Glanz für Schuhe und die Schule

Von: Sarah Maria Berners
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Schuhe putzen für einen guten
Schuhe putzen für einen guten Zweck: Monschaus Bürgermeisterin Margerata Ritter (vorne rechts), Martin Krings und Rektorin Marion Wernerus machten auch beim Schuheputzen in Konzen eine gute Figur. Foto: R. Palm

Hürtgenwald. Eine weiterführende Schule für Kleinhau - das ist wohl der kleinste gemeinsame Nenner, den die Hürtgenwalder Schulen, Politik, Verwaltung und Eltern haben. Und es ist auch der einzige.

Beim Aktionstag mit Schulfest der Grundschule Imgenbroich-Konzen war die Schuhputzaktion nur ein Baustein der gemeinsamen Hilfe. Das Thema lautete Afrika. Konkrete Unterstützung soll der aus Konzen stammende Bruder Theo Call in Tansania erhalten, damit er weiterhin Kindern und Jugendlichen an der Blindenschule seiner Missionsstation in Kabanga helfen kann.

Die Grundschule Imgenbroich-Konzen ist partnerschaftlich mit der Blindenschule verbunden. „Alle Kinder, Imgenbroicher wie Konzener, arbeiten begeistert für ein Ziel: Sie möchten Kindern in Kabanga ermöglichen, was für sie selbstverständlich ist”, formuliert Rektorin Marion Wernerus. Und was die Kinder gemeinsam mit ihren Lehrern an Angeboten und Aktionen vorbereitet hatten und dann auf dem Schulfest präsentierten, war einfach toll und spannend.

Da wurden afrikanische Masken und Fußbälle gebastelt, Obstspieße und Cocktails angeboten, es gab einen Luftballon-Wettbewerb, Kinder lasen im „Eulennest” ihren Eltern und anderen Besuchern Geschichten vor, und die Kinder verkauften Marmelade, die sie selbst aus Papayas und Mangos gemacht hatten. Es gab Wurfspiele und Torwandschießen und allerlei Leckereien wurden in der Cafeteria angeboten.

Die Jungen und Mädchen des Schulchores hatten unter Leitung von Peter Persé das Fest eröffnet: „Jambo, habari” sangen die Kinder auf kisuahelisch, das ist die Sprache der Menschen in Kabanga und heißt so viel wie „Hallo, wie geht es dir?” Schirmherrin des Aktionstages war (wie im Vorjahr) Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter, die gerne gekommen war, um die Aktionen für den aus Konzen stammenden Missionsbruder Theo Call praktisch zu unterstützen. Sie sah im ersten Fest der zusammengeschlossenen Grundschule Imgenbroich-Konzen eine gute Gelegenheit, dass die bisher selbstständigen Schulen „immer mehr und immer besser zusammenwachsen”.

Ein paar hundert Kinder und Eltern standen im Saal des MuK dicht gedrängt, um zu sehen und zu erleben, was auf der Bühne so passierte. Marion Wernerus erzählte dann kurz, wie es zu der Patenschaft zwischen der Grundschule und der Schule auf der Missionsstation gekommen ist: Die Kinder waren sehr betroffen von dem was Martin Krings, Vorsitzender des Fördervereins Bruder Theo Call erzählt hatte: Viele Eltern in Kabanga können das Schulgeld von 12 Euro im Jahr nicht aufbringen, weil sie so arm sind. „Da müssen wir etwas tun”, hatten die Kinder spontan entschieden.

Der Spendenlauf im Mai war das Ergebnis, und 3226 Euro kamen zusammen. Den Scheck darüber überreichte Schulleiterin Marion Wernerus nun auf dem Schulfest an Martin Krings, Bernd Mainz und Michael Förster vom Vorstand des Fördervereins. Martin Krings zitierte dann aus dem jüngsten Brief von Bruder Theo, der seit fast 44 Jahren in Kabanga lebt und arbeitet: Die neuen Klassenzimmer für das fünfte und sechste Schuljahr seien fertig, allerdings fehlten noch die Möbel. Der Konzener Förderverein mit derzeit mehr als 380 Mitgliedern hat beim Bau der neuen Klassenräume finanziell mitgeholfen. Die Blindenschule auf der Missionsstation wurde für 60 Kinder gebaut, heute leben dort etwa 250 Kinder und Erwachsene, darunter viele Albinos, denen Bruder Theo Schutz gibt vor Übergriffen.

Szenen aus Afrika präsentierten die Kinder auf der Bühne, dazu schlugen andere Kinder den Rhythmus auf ihren Trommeln. Eine hübsche Idee: Viele Kinder hatten sich für den „Afrika-Tag” mit bunten Schals und Tüchern geschmückt. Ein besonderer Beitrag des Festes war die Schuhputz-Aktion gegen Spenden.

Der Aktionstag machte deutlich, dass die Schule eine überaus lebendige Zelle eines Dorfes sein kann und auch zwei Dörfer näher zusammenrücken lässt.

Die weiterführenden Schulen in Kleinhau werden künftig mit der Simmerather Hauptschule zusammenarbeiten und eine Sekundarschule gründen. Das hat die Politik - vielmehr CDU und FDP - beschlossen. Vorangegangen war in der Mediothek des Schulzentrums eine emotionale Debatte, bei der gleich vier Ratsmitglieder wegen Befangenheit weder Stimm- noch Rederecht hatten: Rolf Sieben (CDU) als kommissarischer Leiter der Hauptschule Simmerath, Heidi Rogner (SPD) als Konrektorin der Kleinhauer Hauptschule, Manfred Rogner (Grüne) als unmittelbar Betroffener und Hauptschul-Konrektorin Andrea Volk (SPD).

CDU-Fraktionssprecher Reinhard Odoj machte gleich zu Beginn deutlich, wohin der Weg gehen wird. Und er machte seinem Ärger über das interkommunale Zusammentreffen zwischen Hürtgenwald, Kreuzaus und Nideggen am Vorabend Luft. Odoj beschwerte sich darüber, dass es seitens der beiden anderen Kommunen „keine einladende Bemerkung” gegeben habe. „Ich hatte den Eindruck, man nähme uns - aber ungern”, sagte Odoj. Das seien für ihn keine Startbedingungen für eine kooperative Zusammenarbeit.

FPD-Sprecher Siegfried Bergsch teilte die Einschätzung des CDU-Sprechers, räumte aber ein: „Das sind wir zum Teil selbst schuld. Wir haben uns mit unserem Beschluss festgelegt. Und dabei sollten wir auch bleiben.” Die Zusammenarbeit mit Simmerath sei besser, als „Anhängsel” von Kreuzau und Nideggen zu werden.„Simmerath hingegen hat uns eingeladen”, sagte Odoj. Er wolle diese Einladung annehmen, obwohl auch er - allein wegen der Entfernung - kein Befürworter von Simmerath sei.

SPD-Sprecher Rainer Polzenberg hingegen hatte den Eindruck, ein anderes Treffen besucht zu haben. Und er zeigte auch eine ganz andere Sicht der Dinge. „Wir müssen uns fragen, was Hürtgenwald tun kann, um möglichst bald auf diesen Zug aufzuspringen.” Seine Fraktion sei bereit, mit den Schulen im Südkreis Südkreis zusammenzuarbeiten, und die Lehrer wollten gerne in die Gespräche einsteigen.

Polzenberg sprach sich klar für die „Südkreis-Lösung” aus, „weil diese für Schüler und Lehrer sicherer und für Hürtgenwald besser ist”. Er habe den Eindruck, dass Hürtgenwald willkommen wäre, wenn man denn wolle. Dieses Statement wurde mit „So ist es”-Rufen aus den hinteren Reihen - in denen auch Kreuzauer Politiker Platz genommen hatten - bestätigt.

„Ich als Schulleiterin ohne diese politischen Befindlichkeiten fühle mich eingeladen, mit Nideggen und Kreuzau zusammenzuarbeiten”, sagte Ulla Mertens, Leiterin der Hauptschule in Kleinhau, an Odoj gerichtet. Bei dem Hürtgenwalder Vorspiel mit Simmerath könne man nicht erwarten, dass Kreuzau und Nideggen mit offenen Armen auf die Kommune zulaufen würden.

Die Rektorin kritisierte, dass mit den Zahlen - in der Sitzung hatte es wieder neue gegeben - ein Spiel getrieben werde. Sie äußerte die Befürchtung, dass die tatsächlichen Zahlen eine horizontale Teilung bedeuten würden - „und die wäre fatal”. Der Rat strebt eine vertikale Teilung an, bei der an beiden Standorten die Klassen 5 bis 10 unterrichtet werden. Eine horizontale Teilung bedeutet, dass die Klassen 5 bis 7 und die Klassen 8 bis 10 an verschiedenen Standorten unterrichtet würden.

Polzenberg kritisierte Bürgermeister Axel Buch: „Sie haben gesagt, dass Sie keine Entscheidung treffen, die am Schulpersonal vorbei geht. Momentan sieht es aber so aus.”

Buch selbst zeigte sich mit dem Tempo, „mit dem die Sau Sekundarschule derzeit durchs Dorf getrieben wird”, unzufrieden. Er würde die Entscheidung lieber später treffen, sieht sich jedoch zur Eile gedrängt, um keine Nachteile für den Standort zu verursachen.

Viele Fragen bleiben auch bei den Eltern der Grundschüler unbeantwortet. Sie stört die Unsicherheit. Schließlich müssten sie sich nun für oder gegen eine Schule entscheiden, über die sie fast noch nichts wissen.
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