändert und sie werden ihn auch noch weiter optimieren. Trotz aller taktischen Spielereien gilt aber immer noch, dass zu jeder Mannschaft zehn Feldspieler und ein Torwart gehören, und dass die Mannschaft gewinnt, die am Ende mindestens ein Tor mehr erzielt hat. Das gilt auch für das WM-Finale am Sonntagabend am Zuckerhut, das, so hoffen wir doch alle, Deutschland gewinnt – egal ob mit falscher oder echter Neun...

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