Gleich drei „Blitzen” an einer Kreuzung

Von: Daniel Gerhards
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Ausgebremst: In Rollesbroich fuhren viele Autofahrer zu schnell, daraufhin wurde die Geschwindigkeit kontrolliert. Mittlerweile kann man sogar Motorradfahrer auf den Bildern identifizieren. Foto: Daniel Gerhards

Simmerath. Dass in Rollesbroich die Geschwindigkeit kontrolliert wird, wissen ortskundige Autofahrer längst. Zwei „Blitzen” stehen dort seit einigen Jahren im Bereich der Kreuzung Dürener Straße/ Am Rossbach.

Autofahrer müssen also in beiden Richtungen runter vom Gas. Nun steht dort ein dritter „Starenkasten”. Und der blitzt von hinten. Damit will das Ordnungsamt der Städteregion nun auch Rasern auf zwei Rädern Einhalt gebieten.

Das dürfte auch die Anwohner freuen. Denn Motorradfahrer machten sich bisher nichts aus stationären Geschwindigkeitskontrollen. Sie fuhren einfach drüber - auch wenn sie zu schnell waren.

Schließlich sind ihre Nummernschilder nicht zu sehen, wenn sie von vorn fotografiert werden. Nun wird in Fahrtrichtung Lammersdorf auch von hinten geblitzt. Und damit zur Kasse gebeten.

Rollesbroichs Ortsvorsteher Marc Topp ist ein Befürworter der Geschwindigkeitsmessung. Als an der Kreuzung noch gar nicht kontrolliert wurde, fuhren Autos und Motorradfahrer fuhren so schnell, dass es schwierig gewesen sei, die Kreuzung überhaupt zu überqueren.

„Das Verhalten hat sich verbessert”, sagt Topp. Mittlerweile hätten sich die Berufspendler daran gewöhnt, dass die Geschwindigkeit gemessen wird. Deshalb fahren die meisten langsamer. „Am Anfang gab es eine regelrechtes Blitzlichtgewitter”, sagt er.

Nur bei den Zweiradfahrern haben die Blitzen bisher keine Einsicht bewirkt. „Die knallen einfach durch den Ort, weil die wissen, dass denen nichts passieren kann”, sagt Topp.

Zumindest bis jetzt. Topp hofft, dass nun auch die Zweiradfahrer ihr Verhalten ändern. 2011 war rund jeder fünfte, der in Rollesbroich in Fahrtrichtung Lammersdorf zu schnell war, auf zwei Rädern unterwegs.

Zu schnelles Fahren ist eine häufige Unfallursache. 2011 starben in der Region zwölf Verkehrsteilnehmer. Darunter waren zwei Motorradfahrer. Beide starben auf den Eifelstrecken.

Im laufenden Jahr gab es bereits 17 tödliche Verkehrsunfälle in der Städteregion. Darunter waren vier Motorradfahrer. 2011 stieg die Zahl der verunglückten Motorradfahrer in den Eifelkommunen auf 45 (Vorjahr 31).

Für die Anwohner ist nicht nur die Sicherheit entscheidend. Wenn sie im Sommer in ihren Gärten sitzen, können sie wegen der aufheulenden Motorradmotoren ihr eigenes Wort kaum verstehen. Gregor Stollenwerk wohnt seit 1972 an der Kreuzung.

„Damals war das hier ein Feldweg. Wenn ich gewusst hätte, dass hier so eine Straße hinkommt, hätte ich nicht hier gebaut”, sagt er. Die Blitzanlagen seienn eine echte Erleichterung. „Vorher kam man kaum aus der Einfahrt raus”, sagt Stollenwerk. Ob die neue Motorradblitze etwas bringt, will er abwarten.

„Mal sehen, wie es im Frühjahr sein wird. Sowas spricht sich ja schnell rum.” Aktuell beobachtet Stollenwerk, dass die Autofahrer oft wieder kräftig beschleunigen, nachdem sie langsam über die Messschleife der Überwachungsanlage gerollt sind. „Vielleicht sollte man mal einige Meter hinter der festen Blitze mit einer mobilen Anlage überwachen”, sagt er.

Michael Lenzen, 1. Vorsitzender des Bundesverbands der Motorradfahrer ist dafür auch Zweiradfahrer über „Blitzen” abzustrafen. „Jeder hat sich an die Verkehrsregeln zu halten. Wer sich nicht daran hält, muss bestraft werden”, sagt er. Allerdings findet auch er, dass mobile Kontrollen besser geeignet sind, um „schwarze Schafe aus dem Verkehr zu ziehen”.

Eine solche stationäre Anlage diene indes auch der Verkehrserziehung. Wo Aufklärung nicht mehr hilft, müssen Strafen her. Polizeisprecher Paul Kemen teilte mit, dass die Eifel „nach wie vor an schönen Tagen von vielen Motorradtouristen besucht” werde.

Ohne Kontrollen sei zu befürchten, „dass die Strecken dort von ewig Unbelehrbaren weiter als Rennstrecken benutzt werden”. Gemessene Geschwindigkeiten von 150 Stundenkilometer in 70er Zonen oder über 200 Stundenkilometer auf Strecken, auf denen Tempo 100 erlaubt ist, seien „keine Seltenheit”.

Auffällig sei, dass viele Motorradfahrer aus den Niederlanden in der Eifel besonders schnell unterwegs sind. Kemen sagt, dass sie teilweise sogar offen zugeben, sich in der Eifel austoben zu wollen, da sie in den Niederlanden höher Strafen befürchten müssen.
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