„Giga-Liner die falsche Entscheidung“

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
10587697.jpg
Im Transportgeschäft sehen sie ihre Zukunft: Die neuen Auszubildenden beim Speditionsunternehmen Hermanns & Kreutz mit Firmenchef Bernd Kreutz und Ausbildungsleiterin Hilla Gombert. Foto: P. Stollenwerk

Kalterherberg. War es Zufall oder Bestimmung? Als Sarah Schüer aus Schleiden an der Haltestelle in Gemünd auf den Schulbus wartete, fiel ihr ein vorbeifahrender Sattelzug ins Auge: „Hermanns & Kreutz – Spedition und Transporte“ stand in schwarzer Schrift auf dem weiß glänzenden Lkw. „Das wäre vielleicht das Richtige“, dachte sich die junge Frau und schrieb kurze Zeit später eine Bewerbung an das ihr bis dahin noch unbekannte Unternehmen.

Anscheinend hatte Sarah Schuer die richtige Eingebung, denn seit dem 1. August 2015 gehört sie zum Team des Unternehmens, das mit insgesamt 230 Beschäftigten zu den drei größten Arbeitgebern in der Stadt Monschau zählt. Gemeinsam mit weiteren acht Auszubildenden startete sie vor wenigen Tagen ins Berufsleben. Sie möchte den Beruf der Speditionskauffrau erlernen. Auch zwei männliche Kollegen tendieren in die gleiche Richtung. Fünf junge Männer streben eine Berufskraftfahrer-Ausbildung an, einer wird zum Mechatroniker ausgebildet. Vier der Auszubildenden kommen aus der Gemeinde Simmerath, die restlichen aus Schleiden, Kall und Hellenthal.

„Ausbildung ist bei uns ein großes Thema“, sagt Bernd Kreutz. Nur so könne es gelingen, die Ideen des Unternehmens auch in die Tat umzusetzen.

Insgesamt sind bei Hermanns & Kreutz aktuell 26 Auszubildende beschäftigt. Die neuen Auszubildenden haben zwar bereits konkrete Vorstellungen von ihrer Tätigkeit, aber erfahrungsgemäß zeigt sich erst nach einer Orientierungsphase im Betrieb, welche Aufgabe am besten passt.

Für Marcel Wolanski gibt es allerdings nichts mehr zu abzuwägen: „Lkw-Fahrer ist mein Traumberuf“, sagt er und freut sich bereits darauf, mit dem Lkw quer durch Europa zu fahren, wenn auch zunächst noch als Beifahrer mit einem erfahrenen Kollegen, denn bislang hat noch keiner der Auszubildenden den Lkw-Führerschein. Die entsprechenden Prüfungen können in der hauseigenen Fahrschule auf dem Firmengelände in Kalterherberg abgelegt werden.

„Auch als Berufskraftfahrer bedürfe es heute vielfacher Qualifikationen“, räumt Firmenchef Bernd Kreutz mit immer noch verbreiteten Vorurteilen auf. Es gehe nicht nur um das Beherrschen des Fahrzeuges, auch in das Speditionswesen habe immer mehr die digitale Welt Einzug gehalten. Außerdem erwarte die Kundschaft heute punktgenaue Lieferungen.

Bernd Kreutz, der mit einem Lkw im Jahr 1988 den Grundstein für das heutige Unternehmen legte, kann daher sehr gut nachvollziehen, wenn es junge Leute hinters Steuer drängt: „Man sieht etwas von der Welt.“

Nach einer für die Firma nicht leichten wirtschaftlichen Phase hofft Bernd Kreutz jetzt, dass ihm neue Vorschriften, wie die Neueinteilung der Schadstoffklassen und die auf den Bundesstraßen ab Herbst geltende Maut für den Frachtverkehr, das Leben nicht allzu schwer machen werden.

Die Notwendigkeit einer zusätzlichen Bemautung kann der Unternehmer aus Kalterherberg im Übrigen nicht erkennen. „Ich sehe keinen Maut-Ausweichverkehr“, sagt Bernd Kreutz, der die kleinen Verteil-Fahrzeuge am Ende der Kette als die Leidtragenden der neuen Regelung sieht. „Zu den entlegenen Bauernhöfen führt keine Bahnlinie, da kommt nur der Lkw hin“, sieht Kreutz, der deutschlandweit noch stärker ins Milchtransportgeschäft einsteigen möchte, eine Benachteiligung für die Speditionsbranche.

Kombinierte Transporte

Kreutz ist ein Verfechter des kombinierten Transportes zwischen Schiene und Straße. Dort, wo der Lkw seine Kompetenz besitze, soll er auch eingesetzt werden, ansonsten solle eine kombinierte Verteilung der Güter gemeinsam mit der Bahn gesucht werden, ein Verfahren, „das bei Hermanns & Kreutz schon immer praktiziert wurde“. So würden zum Beispiel Güter aus der Niederlassung München zunächst per Bahn nach Köln transportiert, um von dort aus per Lkw an die Kundschaft geliefert zu werden: „Massengüter gehören auf die Schiene.“

Diese Kombination hält Kreutz auch für zukunftsfähig, nicht aber den Einsatz von sogenannten „Giga-Linern“, die seiner Meinung nach vollkommen überschätzt würden. Zwar sei es möglich, die Fracht von bisher drei Lkw auf nunmehr zwei zu verteilen, aber unter dem Strich könnten die Verkehrsträger Bahn und Schiff dann in Bedrängnis geraten. So sieht er in den Gigalinern ein ebenso falsches Signal wie auch in den Fernbussen: „Wo es eben geht, soll die Bahn ins Transportkonzept mit eingebunden werden.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert